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Deutschland hinkt hinterher : Ingenieure warnen vor Desaster mit Künstlicher Intelligenz

  • -Aktualisiert am

Der VDI, der rund 140.000 Ingenieure in Deutschland vertritt, sieht einige Anhaltspunkte für einen schwächelnden KI-Standort Deutschland. Bild: dpa

Amerika und China enteilen, während Deutschland nicht so recht hinterherkommt. Das ist der Eindruck der Ingenieure in Sachen KI - und Besserung scheint so schnell nicht in Sicht.

          Deutschlands Ingenieure haben zum Thema Künstliche Intelligenz einen erstaunlichen Stimmungsumschwung hinter sich. Vor einem Jahr noch kam in einer Umfrage des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) unter seinen Mitgliedern ganz harmlos heraus, dass diese Technologie noch in den Kinderschuhen stecke. Das klang wenig bedrohlich. Jetzt aber ist der Tenor ein ganz anderer: Die Umfrage dieses Jahres, abermals vorgestellt auf der Industriemesse in Hannover, ergab eine bedenkliche Einschätzung der deutschen Fähigkeiten und Perspektiven in Sachen Künstlicher Intelligenz (KI).

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Fast zwei Drittel der befragten Ingenieure gaben an, dass Deutschland die Kompetenzen fehle, KI-Technologien effizient einzusetzen. Das ist in einer Zeit, in der KI zugetraut wird, auch die industrielle Produktion gründlich zu verändern, keine schöne Aussicht. Nur noch 14 Prozent sehen Deutschland im internationalen Wettbewerb in einer Führungsposition – das ist ein Minus von stattlichen 53 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Das deutet stark darauf hin, dass Deutschland den Anschluss im globalen KI-Wettbewerb verliert“, sagte der neue VDI-Präsident Volker Kefer.

          An der Spitze haben sich nach Ansicht der Ingenieure andere festgesetzt. Bei der Frage nach den führenden KI-Nationen wurden die Vereinigten Staaten noch etwas häufiger genannt als China, allerdings war der Abstand vor einem Jahr erheblich größer. Demnach richten sich die meisten auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen dieser beiden Länder ein. Deutschland spielt hier keine Rolle mehr.

          „Ich frage mich, woher das entsprechende Personal kommen soll.“

          Zwar hat die Bundesregierung im vergangenen Jahr eine KI-Strategie angekündigt, aber was das für sie bedeuten soll, wissen die deutschen Ingenieure auch nicht so recht. Kefer kritisierte, dass immer noch nicht klar sei, wie hoch die Förderung ausfallen und aus welchen Töpfen sie kommen solle. Auch die genaue Verwendung sei ungeklärt. Von mehreren Milliarden Euro Förderung war die Rede, aber die Skepsis hat diese Ankündigung nicht vertreiben können.

          Konkreter war immerhin die Absicht, 100 neue Professuren für KI in Deutschland zu finanzieren. Kefers Kommentar: „Ich frage mich, woher das entsprechende Personal kommen soll.“ Zwar gebe es an den deutschen Hochschulen wieder mehr Informatik-Studenten, aber das wird vorerst auch nicht weiterhelfen. Im Wintersemester 2017/18 haben von insgesamt 769.000 in den Ingenieurwissenschaften eingeschriebenen Studenten knapp 218.000 das Fach Informatik gewählt, immerhin eine Steigerung um 10.000 im Vergleich zum vorherigen Wintersemester.

          Aktuell aber sieht es auf dem Arbeitsmarkt düster aus: Im vierten Quartal 2018 gab es im Monat durchschnittlich 126.000 offene Stellen für Ingenieure und Informatiker, knapp 43.000 davon fielen auf den IT-Bereich. Das entspricht einer Steigerung von 6 Prozent.

          Der VDI, der rund 140.000 Ingenieure in Deutschland vertritt, sieht jedenfalls einige Anhaltspunkte für einen schwächelnden KI-Standort Deutschland. Der gutgemeinten KI-Strategie müssten dringend Taten folgen. „Es wäre fahrlässig, bei der KI weiter an Boden zu verlieren“, warnte Kefer.

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