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Neue Datenschutzregeln : Hat die DSGVO Schulen ins Chaos gestürzt?

Sie wundert sich, warum es keine offiziellen Anordnungen von den zuständigen Landesbehörden gibt. An allen Schulen würde man sich die selben Fragen stellen, aber “jeder macht jetzt so sein eigenes Ding“ und man stochere dabei im Nebel: „Die Unsicherheit ist groß und das ist sehr unbefriedigend“. Eine vom Land Nordrhein-Westfalen geplante Plattform, die Schulen den sicheren Austausch von Daten ermöglicht hätte, sei kurzfristig gekippt worden – aus Datenschutzgründen, wie die Schulleiterin berichtet.

Bremse für das digitale Klassenzimmer?

Die Nachfrage an IT-Unternehmen wie Aixconcept nach Beratung ist deshalb groß. „Wir werden in diesen Tagen von Anfragen nach den kleinsten Dingen – etwa Vorlagen für Einwilligungserklärungen – bombardiert. Das zeigt doch die Hilflosigkeit der Schulen“, sagt Jürgens. Besonders groß sei die Verunsicherung von Grundschulen, gerade im ländlichen Raum: „Grundschulen sind von dem Thema total genervt“, berichtet Jürgens. Er erhalte täglich zahlreiche Anrufe.

Tatsächlich machen derzeit zahlreiche skurrile Nachrichten die Runde. Etwa Berichte von Lehrern, die Mitteilungen an Eltern handschriftlich anstatt per Mail verschicken, oder Noten nicht mehr in eine digitale Maske eingeben, sondern wieder zu Stift und Papier greifen, weil der private Laptop vielleicht nicht sicher genug ist – ganz so wie früher.

Auch an der Grundschule nahe Köln schreiben einige Lehrer die Zeugnisse dieses Jahr nicht mehr wie gewohnt zuhause – 20 Lehrer müssen sich nun um zwei Lehrercomputer streiten. Wer weiterhin seinen privaten Computer für die Erstellung der Zeugnisse nutzen möchte, musste sich das von der Schulleiterin genehmigen lassen.

Diese hätte dafür jeden PC kontrollieren müssen – etwa, ob er ausreichend vor Viren geschützt ist. Zudem hätte sie überprüfen müssen, ob der Rechner zu Hause sicher genug aufbewahrt ist. „Das habe ich natürlich nicht gemacht“, gesteht sie. Dieses Jahr werde man noch nach dem Motto „Augen zu und durch“ verfahren, in der Hoffnung, für das kommende Schuljahr mehr Hilfestellung vom Ministerium zu bekommen. Für sie geht die DSGVO an der Praxis vorbei. Datenschutz sei wichtig, aber er müsse auch praktikabel bleiben.

Die DSGVO fördert auch ein strukturelles Problem zu Tage, das für den Unterricht schon lange gilt und nun auch in der Verwaltung Ärger machen könnte. Viele der geforderten Arbeitsschritte lassen sich nur durch modernste Technologie bewerkstelligen. So braucht es laut IT-Experte Jürgens spezielle Software, Computer, Verkabelung und Netzwerkstrukturen, um eine saubere Datenverarbeitung sicherzustellen.

Zudem könne nur mit Dienstgeräten für die Sicherheit der Daten garantiert werden. All das sei in vielen Schulen jedoch nicht ausreichend vorhanden. „Bis jeder Lehrer bei uns einen Dienst-PC und und ein Diensthandy hat, bin ich in Rente“, sagt auch die Gundschulleiterin, denn die Kosten dafür müsste die Schule selbst tragen. Gleichzeitig sei es absolut unrealistisch, dass Lehrer nicht auch ihre privaten Geräte nutzen, etwa das Mobiltelefon auf der Klassenfahrt oder eben den Laptop, um Zeugnisse zu bearbeiten.

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