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China und Amerika : Huawei und die kugelsicheren Autos

Eine Mitarbeiterin von Huawei in Shenzhen Bild: AFP

Der chinesische Netzwerkausrüster steht weiterhin unter Druck. Doch nicht nur Fortschritte bei Aufträgen für die 5G-Technologie verleihen ihm Auftrieb.

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          David Wang hat gut Lachen. Wang ist Chef-Repräsentant von Huawei in Berlin und damit so etwas wie der Top-Lobbyist des größten Netzwerkausrüsters der Welt hierzulande. Die ohnehin schon wichtige Rolle Deutschlands für das chinesische Unternehmen ist durch seinen Umzug nach Berlin noch einmal gestärkt worden, er berichtet jetzt häufiger direkt in die Unternehmenszentrale nach Shenzhen.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Dort hat in dieser Woche das Unternehmen starke zweistellige Wachstumszahlen verkündet, was Huawei vor allem angesichts der politischen Spannungen und des immer noch nicht geklärten Handelsstreits zwischen China und Amerika Auftrieb gibt. Auch in Deutschland sei die Unsicherheit der Kunden, ob sie überhaupt noch Huawei-Smartphones kaufen sollten, weitgehend verschwunden, versichert Wang. „Wir erwarten ein sehr positives Wachstum, das Geschäft läuft gut“, sagt der Huawei-Manager. Genaue Zahlen für Deutschland weisen die Chinesen nicht aus.

          Huawei will bei Android bleiben

          Durch das Notstands-Dekret von Präsident Trump vom Mai sind amerikanische Unternehmen vom 19. November an Geschäftsbeziehungen zu Huawei untersagt, vor allem die Versorgung ihrer Smartphones mit dem Google-Betriebssystem Android befürchteten viele Kunden zu verlieren. Huawei hatte zuletzt ein eigenes Betriebssystem namens Harmony OS vorgestellt. Das soll Android nach Wangs Worten aber nicht ersetzen, sondern ergänzen, etwa als Ökosystem für künftige Kommunikation zwischen Smartphones und Autos oder im vernetzten Zuhause. „So lange Android für Huawei verfügbar ist, werden wir bei Android bleiben“, sagte Wang. Man warte gerade darauf, wie die Verhandlungen des amerikanischen Suchmaschinenkonzerns mit Washington abliefen.

          In dem wichtigen Wachstumsfeld rund um den schnellen Funkstandard 5G hatten die Chinesen kürzlich Gegenwind von der EU-Kommission bekommen. In einem Bericht wurde – zwar ohne Namen zu nennen, gleichwohl aber unmissverständlich auf Huawei bezogen – vor einer großen Bedrohung von Staaten gewarnt. Wang verweist in dem Zusammenhang auf die deutsche Position, die sich eigentlich seit Mai nicht geändert hat, durch ein Papier der Bundesnetzagentur jedoch abermals für Aufmerksamkeit gesorgt hatte. Anders als die Amerikaner will die Bundesregierung keinen Anbieter von vornherein ausschließen.

          Diese Ansicht begrüßt Wang wenig überraschend: „Deutschland zeigt dem Rest der Welt, wie eine Strategie zur Risikominderung funktioniert“, sagt Wang. Das Unternehmen biete an, eng mit Sicherheitsbehörden zusammenzuarbeiten. „Das ist wie mit einem kugelsicheren Auto – es ist vielleicht sicherer, dafür aber schwerer, verbraucht mehr Sprit und ist teurer“, sagt Wang. Man müsse übereinkommen, wie viel Sicherheit ins neue Netz zu bringen sei. Vodafone etwa teilt seinen 5G-Ausbau zur Hälfte zwischen dem schwedischen Anbieter Ericsson und Huawei auf, lässt die Chinesen aber nicht ins Kern-Netzwerk. Wang versichert, dass ihn das nicht störe: „Der Markt ist noch ganz am Anfang. Es ist genug Platz für mehr Wettbewerber da.“

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