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Deutscher Fernsehhersteller : Loewe rennt die Zeit davon

Andere Zeiten: Besucher am Loewe-Stand während der Internationalen Funkausstellung in Berlin im Jahr 2009. Bild: dpa

Was wird aus dem klammen Fernsehhersteller Loewe? Viele Mitarbeiter müssen nun um ihren Arbeitsplatz fürchten.

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          Der angeschlagene deutsche Fernsehhersteller Loewe muss schnell tiefe Einschnitte vornehmen, um leichter einen dringend benötigten Geldgeber zu finden. Der Anbieter von hochwertigen und teuren Fernsehgeräten wird seit Anfang Mai wegen der verschlechterten Verkaufszahlen in einer Insolvenz in Eigenverwaltung fortgeführt.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Bis Ende Juli hat Loewe Zeit, einen Investor zu finden. „Wir stehen in Kontakt zu einer Reihe von potentiellen Investoren“, sagte Ralf Vogt, der Vorsitzende der Geschäftsführung, an diesem Montag der F.A.Z.

          Um Geldgeber zu überzeugen, hat Vogt ein tiefgreifendes Sparprogramm aufgesetzt, das mit einem empfindlichen Stellenabbau und gar mit der Verlagerung der Produktion vom Stammwerk in Kronach ins Ausland einhergehen kann. Loewe bestätigte, dass am Dienstag die Belegschaft auf einer Betriebsversammlung informiert werden soll.

          Details wird es noch nicht geben. Ein beträchtlicher Teil der knapp 500 Mitarbeiter muss aber um den Arbeitsplatz fürchten. Dabei geht es nicht nur um die Produktion, in der noch 124 Mitarbeiter tätig sind. Auch Bereiche wie Verwaltung, Vertrieb oder Entwicklung sind betroffen. Die Produktionsverlagerung sei eine Option, sagte Vogt.

          „Das geht nur, wenn Loewe wieder profitabel wird“

          „Wir müssen unsere Kapazitäten an die Umsatzerwartungen anpassen, die während der Insolvenzphase realistisch erscheinen.“ Vogt kündigte „größere Einschnitte“ an, solange das Unternehmen ohne neuen Investor agieren müsse. „Langfristig ist die Personalentwicklung abhängig von den Vorstellungen und Konzepten eines künftigen Investors.“

          Verschiedene Modelle werden schon mit dem Betriebsrat verhandelt. Viel Zeit bleibt nicht, um Investoren davon zu überzeugen, dass Loewe mit einem Sparpaket für ein Engagement attraktiv ist. Ziel sei es, so viele Beschäftigte wie möglich zu behalten. „Das geht aber nur, wenn Loewe auf diesem Weg wieder profitabel wird“, sagte Vogt.

          So könnte der Teufelskreis aufgebrochen werden. „Die Umsetzung ist notwendig, um die vorgestellten Konzepte für eine nachhaltige Zukunft umsetzen zu können“, sagt Vogt. Die Ungewissheit über den Einstieg eines Investors behindert schon vereinbarte Kooperationsvereinbarungen, weitere Partnerschaften können nicht abgeschlossen werden.

          Seit Jahren kämpft Loewe, zuletzt im Besitz des Investors Stargate Capital, mit der Positionierung als Anbieter von Fernsehgeräten der Premiumklasse gegen die Südkoreaner LG und Samsung oder Panasonic aus Japan. Die Bayern kämpfen gegen einen aktuellen Absatzrückgang von mehr als 20 Prozent. Der Umsatz erreichte 2017 etwa 160 Millionen Euro.

          Nach der ersten Insolvenz 2013 musste das Traditionsunternehmen Anfang Mai die Insolvenz in Eigenverwaltung beantragen. Zugleich hat Loewe ein Zukunftskonzept vorgestellt: Über Partner sollen Auslandsmärkte erschlossen werden, über Lizenzgeschäfte mit der Premiummarke zusätzliche Einnahmen generiert werden, mehr als bisher sollen Audioprodukte wie Surround-Systeme und Blue-Tooth-Lautsprecher entwickelt werden.

          Schon jetzt werden Elektronikkomponenten für die Haus-, Klima- oder Steuerungstechnik im Auftrag Dritter zur besseren Kapazitätsauslastung gefertigt. Vogt, seit Ende 2018 Loewe-Chef, hofft, die Marke erhalten zu können. Sie ist neben Technisat der einzige verbliebene deutsche Geräte-Hersteller, obwohl die meisten Komponenten inklusive Bildschirme schon importiert werden. Die Marke Metz wurde 2015 von Chinesen erworben.

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