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Internet-Kommentar : Entflechtet Facebook!

Das Kartellamt knöpft sich Facebook vor. Der Konzern wehrt sich, doch sein Argument, keine Marktmacht zu besitzen, verfängt nicht: Wer in der sozialen Netzwelt mitreden will, kommt an Facebook nicht vorbei.

          Der Kartellamtsbericht zu Facebook ist 316 Seiten dick. Für das soziale Netzwerk ist der Inhalt alarmierend: Die Wettbewerbshüter wollen dem Konzern vorschreiben, dass er die gesammelten Daten auf den Plattformen Facebook, Whatsapp und Instagram weniger verflechten darf, um Profile anzulegen. Auch die gewonnen Informationen über die auf Internetseiten eingebetteten „Like“- und „Share“-Knöpfe sollen weniger Einfluss auf die Personalisierung haben.

          Das greift nicht nur Facebooks Geschäftsmodell direkt an, sondern könnte auch andere Regulatoren in Europa zu ähnlichen Untersuchungen anstiften. Nicht ohne Grund betont das Kartellamt in seinem Bericht, wie eng es mit ausländischen Stellen zusammengearbeitet hat.

          Facebook wehrt sich. Es hat seine Robustheit auch schon bewiesen: Trotz des Horrorjahres mit Datenschutzskandalen geht es Facebook wirtschaftlich blendend – es ist fraglich, inwieweit die deutschen Wettbewerbshüter an dieser Vormachtstellung kratzen können.

          Das Argument aus Amerika, keine Marktmacht zu besitzen, verfängt indes nicht: Wer in der sozialen Netzwelt mitreden will, kommt an Facebook nicht vorbei. Der Ansatz des Kartellamts, Datensammeln über eine formale Einwilligung zu legitimieren, greift zwar zu kurz – aber für die Nutzer ist es ein Signal. Jeder sollte genau prüfen, wem er Daten anvertraut.

          Jonas Jansen

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für die „Netzwirtschaft“.

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