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Streit mit Amerika : Jetzt teilt der Huawei-Gründer aus

  • Aktualisiert am

en Zhengfei, Gründer und Geschäftsführer Officer von Huawei, im Jahr 2015 in Davos Bild: dpa

Amerika hat Huawei zuletzt einen Schlag nach dem anderen verpasst. Chef Ren Zhengfei reicht es: In einem denkwürdigen Interview rechnet er mit Amerika und dessen Präsidenten ab – und nimmt einen Konkurrenten in Schutz.

          Inmitten der Schlammschlacht um den chinesischen Technologiekonzern Huawei hat dessen Chef ein denkwürdiges Interview gegeben. Ren Zhengfei, bislang für seine Zurückhaltung und Scheu vor den Medien bekannt, ließ in einem Fernseh-Gespräch mit der Nachrichtenagentur Bloomberg für einen Moment die Fassade fallen. 

          Vergangene Woche hatte Trump Huawei als Teil eines Handelsabkommens zwischen China und Amerika ins Spiel gebracht und damit Spekulationen angeheizt, der Konzern sei ein Druckmittel in den heiklen Verhandlungen. Ren nannte das einen „großen Witz“. “„Inwiefern hängen wir mit dem chinesisch-amerikanischen Handel zusammen?“, fragte er. Hatte er wenige Monate zuvor Trump noch als einen „großartigen Präsidenten“ beschrieben, ging er ihn jetzt scharf an: „Ich sehe seine Tweets und denke mir, sie sind lächerlich, weil sie in sich widersprüchlich sind“, sagte Ren. Er könne nicht glauben, wie Trump ein „Master in der Kunst des Deal-Schließens“ habe werden können.

          Die Vereinigten Staaten hatten Huawei vor wenigen Tagen auf eine schwarze Liste gesetzt, die es Firmen untersagt, mit dem Unternehmen Geschäfte zu tätigen. Daraufhin kündigten zahlreiche Unternehmen, vor allem ausländische Firmen, ihre Zusammenarbeit mit Huawei auf. Einige Anbieter setzten den Verkauf neuer Smartphones aus dem Hause Huawei aus, etwa Vodafone in Großbritannien und ein Tochterunternehmen der Softbank in Japan.

          „Trumps Tweets sind lächerlich“

          Der Huawei-Gründer räumte ein, dass die Exportbeschränkungen durch die Regierung des amerikanischen Präsident Donald Trump den zweijährigen Vorsprung beeinträchtigen könnte, den sich der chinesische Netzwerkausrüster und Handyhersteller gegenüber der Konkurrenz aufgebaut habe. Auch die Bemühungen, neue Produkte wie etwa einen Cloud-Service aufzubauen, könnten erschwert werden. „Es kommt darauf an, wie schnell unsere Techniker das Flugzeug reparieren können“, sagte Ren. Er betonte jedoch, dass Huawei entweder seine Chipversorgung erhöhen oder Alternativen finden werde, um bei Smartphones und 5G vorne zu bleiben.

          Besonders hart trifft den chinesischen Tech-Konzern, dass der Chipspezialist ARM ihm vorerst wichtige Teile seiner Technologie verwehrt. Das britische Unternehmen hat eine Monopolstellung. Alle Handys und weiteren smarten Geräte brauchen die Technik der Briten, damit die Elemente auf dem Chipsatz miteinander kommunizieren können. Die führenden Smartphone-Hersteller Apple, Samsung und Huawei sind also abhängig von dem Anbieter – und Huawei vorerst von der Technologie abgeschnitten.

          „Das könnte einen von Chinas nationalen Champions in die Knie zwingen“, zitiert Bloomberg einen Analysten. „Würde China alle Apple-Fabriken schließen, würde das Amerika sehr wütend machen. Das wäre ein vergleichbarer Schritt“, sagte der Analyst. Tatsächlich hat China noch einen Trumpf in der Hand: Fast alle Apple-Geräte werden in der Volksrepublik zusammengebaut und nahezu ein Drittel seines Gewinns erwirtschaftet der kalifornische Tech-Konzern in China.

          Ren hält Vergeltungsmaßnahmen Chinas gegen Apple aber für aber unwahrscheinlich. „Das wird erstens nicht geschehen, und wenn das doch passieren sollte, werde ich der erste sein, der dagegen protestiert“, sagte er Bloomberg. „Apple ist mein Lehrer, es ist in Führung. Warum würde ich als Schüler gegen meinen Lehrer angehen? Niemals“, sagte Ren.

          Trump wirft Huawei vor, dass mit seinen Produkten Spionage für den chinesischen Staat betrieben werden könne. Huawei weist das zurück, Beweise hat das Weiße Haus bislang nicht erbracht. Auch der Vorwurf des Technologiediebstahls haftet Huawei an. In dem Interview mit Bloomberg kann Ren darüber nur lachen: „Ich habe die amerikanischen Technologien von Morgen gestohlen. Amerika hat diese Technik noch nicht einmal“, sagte der Manager. „Wir sind Amerika voraus. Wenn wir zurückliegen würden, gäbe es keinen Grund für Trump, uns so heftig zu anzugreifen.“ 

          Amerika habe noch nie Produkte von Huawei gekauft: „Selbst wenn die Vereinigten Staaten in der Zukunft unsere Produkte kaufen wollen, werde ich sie ihnen vielleicht nicht verkaufen. Es gibt keine Notwendigkeit für Verhandlungen“, sagte Ren.

          Der amerikanische Präsident Trump ist derzeit auf einem viertägigen Staatsbesuch in Japan. Zu den Aussagen Rens hat er sich bislang nicht geäußert. 

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