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Trotz Sanktionen Amerikas : Huawei lässt sich nicht unterkriegen

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Großes Interesse an einer Huawei-Präsentation in München: Manche nutzen dafür sorgen zwei Smartphones. Bild: AP

Die Sanktionen von Trump können Huawei wenig anhaben: Der Umsatz steigt um ein Viertel. Aus Deutschland kommen derweil gute Nachrichten.

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          Der chinesische Technologiekonzern Huawei hat trotz der amerikanischen Handelsbeschränkungen einen Umsatzsprung verbucht. In den ersten neun Monaten schnellten die Erlöse um knapp 25 Prozent auf 611 Milliarden Yuan (78,3 Milliarden Euro) in die Höhe, wie der weltgrößte Netzwerkausrüster am Mittwoch mitteilte. Im dritten Quartal legten sie sogar um 27 Prozent zu. Als Grund nannte Huawei die wachsende Nachfrage nach seinen Smartphones. Bislang seien 185 Millionen Geräte verkauft worden, was einen Anstieg um 29 Prozent bedeuten würde.

          Expertin Nicole Peng von der Beratungsfirma Canalys kommentierte: „Das Quartals-Ergebnis ist angesichts des enormen Drucks, mit dem das Unternehmen konfrontiert ist, wirklich beeindruckend.“ Die starken Zahlen seien aber vom Verkauf von Geräten getrieben, die vor dem amerikanischen Verbot eingeführt worden seien. Die langfristigen Aussichten seien immer noch schlecht.

          Amerikas Präsident Donald Trump hatte Huawei Mitte Mai auf eine schwarze Liste gesetzt. Damit darf der Konzern in den Vereinigten Staaten keine Aufträge mehr für Telekom-Ausrüstung zum Aufbau des neuen Mobilfunkstandards 5G erhalten und Komponenten von amerikanischen Unternehmen nicht ohne spezielle Genehmigung beziehen. Die Vereinigten Staaten und andere Staaten befürchten, dass sich die Regierung in Peking über die Huawei-Technologie Zugriff auf sensible Daten verschaffen könnte. Huawei weist die Spionage-Vorwürfe zurück.

          Kein Ausschluss in Deutschland

          In Deutschland kann Huawei aber hoffen, beim Ausbau des 5G-Mobilfunknetzes zum Zuge zu kommen. Es könne zwar immer sein, dass es in Zukunft Anbieter gebe, die nicht vertrauenswürdig seien – egal um welches Unternehmen es gehe, sagte Kanzleramtschef Helge Braun am Mittwoch im Bundestag in Anspielung auf Huawei. Doch die Bundesregierung positioniert sich klar: Trotz der Warnungen aus Amerika soll kein Anbieter außen vor bleiben, sofern er Sicherheitskriterien erfüllt, die allen 5G-Anbietern auferlegt werden.

          Das Unternehmen begrüßte die Haltung der Bundesregierung. Sie schaffe gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Anbieter, sagte ein Sprecher am Mittwoch. „Dieses Vorgehen, das auf Fakten und Standards basiert, hat beispielhafte Bedeutung, um globale Herausforderungen an Cybersicherheit anzugehen.“

          Die Bundesregierung strebt dabei an, dass verschiedene Ausrüster zum Zuge kommen. „Das wesentliche Element in den Sicherheitsanforderungen ist es, dass wir Diversifikation einfordern“, sagte Braun. Ein Telekommunikationsanbieter müsse in der Lage sein, Produkte des betreffenden Ausrüsters gegebenenfalls aus dem Mobilfunknetz herauszulösen. Konkurrenzunternehmen von Huawei sind etwa die europäischen Anbieter Ericsson und Nokia sowie das amerikanische Unternehmen Cisco.

          Braun widersprach allerdings der Einschätzung, dass die von der Bundesnetzagentur veröffentlichten Sicherheitsanforderungen abgeschwächt worden seien. „Eine Abschwächung hat es nicht gegeben“, betonte der Kanzleramtschef. Die Formulierungen seien identisch mit den im März veröffentlichten Eckpunkten.

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