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Next-Konferenz : Was Google mit der Cloud vorhat

  • -Aktualisiert am

Googles Cloud-Chefin Diane Greene im Gespräch mit Metro-Manager Timo Salzsieder Bild: dpa

Wie gelingt Unternehmen der Umbau für die Zukunft? Googles Cloud-Chefin sagt, was möglich ist. Und mit welchem Angebot sich ihr Konzern von anderen abhebt.

          Auf dem Weg ins Hotel ist Diane Greene gestern von einem Mann angesprochen worden. Ob sie denn auch zur Google-Cloud-Veranstaltung gehen würde? Die Managerin grinst, als sie das gerade zur Eröffnung der Next-Konferenz erzählt. Greene ist nämlich die Chefin der Sparte, sie führt eines der größten Wachstumsgeschäfte des amerikanischen Internetkonzerns, der zur Alphabet-Holding gehört. Auch deshalb kann sie es wohl verschmerzen, noch nicht wie ein Promi auf der Straße erkannt zu werden, wie andere Vorstandsvorsitzende aus dem Silicon Valley.

          Jonas Jansen

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für die „Netzwirtschaft“.

          Denn das Cloud-Geschäft wächst rasant, es macht den großen Anteil des 4,4 Milliarden Dollar großen Umsatzes aus, den Alphabet unter „Sonstiges“ ausweist. Beim Cloud Computing wird die Informationstechnologie ins Internet verlagert, statt wie früher üblich ausschließlich auf eigenen Rechenzentren in den Serverräumen verarbeitet.

          „Die Cloud steht erst am Anfang“

          In dem Bereich konkurriert Google mit Technologie-Unternehmen wie Amazon und Microsoft. Für Amazon steht das Cloud-Geschäft schon für 55 Prozent des Betriebsgewinns, alleine im zweiten Quartal verdiente der Online-Händler mit dem Geschäftsbereich 6,1 Milliarden Dollar. Das sind 49 Prozent mehr als im Vorjahr.

          Gerade auch weil Amazon weit vorne liegt, haben sich große Tech-Konzerne wie Google, Microsoft und IBM zusammengeschlossen, um Amazons Cloud-Sparte AWS Kunden abzujagen. Die Allianz hat sich entschlossen, es gemeinsamen Kunden zu ermöglichen, ihre Informationen über die Dienste hinweg frei zu bewegen. Microsoft und Google haben dadurch ihre Preise in bestimmten Bereichen um gut drei Viertel gesenkt. 

          „Die Cloud steht erst am Anfang“, sagt Greene. Erst 10 Prozent der Rechenleistung liege derzeit in der Datenwolke. „Aber es ist ein sehr wichtiger Faktor für die digitale Transformation für Unternehmen.“ Darin befinden sich gerade schließlich fast alle Unternehmen, egal ob sie Dax-Konzerne oder Mittelständler sind – vielen von ihnen stellen ihre Geschäftsmodelle in London vor: Mit 8000 Teilnehmern ist es die größtee europäische Cloud-Konferenz des Suchmaschinenbetreibers bislang.

          Metro und King

          Zu Beginn der Konferenz, zu der Google auch FAZ.NET eingeladen hat, gab der deutsche Großhändler Metro aus Düsseldorf bekannt, seine gesamte SAP-Struktur in die Cloud von Google zu verlagern. Unternehmen versprechen sich davon, dass sie alle Daten an einem Ort haben und sie damit besser durchsuchen können. Außerdem können sie statistische Datenmodelle obendrauf setzen, um vorauszusagen, wie sich Kundenwünsche verändern.

          Für die Metro bedeutet das zum Beispiel, frühzeitig zu erkennen, wenn bestimmte Produkte häufig nachgefragt werden, um Lieferengpässe zu vermeiden. Ähnlich nutzt das der früher schwedische und nun britische Spielehersteller King, der vor allem für das Smartphone-Spiel „Candy Crush“ bekannt ist. Das Unternehmen lässt etwa virtuelle Maschinen Level anspielen, um zu testen, ob sie interessant genug sind, damit sie auch Menschen überzeugen. 

          Für die Tech-Konzerne ist das also ein großer Wachstumsmarkt. In der Differenzierung mit den Wettbewerbern tun sich die Unternehmen schon jetzt schwer, sich gut zu unterscheiden. Greenes Strategie ist daher der Hinweis auf die Fähigkeiten Googles in Sachen Sicherheit: Jede Minute filtere das System 10 Millionen Spam- und Phishing-Attacken heraus, außerdem 7000 schädliche Internetadressen.

          Außerdem baue das Unternehmen eigene Computerchips, um zu verhindern, dass jene Teile, die die Infrastruktur steuern, von Kriminellen oder Geheimdiensten kompromittiert werden. Der Hinweis von Greene dürfte auch mit der jüngst veröffentlichen Geschichte von Bloomberg zu tun haben, die berichteten, dass China mit Computerchips amerikanische Tech-Konzerne infiltriert habe. Sie alle dementieren das.

          „KI ist unsere größte Chance“

          Zudem hebt Greene auf ein Lob der Künstlichen Intelligenz an, was vor allem für das europäische Publikum wichtig ist: In Europa hat Google Labore in Zürich, arbeitet in München an intelligenter Robotik-Steuerung oder steuert seine Datenzentren von Frankfurt aus. „KI ist unsere größte Chance für die Zukunft“, sagt Greene. In der Forschung sei Google besonders weit fortgeschritten.

          Gleichzeitig wisse das Unternehmen um die Vorbehalte gegenüber der Cloud. „Wir sprechen viel mit der Industrie und den Regulatoren“, sagt Greene. „Wir wollen die Besorgnis verstehen, die rund um die Transformation der IT entsteht.“ Debatten werden mit dem Wachstum der Cloud sicherlich entstehen. Nicht zuletzt darum, wie auch in diesem Bereich Silos entstehen werden. Die Internetkonzerne werden schließlich gerne als „Hotel California“ bezeichnet. „Du kannst jederzeit auschecken, aber du es kannst niemals verlassen.“

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