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Neue Datenschutzregeln : Hat die DSGVO Schulen ins Chaos gestürzt?

Und im Unterricht? Ist die DSGVO auch eine Bremse für das viel beschworene digitale Klassenzimmer? IT-Experte Jürgens verneint. Im Unterricht spielten personenbezogene Daten fast keine Rolle, deshalb schaffe die DSGVO hier keine neuen Hürden. Das kann auch Frank Dörfer, Schulleiter der Scultetus-Oberschule in Görlitz, im Gespräch mit FAZ.NET bestätigen.

In seinen Augen habe die DSGVO die Schulen nicht wie häufig berichtet in ein Chaos gestürzt: „Unterricht und Verwaltung sind klar getrennt“, deshalb nehme jeder Lehrer auch zwei Rollen ein: die des Pädagogen im Unterricht – der getrost Handouts oder Referate in der Cloud aufbewahren kann – und die des Verwalters, der personenbezogenen Daten wie etwa die Zeugnisnoten nur auf den Servern der Schule speichern darf. So läuft es zumindest an der Scultetus-Oberschule.

„Komische Eltern“ gibt es überall

Aber Dörfer gibt zu, dass seine Schule auch so etwas wie ein Vorreiter ist, oder zumindest ein Musterbeispiel: „Ich habe keine Angst vor der DSGVO, weil wir schon vorher IT-Sicherheit groß geschrieben haben“. Den studierten Informatiker und IT-Koordinator des Landes Sachsen treibt auch so etwas wie ein persönlicher Ehrgeiz um, seine Schule sicher zu machen. Das sei aber bestimmt nicht an jeder Schule des Landes so, räumt der Pädagoge ein.

Was haben Schulen nun zu befürchten, wenn sie die Vorgaben der DSGVO nicht erfüllen können? Werden sie überhaupt geprüft? „Im Rahmen der Wahrnehmung der staatlichen Schulaufsicht“, würden Prüfungen durchgeführt, sagt die Sprecherin des hessischen Kultusministeriums. IT-Experte Jürgens aber glaubt, dass die Behörden gar nicht über ausreichend Personal verfügen, allen Schulen auf den Zahn zu fühlen.

Aber: Es gebe immer wieder „komische Eltern“ – die alles Mögliche versuchten, um etwa gegen eine Ablehnung ihres Kindes an einer Schule vorzugehen. Warum dann nicht der Schule aus ihrem Umgang mit Schüler-Daten einen Strick drehen? Die Schulleiterin der Grundschule bei Köln berichtet, alle Fotos von der Schul-Website gelöscht zu haben, um auf Nummer sicher zu gehen. Einer Lehrerin, die ihren Viertklässlern zum Abschied eine CD mit Fotos von Schulausflügen und Veranstaltungen schenken wollte, riet sie davon ab. Die Lehrerin hatte Sorgen über einen Vater bekundet, der immer sehr kritische Nachfragen stellte. „Es ist schade, dass solche schönen Gesten nun aus Unsicherheit ausbleiben müssen“, sagt die Schulleiterin.

Droht den Schulen jetzt also eine Abmahnwelle? Es werde sich zeigen, ob solche Fälle sich häufen, sagt Jürgens. Schulleiter Dörfer aus Sachsen bleibt gelassen. Erfüllt seine Schule denn alle Auflagen der DSGVO? „Sagen wir es mal so: In der DSGVO steht, man solle nach Treu und Glaube handeln“, sagt Dörfer. Und das tue er nicht erst seit dem 25. Mai.

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