https://www.faz.net/-gqe-9ohc0

Für BMW komponiert : So klingt Motorensound von Hans Zimmer

Der BMW Vision M Next wurde am 25.6.2019 vorgestellt. Bild: BMW

Sportwagen-Liebhaber vermissen bei Elektroautos die Motorengeräusche. BMW steckt deshalb viel Aufwand in das akustische Fahrerlebnis seiner Stromer – und arbeitet dafür sogar mit dem berühmten Filmkomponisten Hans Zimmer zusammen.

          Für Liebhaber des klassischen Motorensounds sind Elektroautos der Antichrist. Wie soll Autofahren denn noch Spaß machen, wenn das anschwellende Röhren bei der Beschleunigung ausbleibt und die Karosserie nicht unter dem kraftstrotzenden Lärm aus dem Auspuff wackelt?

          Jessica von Blazekovic

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Welche Motorengeräusche Elektroautos von sich geben sollen, beschäftigt Autohersteller seit geraumer Zeit. Das ist indes nicht nur eine Glaubensfrage, sondern auch aus Sicherheitsaspekten relevant. Auch wenn sich mancher Fußgänger über das laut knatternde Auto beschweren mag, das da an ihm vorbeirauscht – wenigstens stehen so die Chancen gut, dass er es nicht übersieht.

          Anders beim Elektroauto: Die Stromer gleiten fast geräuschlos über die Straße und sind daher ein potentielles Risiko für Passanten und Radfahrer. Um Fußgänger zu schützen, müssen neue E-Fahrzeuge ab Juli deshalb mit einem künstlichen Geräusch ausgestattet werden, damit sie im Straßenverkehr nicht überhört werden.

          In Los Angeles und London entwickelt

          Auch der Münchner Autohersteller BMW tüftelt an der Geräuschkulisse für seine Elektroflotte – freilich mit dem Anspruch, seiner Kundschaft beim Fahren auch ein akustisches Erlebnis zu bieten. Für die Entwicklung der Motorengeräusche seiner zukünftigen Elektroautos hat sich BMW deshalb prominente Unterstützung ins Boot geholt: den deutschen Filmkomponisten Hans Zimmer.

          Der Hollywood-Star war schon mehrfach für einen Oscar nominiert und hat die Trophäe für die Musik zu „König der Löwen“ auch abgeräumt. Bei seiner Arbeit für BMW waren jedoch weder pathetische Melodien wie in „Pearl Harbour“ noch spannungsgeladene Töne wie in „The Dark Night Rises“ gefragt.

          Renzo Vitale und Hans Zimmer

          Der von BMW-Sound-Designer Renzo Vitale und Hans Zimmer in dessen Studios in Los Angeles und London komponierte Innensound für den elektrischen BMW-Konzeptwagen Vision M Next erinnert vielmehr an ein abhebendes Raumschiff. Der Geräuschpegel schwillt während der Beschleunigung ähnlich wie bei einem Verbrennungsmotor an, klingt dabei aber ganz anders als bei einem traditionellen Sportwagen: Futuristisch, melodisch – und eben elektrisch. 

          „Lücke in der Emotionalität des Fahrerlebnisses“

          Dementsprechend lautet auch der Markenname, den sich BMW für das Klangpaket ausgedacht hat: „BMW Iconic Sounds Electric“. Es soll für zukünftige Elektroautos aus dem Hause BMW verfügbar sein. Wer beim Tritt aufs Gaspedal in den Genuss des Zimmer-Sounds kommen möchte, muss allerdings draufzahlen; die Geräuschkulisse aus der Feder des berühmten Komponisten ist eine Sonderausstattung.

          Zum Preis schweigt sich BMW bislang aus, ebenso über das Honorar für Zimmer, der sich über den Auftrag aus Deutschland freute: „Ich war schon immer ein BMW-Fan. Als Kind konnte ich am Klang unseres BMW erkennen, wenn meine Mutter nach Hause kam. Ich freue mich sehr über die Möglichkeit, den Sound künftiger elektrischer BMW und damit auch Emotionen für die elektrische Fahrfreude der Zukunft gestalten zu dürfen", sagte der Komponist.

          BMW begründete den Aufwand, den der Konzern in die Entwicklung der elektrischen Klangwelt steckt, so: „Als großer Vorteil der Elektromobilität wird vielfach die Stille des elektrischen Antriebs angeführt. Mit zunehmendem Angebot elektrifizierter Modelle entsteht an dieser Stelle auf dem Fahrersitz aber auch eine Lücke in der Emotionalität des Fahrerlebnisses.“ Das könne „zu einer Entfremdung zwischen Fahrer und Fahrzeug führen“.

          Deshalb wolle BMW auch für seine Elektrofahrzeuge „ein begeisterndes Angebot für Kunden schaffen, die viel Wert auf einen emotionalen Klang legen und Freude am Fahren mit allen Sinnen erleben wollen“, sagte BMW-Markenchef Jens Thiemer.

          Weitere Themen

          Axel Voss auf der Gamescom Video-Seite öffnen

          „Dont kill the Messenger“ : Axel Voss auf der Gamescom

          Wir haben einen Rundgang über das Kölner Messegelände mit Axel Voss, dem wohl polarisierendsten Besucher der diesjährigen Gamescom unternommen und uns mit ihm über die Debatte um Artikel 13, seine Bekanntheit bei jüngeren Gamern und Minecraft unterhalten.

          Die Ordnung hinter den Lippen

          FAZ Plus Artikel: Bitte lächeln : Die Ordnung hinter den Lippen

          Vielen Erwachsenen vergeht das Lächeln, weil sie ihre schiefen Zähne nicht zeigen wollen. Mittlerweile gibt es Möglichkeiten, die eigenen Zähne still und leise gerade zu rücken. Unsichtbare Spangen sollen helfen.

          Topmeldungen

          Anne Will diskutiert mit ihren Gästen über die Soli-Abschaffung

          TV-Kritik: Anne Will : Wiederbelebung der Neiddebatte

          Die SPD hatte bisher das einzigartige Talent, die Probleme ihrer Konkurrenz zu den eigenen zu machen. Bei der Debatte um den Solidaritätszuschlag scheint das anders zu sein, wie bei Anne Will zu beobachten war.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.