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Suchmaschine : Google gibt größte Algorithmus-Änderungen seit Jahren bekannt

Google spielt bald andere Ergebnisse aus. Bild: AFP

Google ändert mal wieder die Mechanismen, nach denen die Ergebnisse in der Suchmaschine zu sehen sind. Dieses Mal ist es allerdings wesentlich. Jede zehnte Suche soll betroffen sein.

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          An der Google-Suche hängt viel: Hier wird im digitalen Raum gesucht und gefunden. Ganze Geschäftsmodelle hängen von Suchergebnissen ab. Suchmaschinenoptimierung ist inzwischen ein eigenes Berufsbild. Deshalb ist die Aufregung groß, wenn Google seinen Algorithmus ändert, der darüber entscheidet, was wo erscheint in der Liste der Suchergebnisse. Meistens geschieht das hinter den Kulissen, dann rätseln Armeen von Suchmaschinenoptimierern, wie sie die Änderungen für sich nutzen können. Die Geheimniskrämerei hat dabei durchaus etwas für sich: Sonst würden nicht mehr die relevanten Ergebnisse oben erscheinen, sondern die, die am besten auf die Google-Suche getunt wurden.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Am Freitag teilte Google mit, dass der Algorithmus geändert wird. Nach Angaben des Unternehmens wird etwa jede zehnte englischsprachige Suchanfrage betroffen sein – und damit andere Ergebnisse erhalten. „Das ist die größte, beste Änderung, die wir in den vergangenen 5 Jahren gemacht haben und vielleicht die größte seit unseren Anfängen“, sagt ein Google-Manager. Schätzungen gehen davon aus, dass Google global mehr als 3 Milliarden Suchanfragen am Tag erhält. Insgesamt könnten damit mehr als 300 Millionen Suchen am Tag andere Ergebnisse erhalten.

          Veränderung aus der Sesam-Straße

          Die Änderung werde schrittweise durchgeführt und erst später auch andere Länder erreichen. Menschliche Tester und sogenannte AB-Tests, bei denen die Nutzer zufällig entweder die Ergebnisse des alten oder die des veränderten Algorithmus‘ erhalten, sollen helfen, Fehler des neuen Systems auszumerzen.

          Google gibt der Verbesserung einen Namen aus der Sesamstraße: Bert, ein Akronym für den fachchinesischen Ausdruck „Bidirectional Encoder Representations from Transformers“. „Transformer“, so viel erklärt Google, steht für „Modelle, die Wörter in ihrem Verhältnis zu allen anderen Wörtern des Satzes verarbeiten“ und nicht nur Wort für Wort.

          Google erläutert die Verbesserungen in einigen englischsprachigen Such-Beispielen: Wenn jemand nach „Darf ich Medikamente für jemanden in Apotheke holen“ sucht, habe man früher die beiden wichtigsten Begriffe „Medikamente“ und „Apotheke“ verarbeitet und daraus abgeleitet, dass die Person lokale Apotheken sucht. Der neue Algorithmus sei nun in der Lage zu verstehen, dass es sich um eine rechtliche Frage handelt – und spielt nun die richtigen Ergebnisse aus. Andere Hürden seien Wortzusammensetzungen: Google nennt das Beispiel „stand-alone“, das sich mit „alleinstehend“ oder „eigenständig“ übersetzen lässt. „Stand-alone“ werde mit Suchen nach dem Wort „stand“, also „stehen“ in Verbindung gebracht, obwohl die Bedeutung stark abweicht. Der Algorithmus sei nun also besser in der Lage, den Kontext einer Sucheingabe zu verstehen.

          Ob die Veränderung des Algorithmus auch die Werbeanzeigen ändern wird, lässt Google dabei noch offen. Finanziell dürfte das für den Digitalkonzern langfristig entscheidend sein: Allein im zweiten Quartal machte der Konzern über seine verschiedenen Plattformen hinweg mehr als 30 Milliarden Dollar Umsatz mit Werbung.

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