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Künstliche Intelligenz : Google zieht sich aus Drohnen-Projekt mit Amerikas Militär zurück

  • Aktualisiert am

Dieses Drohnenbild zeigt zwei französische Militärhubschrauber, die amerikanische Soldaten im Oktober 2017 im Niger unterstützen. Vier Amerikaner wurden getötet. Bild: AP

Weil Tausende Mitarbeiter gegen die Zusammenarbeit mit dem Pentagon protestiert hatten, verlängert Google das Projekt „Maven“ nicht. Künstliche Intelligenz sollte die Nutzung von Drohnenvideos verbessern.

          Nach monatelangen Protesten von Mitarbeitern will sich der Technologiekonzern Google Medienberichten zufolge aus der Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Verteidigungsministerium im Bereich künstliche Intelligenz zurückziehen. Die Google-Cloud-Chefin Diane Green habe gegenüber den Mitarbeitern am Freitag erklärt, Google werde ein Projekt für den Einsatz künstlicher Intelligenz bei Drohnen des Militärs nicht verlängern, berichteten die „New York Times“ und die Technologie-Webseite „Gizmodo“ unter Berufung auf interne Kreise.

          Google werde den Vertrag mit dem Verteidigungsministerium für das „Project Maven“ demnach nicht verlängern. Der im vergangenen September unterzeichnete Vertrag im Wert von weniger als zehn Millionen Dollar läuft den Berichten zufolge im kommenden Jahr aus. Bei dem Projekt kommen intelligente Algorithmen bei der Erkennung und Unterscheidung von Menschen in Drohnenvideos für das Pentagon zum Einsatz. „Wir haben immer gesagt, dass es ein Vertrag für 18 Monate ist, der im März 2019 endet. Es wird keinen Nachfolgevertrag für Maven geben“, wird Diane Green zitiert. Bislang haben Amazon und Microsoft die meisten Cloud-Aufträge der amerikanischen Regierung erhalten. Green versucht, mit Google diese Dominanz zu brechen.

          Zahlreiche Mitarbeiter von Google hatten den Technologiekonzern in einer seit Februar intern verbreiteten Petition aufgerufen, sich vom „Geschäft mit dem Krieg“ fernzuhalten. Sie rieten in dem Schreiben eindringlich davon ab, „tödlich autonome Waffen“ – umgangssprachlich sind damit Killer-Roboter gemeint – zu entwickeln. Diese könnten eine „dritte Revolution der Kriegsführung“ herbeiführen. „Einmal erfunden, könnten sie bewaffnete Konflikte erlauben in einem nie dagewesenen Ausmaß, und schneller, als Menschen sie begreifen können“. Den Unterzeichnern mangelte es nicht an Prominenz und Renommee: Elon Musk (Tesla, SpaceX) unterschrieb, Mustafa Suleyman, der das zu Alphabet (Google) gehörende KI-Unternehmen Deepmind mitgründete und die Informatik-Professoren Yoshua Bengio, Stuart Russell und Jürgen Schmidhuber – allesamt auf der ganzen Welt anerkannte Kapazitäten in der KI.

          Google-Cloud Chefin Diane Greene

          Google müsse klar erklären, dass weder der Internetriese noch seine Subunternehmen „jemals Kriegstechnologie herstellen“. Die Mitarbeit an „Maven“ beschädige die Marke Google und die Fähigkeit des Unternehmens, Talente anzuwerben, hieß es in dem Brief weiter. Bis Mitte Mai unterzeichneten Berichten zufolge rund 4000 Angestellte die Petition.

          Laut „Gizmodo“ hatten mehrere Entwickler aus ethischen Gründen ihre Kündigung eingereicht. Unterstützung für die Petition kam auch von der amerikanischen Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) und dem International Committee for Robot Arms Control (ICRAC), das sich dafür einsetzt, die militärische Nutzung von Robotern zu begrenzen.

          Kontakte zwischen dem Pentagon und Google bestehen schon länger. Der früherer langjährige Vorstandschef Eric Schmidt ist beispielsweise einer der führenden wissenschaftlichen Berater des Verteidigungsministeriums in Washington. Die Forschungsförderung des Pentagon (Darpa) wiederum unterstützt die Entwicklung und Erforschung Künstlicher Intelligenz seit Jahrzehnten; sie stellte in den sechziger Jahren bereits Mittel bereit, um KI-Labore in den Vereinigten Staaten zu gründen, die auch heute noch zu den führenden Fakultäten des Landes gehören.

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