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iPhone X : Nur telefonieren kann es nicht richtig

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„Sag der Zukunft hallo“ – aber nicht am Telefon. Bild: EPA

Das iPhone X ist eines der teuersten Smartphones. Doch jetzt klagen immer mehr Nutzer über einen Fehler – ausgerechnet beim Telefonieren.

          In Apple-Foren mehren sich Hinweise auf einen Fehler des neuen Smartphones iPhone X ausgerechnet in einer traditionellen Kernfunktion. Das Gerät kostet in Deutschland mindestens 1100 Euro, es hat gleich drei Objektive für Fotografie und Videochats und erkennt seinen Besitzer am Gesicht. „Sag der Zukunft hallo“, warb Apple. Offenbar tut man das lieber nicht am Telefon. Denn jetzt heißt es: Wenn das Gerät einen Anruf annehmen soll, sei es schnell überfordert.

          Hunderte Nutzer hätten sich bei Apple beschwert, berichtet die „Financial Times“: Wenn ein Anruf komme, klingele das Telefon zwar. Aber bis zu zehn Sekunden lang gehe der Bildschirm nicht an. Deshalb können die Nutzer auch nicht an die Stelle auf dem Bildschirm tippen, mit der sie den Anruf annehmen. Apple sagte, das Unternehmen sehe sich diese Beschwerden gerade genauer an.

          Möglicherweise fiel der Bug auch deshalb spät auf, weil das Telefon längst nicht mehr zu den zentralen Funktionen der Taschencomputer gehört, die unter dem Namen „Smartphones“ laufen. Textnachrichten, zum Beispiel in Whatsapp, haben Telefonaten zum Teil den Rang abgelaufen: Erstens muss man dafür nicht gleichzeitig am Telefon sein, zweitens kann man mit mehreren Leuten gleichzeitig chatten und drittens über seine Antwort länger nachdenken. Unter Jugendlichen gilt es inzwischen teils als unhöflich, ohne Verabredung anzurufen.

          Übermäßig neu ist das Phänomen allerdings nicht. Die Sprachqualität des iPhone galt noch nie als besonders. Und: Schon als sich im Jahr 2012 Smartphones allmählich verbreiteten, zeigte eine Analyse des britischen Telekommunikationskonzerns O2, dass Anrufe nur an Rang 5 der Aktivitäten auf Smartphones stehen. Inzwischen ist ihre Bedeutung möglicherweise weiter zurückgegangen.

          Apple hat immer wieder Software-Probleme

          Über den Erfolg des iPhone X herrscht derzeit ohnehin Unsicherheit. Seit Apple in der vergangenen Woche seine Geschäftszahlen fürs Weihnachtsquartal bekanntgegeben hat, ist klar: In den Wochen vor Weihnachten war das Modell durchaus erfolgreich. Es war Apples meistverkauftes iPhone. Auch unabhängige Marktforscher bescheinigen dem Modell Erfolg – für die Zeit vor Weihnachten. Anschließend kamen Gerüchte über Produktionsdrosselungen auf, zuletzt spekulierte eine koreanische Publikation sogar über die Einstellung des iPhone X im September. Bis heute ist unklar: Basieren diese Spekulationen nur auf saisonalen Schwankungen nach einem traditionell starken Weihnachtsquartal, oder ist die Nachfrage inzwischen generell schwach?

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          Sicher ist: Apple hatte zuletzt immer wieder Schwierigkeiten mit der Qualität seiner Software. Im November sorgte eine eklatante Sicherheitslücke bei der Anmeldung an den Computern für Aufsehen: „Stellen Sie sich eine abgeschlossene Tür vor, aber wenn Sie immer wieder den Türgriff drücken, sagt sie ,na gut' und lässt sie auch ohne Schlüssel durch“, twitterte damals Edward Snowden. Apple sah sich gezwungen, schnell ein Software-Update herauszugeben.

          Inzwischen gibt es Berichte, denen zufolge das nächste Update des Handy-Betriebssystems, das traditionell im Herbst geschieht, weniger neue Funktionen bringen soll. Software-Chef Craig Federighi habe Mitarbeitern gesagt, der Fokus liege erst mal auf Sicherheit und Qualitätssicherung. Einige Überarbeitungen und neue Funktionen würden auf 2019 verschoben, zum Beispiel ein neuer Startbildschirm, die E-Mail-App und Funktionen für die Nutzung im Auto.

          Immerhin berichtet das „Wall Street Journal“ von einem Teilerfolg für Apple: Sein Musikdienst „Apple Music“ sei in den Vereinigten Staaten dabei, mehr Nutzer zu gewinnen als Spotify. Im Rest der Welt liegt Apple trotzdem noch weit hinter dem Rivalen.

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