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Googles Cloud-Chefin : „Wir haben in Künstlicher Intelligenz einfach einen Vorsprung“

Googles Cloud-Chefin Diane Greene Bild: dpa

Google investiert Milliarden in sein Cloud-Geschäft. Doch die Konkurrenz ist groß. Chefin Diane Green spricht mit FAZ.NET exklusiv über den Wettbewerb – über Prinzipien, Regierungsaufträge und China.

          Frau Greene, Google hat in den letzten drei Jahren mehr als 30 Milliarden Dollar in sein Cloud-Geschäft investiert. Sie sagen, dass sich Googles Cloud vor allem durch Künstliche Intelligenz hervorhebt. Warum glauben Sie, dass Sie das besser können als die Konkurrenz?

          Jonas Jansen

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für die „Netzwirtschaft“.

          Schon Googles Gründer haben erkannt, dass KI wichtig wird, sie haben von Anfang an in den Bereich investiert. Inzwischen haben wir die meisten KI-Forscher auf der ganzen Welt, das zieht sich durch die gesamte Organisation. Wir sind ziemlich gut darin und machen das seit bald 20 Jahren. Daher hat Google hier einfach einen Vorsprung. Und diesen Vorsprung können wir im Cloud Computing schnell in Produkte und damit zu den Kunden bringen.

          Aber große Forschungsabteilungen haben Amazon und Microsoft auch.

          Mir ist es kürzlich gelungen, mit Andrew Moore einen Dekan in Computerwissenschaft von der Carnegy Mellon Universität für Google zu gewinnen. Er ist ein absoluter Experte im maschinellen Lernen. Wir haben das wichtigste Gerüst für KI gebaut, viele neue Arbeiten basieren auf unserem Konzept von Auto ML, einer Weiterentwicklung des maschinellen Lernens. Die KI-Community „Kaggle“ hat mehr als 2 Millionen aktive Nutzer. Dort veröffentlichen Data-Scientists ihre Modelle und treten in Wettbewerben gegeneinander an. Wir haben mit all unseren Angeboten einfach eine kritische Masse erreicht, die unsere KI-Entwicklung schneller weiterbringt.

          Manche Kunden sagen, dass sie lieber mit Microsoft zusammenarbeiten, weil die mehr Erfahrung mit Geschäftskunden hätten …

          … länger dabei heißt nicht unbedingt besser (lacht).

          … Google kennt man eher von der Konsumentenseite. Wie wollen Sie dieses Bild drehen?

          Wir bauen auf allen Fronten aus. Wir stellen mehr Ingenieure ein, haben riesige Trainingszentren und starke Partner. Es geht darum, ein Ökosystem in der Cloud zu bauen. Wenn Unternehmen sehen, was andere schon tun, dann ziehen sie nach. Wir sind dafür der beste Partner.

          Amazon hat mit seinem Dienst Amazon Web Services aber einen gehörigen Vorsprung.

          Einer der wichtigsten Gründe dafür, warum Unternehmen auf die Cloud setzen, ist der Nutzen von Daten. Egal, ob man Vertriebsabläufe oder Verkaufsabschlüsse erkennen will, Gesundheitsmodelle voraussagen oder Krankheiten besser diagnostizieren: Die Daten helfen dabei, schneller zu werden. Da findet gerade eine Revolution statt. Und wir sind in der Position, den Unternehmen dabei zu helfen, weil wir die Werkzeuge dafür haben. Und wir können sie darin schulen, den Umgang mit den Daten zu lernen. Außerdem ist unsere Cloud sehr sicher.

          Inwiefern?

          Die Cloud hat Skaleneffekte: Wir erkennen mehr Angriffe als jeder andere auf der Welt. Pro Minute blocken unsere Sicherheitssysteme 10 Millionen Spam- und Phishing-Angriffe. Da wir so viele Attacken registrieren, können wir unsere Verteidigung direkt anpassen und global ausrollen. Und weil wir das so ernst nehmen, haben wir das in alle Bereiche eingebaut, bis hinunter zu den Chips, die so gebaut sind, dass niemand sie manipulieren kann. In unserem Netzwerk überlassen wir nichts dem Zufall.

          Nun sagen Sie, dass die Sicherheit ein wichtiger Aspekt ist. Trotzdem hadern viele Unternehmen noch mit der Datenwolke – auch aus Sicherheitsgründen.

          Erst 10 Prozent des Workloads rund um die Welt liegt in der Cloud, das stimmt. Deshalb müssen wir auch verstehen, was die Sorgen sind. Wir sind schließlich eine Menge Ingenieure und wollen Lösungen dafür finden. Liegt die Zurückhaltung daran, dass wir ein amerikanisches Unternehmen sind? Auch an dem Bild können wir arbeiten, um Vertrauen aufzubauen.

          Ist Ihr Versuch, ein besonders ethisches Unternehmen zu sein, auch Teil dieser Vertrauensbildung? Sie haben sich zuletzt aus einem Großprojekt der amerikanischen Regierung zurückgezogen. Beim „Project Maven“ hilft Google dem Pentagon, mit KI Videos zu analysieren, was Drohnen zielgenauere Angriffe ermöglichen könnte. Für den neuen Auftrag bieten Sie nicht mehr mit.

          Wir haben uns selbst KI-Grundsätze auferlegt. Und wenn uns ein Vertrag sagt, dass wir etwas nicht mehr tun, dann machen wir es auch nicht. Dafür gibt es im übrigen auch keinen politischen Hintergrund.

          Google bietet auch nicht beim „Project Jedi“ mit, einem Cloud-Computing-Auftrag des Verteidigungsunternehmens, der bis zu 10 Milliarden Dollar einbringen könnte. Amazon und Microsoft bieten aber mit. Das dürfte den Abstand doch noch vergrößern.

          Wir folgen unseren Prinzipien. Es wäre schön, wenn es einen Multi-Cloud-Ansatz geben würde, in dem wir für Teilaufträge bieten könnten, die mit unseren Regeln übereinstimmen.

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