https://www.faz.net/-gqe-9jclz

Globale Internetnutzung : 2019 werden wir 1,2 Milliarden Jahre online verbringen

Menschen filmen das Silvester-Feuerwerk in der philippinischen Hauptstadt Manila. Bild: Reuters

Eine neue Studie zeigt auf, wie die Weltbevölkerung das Internet nutzt. Ein Land bricht dabei gleich zwei Rekorde.

          Vergangenes Jahr führte Apple die Funktion „Screen Time“ ein: Damit können Nutzer nachvollziehen, wie viele Stunden sie täglich an ihrem Smartphone verbringen – böse Zungen würden sagen, wie süchtig sie nach ihrem mobilen Gerät sind. Eine umfassende Untersuchung der globalen Internetnutzung durch die Beratungsunternehmen HootSuite und We Are Social zeigt nun, dass die Menschen in Südostasien am meisten Zeit im Netz verbringen, mit einem klaren Rekordhalter: den Philippinen.

          Jessica von Blazekovic

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Durchschnittlich zehn Stunden und zwei Minuten hängen die Einwohner des Inselstaates täglich vor dem Computer- oder Handybildschirm, also deutlich mehr als ein Drittel ihres Tages. Mehr als vier Stunden werden dabei allein für die sozialen Medien aufgewendet, ebenfalls ein Weltrekord. Auf den Philippinen gelten ein mobiles Telefon und Internet als Menschenrecht, das Handy ist das wichtigste Kommunikationsmittel. So kommen Schätzungen zufolge auf die rund 106 Millionen Einwohner 120 Millionen Handynummern. Die Menschen informieren sich online über Wetter und Verkehr, Bauern und Fischer rufen aktuelle Warenpreise digital ab.

          Doch die extensive Internetnutzung hat noch einen weiteren Grund: Auf den Philippinen arbeiten viele sogenannte „Cleaner“. Das sind Menschen, die das Internet in stundenlanger, mühevoller Arbeit „aufräumen“, also von illegalen oder unerwünschten Inhalten wie Kinderpornografie oder Hetze befreien. Viele Internetunternehmen verlagern diese mitunter psychisch überaus belastende Aufgabe auf die Philippinen.

          Mobile Nutzung immer wichtiger

          Unter den Top 5 befinden sich mit Thailand (9,11 Stunden) und Indonesien (8,36 Stunden) zwei weitere südostasiatische Länder, sowie mit Brasilien (9,29 Stunden) und Kolumbien (9 Stunden) zwei südamerikanische Länder. Die Studie macht einen Trend deutlich: In Entwicklungsländern ist die Internetnutzung besonders hoch. Unter den 17 Ländern, die über dem weltweiten Durchschnitt von sechs Stunden und 42 Minuten liegen, finden sich zum Beispiel auch Indien, Vietnam, Mexiko und Ägypten.

          Aus Europa schaffte es indes kein Land über den globalen Schnitt. Am nächsten kommen diesem Portugal (6,38 Stunden), Italien (6,4 Stunden) und Polen (6,2 Stunden). Mit vier Stunden und 37 Minuten liegt Deutschland weit abgeschlagen im hinteren Feld der untersuchten Länder, unterboten noch von Japan, wo die Menschen im Schnitt drei Stunden und 45 Minuten im Netz verbringen.

          Der Studie zufolge haben mittlerweile rund 4,4 Milliarden Menschen oder 57 Prozent der Weltbevölkerung Zugang zum Internet, mit einem exponentiellen Anstieg der Nutzerzahlen. So rechnet der Autor Simon Kemp denn auch vor: „Die globale digitale Gemeinschaft wird im Jahr 2019 zusammen mehr als 1,2 Milliarden Jahre im Internet verbringen.“ Die meiste Zeit werde das Internet über mobile Geräte und für soziale Medien genutzt.

          Fast 3,5 Milliarden Menschen bewegten sich heute auf sozialen Plattformen, 280 Millionen mehr als noch im Januar 2018. Dabei habe unter den großen Anbietern Instagram mit plus 4,4 Prozent den größten Zuwachs verzeichnet, Snapchat mit minus 12 Prozent die größten Verluste. Von dem wachsenden Trend hin zur mobilen Nutzung des Internets sowie mobilen Bezahlsystemen profitiere indes besonders der Online-Handel. 

          Viele Länder weiterhin abgehängt

          „Die große Geschichte dieses Jahr ist das sich beschleunigende Wachstum der Internetnutzer“, schreibt Kemp. Im Jahr 2018 hätten sich mehr als 360 Millionen Menschen zum ersten Mal online bewegt – das sind im Schnitt mehr als eine Million neue Nutzer am Tag. Den absolut größten Sprung machte demnach Indien: 100 Millionen Menschen fanden im vergangenen Jahr den Weg in das World Wide Web, damit sind nun 41 Prozent der indischen Bevölkerung vernetzt.

          Die schnellste Internetverbindung gibt es der Studie zufolge in Singapur, mit durchschnittlich 190,9 Millionen Megabytes pro Sekunde (MBit/s). Deutschland schafft es mit 64 MBit/s über den weltweiten Durchschnitt von 54,3 MBit/s. Schlusslicht bildet Ägypten mit 6,7 MBit/s. 

          Die Top 3 der meistbesuchten Internetseiten sind Google, Facebook und Youtube, die häufigsten Sprachen für Online-Inhalte Englisch, Russisch und Deutsch. Am meisten Sorgen über ihre Datensicherheit machen sich Menschen in Spanien. Dort fürchten 63 Prozent der Bevölkerung um ihre Privatsphäre im Netz, in Deutschland sind es 40 Prozent. In Nigeria hingegen sorgen sich hingegen nur 29 Prozent um ihre Daten. 

          Doch es gibt weiterhin Länder, die von der digitalen Entwicklung abgehängt sind. So sind der Studie zufolge 20.000 Nordkoreaner und damit nur 0,08 Prozent der Bevölkerung vernetzt. Auch in Eritrea (71.000 Nutzer und 1,4 Prozent der Bevölkerung) und Chad (779.188 Nutzer und 5 Prozent der Bevölkerung) nutzen noch vergleichsweise wenige Menschen das Internet. Überhaupt sind es laut der jüngsten Untersuchung insbesondere afrikanische Länder, die am wenigsten am digitalen Fortschritt teilhaben können.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Lencke Steiner, Spitzenkandidatin der Bremer FDP für die Bremer Bürgschaftswahl, könnte einem Jamaika-Bündnis im Wege stehen.

          FDP in Bremen : Im Reich des Tschakka

          Die aus dem Fernsehen bekannte Spitzenkandidatin der Bremer FDP, Lencke Steiner, gilt als Marketingtalent, aber auch als Hindernis für eine Jamaika-Koalition – beides steht in einem Zusammenhang.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.