https://www.faz.net/-gqe-9n8fo

Druck aus Amerika : Immer mehr Unternehmen beenden Zusammenarbeit mit Huawei

  • Aktualisiert am

Neue Dringlichkeit

Die Produkte von ARM werden überall auf der Welt in den Prozessoren von Mobilfunkgeräten eingesetzt. In einer Unternehmensmitteilung schrieb der Konzern, dass seine Produkte „Technologie amerikanischen Ursprungs“ enthielten und sich das Unternehmen deshalb von dem Dekret der amerikanischen Regierung betroffen fühle. In einer Stellungnahme teilte ARM mit, „sich an alle jüngst verordneten Regulierungen der amerikanischen Regierung zu halten“. ARM hält Niederlassungen in mehreren amerikanischen Bundesstaaten, unter anderem in Kalifornien, Washington und Texas.

Der Bann könnte Huawei schmerzlich treffen: „BBC“ zitiert einen Analysten, der von einem „unüberwindbaren“ Schlag für das Unternehmen spricht, sollte ARM Huawei langfristig ausschließen. Bislang stellt Huawei seine eigenen Chips auf Grundlage von ARM-Technologie her und bezahlt dafür eine Lizenzgebühr. 

Unter dem massiven Druck der amerikanischen Sanktionen und der zunehmenden internationalen Isolation verkündete Huawei am Mittwoch denn auch, bei seinem eigenen Betriebssystem aufs Tempo drücken zu wollen. Bis spätestens zum nächsten Frühjahr soll es demnach einsatzbereit sein, vielleicht auch schon im Herbst. Es solle auf Smartphones, Computern, Tablets, Fernsehern, in Autos und in tragbaren Geräten laufen und mit Android-Apps kompatibel sein, kündigte der Chef der Huawei-Verbrauchersparte, Yu Chengdong, laut „Phoenix News“ vom Mittwoch an.

Die bereits seit dem Jahr 2012 verfolgte Entwicklung eines eigenen Betriebssystems hat für den zweitgrößten Smartphone-Produzenten eine ganz neue Dringlichkeit bekommen, seit die Regierung in Washington die Geschäfte von amerikanische Unternehmen wie Google mit dem chinesischen Konzern deutlich einschränken will. Damit würde Huawei später als andere Smartphone-Anbieter an neue Versionen des Betriebssystems Android kommen und könnte keine Google-Dienste vorinstallieren.

Zunächst untersagte der amerikanische Präsident Donald Trump am Freitag alle Geschäfte, lockerte aber die Maßnahmen für 90 Tage. Damit soll vor allem die weitere Versorgung bereits ausgelieferter Smartphones sowie der Betrieb von Mobilfunk-Netzwerken mit Huawei-Technik in ländlichen Regionen der Vereinigten Staaten sichergestellt werden. Das Unternehmen ist der zweitgrößte Smartphone-Anbieter der Welt und auch ein führender Netzwerkausrüster.

Vorwurf der Spionage

Für Nutzer von Huawei-Smartphones bedeutet der Schritt unter anderem, dass Google die Telefone heutiger Huawei-Kunden in den kommenden drei Monaten weiter in vollem Umfang mit Updates und Apps versorgen kann. Für die Verwendung von amerikanischer Technologie in neuen Produkten gilt die Lockerung aber nicht.

Amerika hatte Huawei auf eine schwarze Liste von Unternehmen gesetzt, deren Geschäftsbeziehungen zu amerikanischen Partnern strengen Kontrollen unterliegen. Wer amerikanische Technik an Huawei verkaufen oder transferieren will, muss eine Lizenz erwerben. Diese kann verweigert werden, wenn Sicherheitsinteressen berührt sind.

Huawei wird von Behörden in Amerika verdächtigt, seine unternehmerische Tätigkeit zur Spionage für China zu nutzen. Beweise dafür wurden bislang nicht öffentlich gemacht. Die Vereinigten Staaten drängen auch andere westliche Länder wie Deutschland, Huawei von den Netzen für den künftigen superschnellen Mobilfunk-Standard 5G fernzuhalten. Huawei wies die amerikanischen Vorwürfe stets zurück.

Weitere Themen

Das ist das teuerste Land Europas Video-Seite öffnen

17 Euro für eine Pizza : Das ist das teuerste Land Europas

Für eine Einzimmerwohnung in Reykjavik werden durchschnittlich 1300 Euro fällig, für eine Pizza zahlt man 17 Euro und selbst eine Flasche Bier kostet sieben Euro – das Leben in Island ist eindeutig nichts für Sparfüchse.

Topmeldungen

Und wieder ein Neubau: Baustelle im rheinland-pfälzischen Nieder-Olm

Wohnen in Deutschland : In der Provinz wird häufig zu viel gebaut

Immer mehr Menschen zieht es in die Großstadt – doch in deutschen Metropolen werden einer Studie zufolge viel zu wenige Wohnungen gebaut. Anders sieht es dagegen vielerorts auf dem Land aus. Dort wären andere Maßnahmen sinnvoller.
FDP-Chef Christian Lindner im ARD-Interview

TV-Kritik: Sommerinterviews : Nur posieren reicht nicht

Christian Lindner und Robert Habeck treten in ARD und ZDF gegeneinander an – ohne dabei den jeweils anderen zu erwähnen. Während der FDP-Chef auf eine desinteressierte Fragestellerin trifft, geriert sich der Grünen-Vorsitzende als Schlitzohr.
Unser Sprinter-Autor: Carsten Knop

F.A.Z.-Sprinter : Eine gute und eine schlechte Nachricht

In der Ukraine setzt sich die Partei des neuen Präsidenten Selenskyj klar durch – doch der Erfolg hat einen Haken. Währenddessen steigt in Deutschland eine bestimmte Last immer weiter an. Alles, was wichtig ist, im F.A.Z.-Sprinter.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.