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IT-Probleme : Deutsche Bank muss von Hand auf Geldwäsche prüfen

Hinter diesen Mauern ... funktioniert die IT nicht: Hauptsitz der Deutschen Bank in Frankfurt. Bild: AFP

Eigentlich sollen Firmenkunden von Deutschlands größtem Geldhaus vollautomatisch auf Geldwäsche abgeklopft werden. Aber ausgerechnet in Russland gelang das bis vor kurzem überhaupt nicht.

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          Die Deutsche Bank hat mit Effizienzmängeln in ihren technischen Abläufen und Systemen zu kämpfen, mit denen sie Firmenkunden rund um die Welt im Verdacht auf Geldwäsche und Sanktionsbrüche prüft. Wie die F.A.Z. erfuhr, funktionierten in Russland die digitalen Prozesse bis vor kurzem offenbar so gut wie gar nicht, so dass die von den Bankenaufsehern verlangten 64 Abfragen für nahezu alle Kunden „per Hand“ bearbeitet werden mussten.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Inzwischen hat sich nach einem internen Dokument der Deutschen Bank vom Juni in Russland die Automatisierungsquote von 0 auf 67 Prozent erhöht, wie in Finanzkreisen bestätigt wird. Das heißt: 67 Prozent aller Geldwäscheprüfungen dort laufen inzwischen vollautomatisch durch. Die Deutsche Bank will allerdings eine Quote von 95 Prozent erreichen. Doch auch in anderen Ländern wie Spanien, Irland, den Niederlanden und den Vereinigten Staaten hat die Bank in ihren Prozessen noch so große Defizite, dass sie ihre Effizienzziele deutlich verfehlt.

          Die technischen Probleme der Deutschen Bank sind legendär, seit der frühere Vorstandschef John Cryan ihre IT als lausig bezeichnet hat. IT-Chefin Kim Hammonds musste zurücktreten, nachdem sie die Deutsche Bank entwaffnend ehrlich das „dysfunktionalste Unternehmen“ genannt hatte, in dem sie je gearbeitet habe. Im Juni hat die amerikanische Bankenaufsicht die Deutsche Bank als einziges von 35 geprüften Instituten durch einen Stresstest rasseln lassen. Die Aufseher bemängelten „erhebliche Schwächen“, etwa mit Blick auf die verfügbaren Daten zu Kunden und die internen Kontrollen.

          Mitarbeiter der Deutsche Bank sollen bei Geldwäsche geholfen haben

          Für den seit 8. April amtierenden Vorstandsvorsitzenden Christian Sewing haben nach ersten Erfolgen im Personalabbau nun erklärtermaßen die IT-Probleme höchste Priorität. Die jetzt bekanntgewordenen Schwierigkeiten in Russland sind pikant mit Blick in die Vergangenheit. Einige ehemalige Mitarbeiter der Deutschen Bank in Moskau sollen zwischen 2011 und 2015 russischen Kunden geholfen haben, über dubiose Aktiengeschäfte Rubel im Gegenwert von 10 Milliarden Dollar zu waschen. Auf 640 Millionen Euro summieren sich die Strafen bisher, die amerikanische und englische Aufsichtsbehörden gegen die Deutsche Bank allein für diesen Skandal verhängt haben.

          Die Deutsche Bank betonte, dass es keine neuen Geldwäscheverdächtigungen gebe. Auch führten ihre von den Aufsehern unter dem Schlagwort KYC für das englische „Know Your Customer“ („Kenne deinen Kunden“) verlangten Prüfungen zu belastbaren Ergebnissen. Allerdings müssten noch zu oft Mitarbeiter dort eingreifen, wo eigentlich nur Maschinen arbeiten sollten.

          „Wir haben keine Probleme bei unseren Verfahren, die Geldwäsche und andere Formen der Finanzkriminalität verhindern sollen. Im Gegenteil: Unsere Verfahren, um Geldwäsche- und KYC-Risiken zu erkennen, sind wirksam“, sagte der Sprecher der Deutschen Bank. Die durch die Nachrichtenagentur Reuters bekanntgewordenen Dokumente der Bank zeigten jedoch, „dass unsere Prozesse noch zu kompliziert sind“, gab der Sprecher zu: „Wir müssen uns bezüglich unserer internen Prozesse weiter verbessern.“

          Viele Banken klagen

          Damit ist die Deutsche Bank nicht allein. Viele Banken klagen darüber, dass sie aufwendige Routinen zur Identifizierung und Behandlung ihrer Kunden einhalten müssen. So soll verhindert werden, dass Kriminelle sich hinter falschen Identitäten oder komplexen Firmenstrukturen verstecken, Geld waschen oder gegen sie verhängte Sanktionen umgehen.

          Philippe Vollot, Leiter der Abteilung zur Bekämpfung von Finanzkriminalität in der Deutschen Bank, hat das im Gespräch mit der F.A.Z. so erklärt: „Wenn ein Kunde aus einem Hochrisikoland kommt und ein Konto bei uns eröffnen will, müssen wir ihm so lange Fragen stellen, bis wir nachvollziehen können, was seine wirtschaftlichen Beweggründe dafür sind.“ Vollots Abteilung muss immer dann „per Hand“ tätig werden, wenn die automatische KYC-Prüfung abgebrochen wird. Das kann, muss aber nicht aufgrund eines konkreten Geldwäscheverdachts passieren. Es reicht, wenn Daten zu einer von 64 Abfragen, die von der Bankenaufsicht je Kunde verlangt werden, nicht übermittelt wurden.

          Auch wenn viele Banken mit der KYC-Prüfung zu kämpfen haben: Die IT-Systeme der Deutschen Bank scheinen besonders leicht damit überfordert zu sein, etwa digitale Anhänge zu transportieren. Auch deshalb ist Vollots Abteilung für Nachbereitung trotz des konzernweiten Stellenabbauprogramms seit Anfang 2017 um 500 auf 1300 Arbeitsplätze erweitert worden – Tendenz steigend.

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