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Gegen Huawei : Größter amerikanischer Einzelhändler wirft chinesische Handys raus

  • Aktualisiert am

Hat es schwer auf dem amerikanischen Markt: Huawei Mate 10 Pro Bild: AFP

Der chinesische Smartphone-Hersteller Huawei jagt derzeit Samsung und Apple, aber auch der Politik Angst und Schrecken ein. Jetzt folgt ein herber Rückschlag auf dem amerikanischen Markt.

          Die beiden Unternehmen Samsung und Apple lieferten sich in den vergangenen Jahren ein Wettrennen um die Top-Smartphones, doch der chinesische Hersteller Huawei holt kräftig auf. Man könnte auch sagen: Er jagt seinen Konkurrenten Angst und Schrecken ein. Zudem schickt er sich an, eine bestimmende Rolle im künftigen Mobilfunkstandard 5G zu spielen, der die Basis für das Internet der Dinge legt. Diese wichtigen Technologien in chinesischer Hand, das ist eine Horrorvorstellung in den Vereinigten Staaten. Auch deshalb hat er es dort besonders schwer, in den Markt zu gelangen.

          Jetzt nimmt offenbar der größte amerikanische Elektro-Einzelhändler Best Buy die Produkte von Huawei aus seinem Sortiment. Die Handelskette bestätigte gegenüber CBS, dass zumindest in den kommenden Wochen keine Geräte mehr angeboten werden. Damit sind die chinesischen Smartphones quasi nur noch im Online-Verkauf bei Amazon, nicht aber im stationären Handel erhältlich. Für Huawei ein herber Rückschlag.

          AT&T verkündete erst vor kurzem den Verkaufsstopp

          Das Weiße Haus und der amerikanische Kongress setzen derzeit alles daran, Huaweis Lauf zu stoppen. Selbst die jüngste ungewöhnliche Entscheidung von Präsident Donald Trump, die Übernahme des amerikanischen Chipherstellers Qualcomm durch Broadcom, einen Konzern aus Singapur, zu verbieten, war entscheidend von der Angst vor Huawei bestimmt. Die Regierung fürchtet, Qualcomm könne in Folge der Verschmelzung technologisch den Anschluss verlieren; und das in einer Zeit, in der die Grundlagen für das Internet der nächsten Generation gelegt werden.

          Huawei ist inzwischen vor allem dank politischer Interventionen vom amerikanischen Markt und von amerikanischer Technologie ausgeschlossen. Der Telekommunikationskonzern AT&T beendete auf Druck der Politik jüngst abrupt eine Vereinbarung mit Huawei, die es den Chinesen erlaubt hätte, Smartphones in amerikanischen AT&T-Filialen zu verkaufen. Dies war nur der jüngste Streich der Regierung und engagierter Abgeordneter, die chinesischen Ambitionen auf technologische Dominanz zu bremsen. Vor knapp zehn Jahren verhinderten Kongress und das Regierungskomitee für Investitionen von Ausländern in Amerika, dass Huawei den Technologiekonzern 3Com kauft.

          Spionage und Sabotage?

          2011 ließ der Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses prüfen, ob Huawei und ein weiteres chinesisches Unternehmen die nationale Sicherheit gefährden. Der Bericht gipfelte in der Empfehlung an einheimische Unternehmen, in ihren Wertschöpfungsketten auf Huawei-Produkte zu verzichten, wenn sie weiter Interesse an öffentlichen Infrastrukturprojekten hätten. Später untersagte der Kongress amerikanischen Behörden, chinesische IT-Produkte zu kaufen.

          Huawei bekommt Schläge für Chinas aggressive Technologiepolitik. Sie zielt auf die globale Dominanz von Konzernen aus dem Reich der Mitte, ohne dass auf geistige Eigentumsrechte besondere Rücksicht genommen wird. Die amerikanische Handelskammer in China hatte schon 2009 dargelegt, dass Peking das Ziel verfolge, nationale Technologiechampions zu bilden, auch mit „geborgter“ Technik aus dem Westen. Erzwungener Technologietransfer ist eine stetige Klage westlicher Unternehmen in China. Und gesetzliche Initiativen wie das 160 Milliarden Dollar schwere Entwicklungsprogramm zur Förderung der chinesischen Halbleiterindustrie verstärken die Sorgen im Westen vor der östlichen Dominanz.

          Deshalb stehen Technologiegiganten wie Alibaba, Baidu oder Tencent – und eben Huawei – seit Jahren unter besonderer Beobachtung der Amerikaner. Sie argumentierten dabei vordergründig nicht ökonomisch, sondern sicherheitspolitisch. Die Direktoren von FBI, CIA, NSA und drei weiteren Diensten hatten sich kürzlich gemeinsam besorgt gezeigt, dass über Geräte von Huawei wichtige Informationen in die Hände der Regierung in Peking fallen könnten und so Spionage, Sabotage sowie gezielter Desinformation Vorschub geleistet werde. Daher sollten sich Privat- und Firmenkunden von Huawei lieber fern halten, so ihr Fazit.

          Wurzeln reichen ins chinesische Militär zurück

          Der Konzern weiß um die Vorwürfe – und versucht seit Jahren gegenzuhalten. Gerne verweist man auf die eigenen milliardenschweren Investitionen, auf die Patentfülle, die sogar Siemens in den Schatten stellt, und auf die gut laufenden Geschäfte in Europa. In Großbritannien kooperiert Huawei nach eigenem Bekunden technisch mit den dortigen staatlichen Sicherheitsdiensten. In Deutschland arbeitet das Unternehmen mit der Deutschen Telekom zusammen. Nur in Amerika kamen die Chinesen bislang nicht zum Zug.

          Hier erinnert man sich daran, dass die Wurzeln des Konzerns bis ins chinesische Militär zurückreichen – und das Militär verfügt seit Jahren über eine der schlagkräftigsten Cyber-Einheiten der Welt mit Zehntausenden Spezialisten. Huaweis Gründer Ren Zhengfei ist studierter Nachrichtentechniker, der einst in einer der Entwicklungsabteilungen der chinesischen Volksarmee beschäftigt war. Was er 1987 mit der Lieferung von Telefonanlagen nach Hongkong startete, entwickelte sich zu einem Megaunternehmen mit mehr als 90 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr. Alleine diese Größenordnung ist für viele schon ein Grund zu größter Sorge.

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