https://www.faz.net/-gqe-97pzu

F.A.S. exklusiv : Cyber-Attacke war gezielter Angriff auf das Auswärtige Amt

Das Auswärtige Amt am Werderschen Markt in Berlin Bild: AFP

Mit der Cyber-Attacke versuchten Spione nach F.A.S.-Informationen gezielt, an Unterlagen aus dem Außenministerium heranzukommen. Innenpolitiker fordern Konsequenzen – bis zur Änderung des Grundgesetzes.

          Der Cyber-Angriff auf den Datenverbund des Bundes war nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ein gezielter Versuch, an Unterlagen aus dem Außenministerium heranzukommen. Demnach haben die Angreifer bereits vor rund zwei Jahren eine Lernplattform auf der Internetseite der Bundesakademie für öffentliche Verwaltung mit Spionagesoftware manipuliert. Die Akademie mit Sitz in Brühl bietet Verwaltungsmitarbeitern des Bundes maßgeschneiderte Fortbildungen an, die als Internet-Kurse im „e-learning“ gebucht werden können.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Thomas Gutschker

          Redakteur im Ressort Politik in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die elektronischen Unterlagen eines Fernkurses für Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes wurden dabei gezielt mit Spionagesoftware manipuliert. Wie das geschah, ist ungeklärt. Ebenso, ob weitere Fachbereiche betroffen waren. Entdeckt wurde die Spionagesoftware erst nach einem Hinweis befreundeter Nachrichtendienste auf den Rechnern von 17 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Auswärtigen Amts. Nachdem die deutsche Spionageabwehr davon nichts bemerkt hatte, wurde ihr Versuch, die Angreifer zu lokalisieren und deren Methode zu analysieren, durch einen Verrat dieser Gegenoperation und anschließender Veröffentlichung publik.

          Führende Innenpolitiker der großen Koalition werfen nun die Frage auf, ob sich die Regierung bei einem derartigen Angriff hinreichend wehren könne. Gemäß Grundgesetz ist die Gefahrenabwehr im Inneren, außer bei Terrorismus, Sache der Polizeibehörden in den Ländern. „Ich befürchte, die meisten Länder sind bei der Abwehr komplexer Cyberattacken überfordert“, sagte der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Burkhard Lischka, der F.A.S. Ähnlich äußerte sich der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Stephan Mayer (CSU).

          Wenn der Bund zuständig wird, müssen einige Fragen geklärt werden. Lischka sagt der F.A.S.: „Wenn Daten abfließen, dürfen wir sie dann auf dem angreifenden Server löschen? Darf im Notfall sogar der fremde Server zerstört werden? Dafür brauchen wir eine klare gesetzliche Grundlage. Die SPD ist gesprächsbereit, um das Grundgesetz zu ändern.“ Mayer sagte, etwas vorsichtiger: „Über eine Änderung des Grundgesetzes kann man reden, sie wäre aber erst der letzte Schritt.“ Im Koalitionsvertrag wurde nichts dergleichen vereinbart.

          Weitere Themen

          Worum es bei ihrem Treffen geht Video-Seite öffnen

          Kim und Putin : Worum es bei ihrem Treffen geht

          Beim Gipfel mit Russlands Präsident Wladimir Putin hat sich Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un um eine Vertiefung der Beziehungen bemüht. Nordkorea ist dringend auf Rohstoff- und Energielieferungen aus dem Ausland angewiesen, Moskau wiederum will Amerika in Ostasien in ihre Schranken weisen.

          Topmeldungen

          Der CO2-Ausstoß beim E-Auto ist um 21 Prozent höher als beim Diesel.

          FAZ Plus Artikel: Debatte um Abgasausstöße : Was zeigt die CO2-Bilanz?

          Große Aufruhr gab es um die veröffentlichte Studie zum CO2-Ausstoß der Elektroautos. Falsche Annahmen und Rechnungen waren der Vorwurf. Warum Elektroautos nicht absichtlich schlechter dargestellt wurden. Eine kurze Stellungnahme.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.