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Google-Chef Pichai : „Das Internet ist ein mächtiger Gleichmacher“

Sundar Pichai ist Vorstandschef von Google. Bild: DAVEY/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Die großen Technikkonzern stehen derzeit in vielen Ländern stärker unter Druck. Der Google-Vorstandschef Sundar Pichai erklärt in einer anrührenden Rede, wie sein Unternehmen der Gesellschaft helfe. Und stellte zudem mehr Geld bereit.

          „Für mich ist Pittsburgh ein besonderer Ort. Es war die erste Stadt in Amerika, die ich sah, als ich vor 24 Jahren hierher kam. Das war das erste Mal, dass ich Indien verließ. Und tatsächlich war dies das erste Mal, dass ich in einem Flugzeug saß.“ 24 Jahre später nun ist Sundar Pichai wieder in Pittsburgh gewesen - nicht als gerade ausgewanderter Student, sondern als Vorstandschef des Suchmaschinen-Betreibers Google, eines Konzerns, der an der Börse 690 Milliarden Dollar wert ist momentan, jedes Jahr Milliarden verdient - und um den sich mehr Mythen und Spekulationen ranken als um die meisten anderen Unternehmen auf der Welt.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Doch die Technologiebranche steht derzeit stärker in der Kritik als noch vor Jahren. Die amerikanische Führung unter Donald Trump hätte gerne, dass sie mehr Mitarbeiter in den Vereinigen Staaten anheuert und weniger aus dem Ausland einstellt - und hat dafür auch die Visa-Vergabepraxis unter die Lupe genommen. Die britische Regierung droht nun wohl mit Belastungen, wenn die Unternehmen nicht stärker gegen Hass im Netz vorgehen, in Deutschland hat der Bundestag vor einiger Zeit ein entsprechendes Gesetz verabschiedet. Und dann ist da schließlich der technologische Wandel, der viele Branchen und Menschen unter Druck setzt.

          „Information muss jedem dienen“

          Anführer der Technologie-Konzerne, die um visionäre Ankündigungen ohnehin selten verlegen sind, machen nun - so scheint's - verstärkt darauf aufmerksam, welchen Beitrag ihre Unternehmen leisten für die Gesellschaft insgesamt. „Wir denken, dass das Internet jedem erlauben sollte, ein Entwickler, Unternehmer oder Macher zu werden, und wir konstruieren unsere Plattformen genau darum“, sagte Pichai in Pittsburgh. Forscher hätten ermittelt, dass beispielsweise das Handy-Betriebssystem Android alleine in den Vereinigten Staaten im vergangenen Jahr 1,3 Millionen Entwickler-Stellen unterstützt habe. Zudem habe Google im vergangenen Jahr 13,5 Milliarden Dollar ausgezahlt an Geschäftspartner, darunter etwa Nachrichten-Publizisten, Entwickler und Inhalte-Hersteller für den Videodienst Youtube.

          Pichai versuchte ebenfalls, Zweifeln entgegenzutreten, dass Google nicht gerecht sei. „Wir fragen uns immer, wie wir sicherstellen können, dass die Möglichkeiten, die durch neue Technologie entstehen, jedem zugänglich sind, in jeder Stadt, in jedem Staat.“ In den Vereinigten Staaten beispielsweise gebe es teils „große Unterschiede“ in den Chancen je nach Region. „Zum Beispiel ändert sich die Natur der Arbeit fundamental gerade. Und dies ändert auch die Verbindung zwischen Ausbildung, Weiterbildung und Möglichkeiten. Junge Menschen fühlen das bereits“, sagte der Google-Chef.

          Eine Untersuchung des Wirtschaftsmagazins „The Economist“ hat seinen Worten zufolge ergeben, dass weniger als die Hälfte aller Amerikaner im Alter zwischen 18 und 25 Jahren der Ansicht sind, dass ihre Ausbildung ihnen die Fähigkeiten vermittelt hat, die sie heute im Arbeitsalltag brauchen. „Das ist eine große Lücke“, sagte Pichai, „und das Problem wird noch größer. Ein Drittel der Arbeitsplätze im Jahr 2020 wird Fähigkeiten erfordern, die noch nicht gängig sind gegenwärtig“.

          Er vermarktete Google als ein Unternehmen, dass dabei helfen werde, diese Schwierigkeiten zu lösen. „Es ist ein großes Problem und bei Google fragen wir uns immer, wenn wir ein großes Problem sehen, wie wir es für alle leichter machen können, das zu lösen.“ Pichai kündigte an, dass Google in den nächsten fünf Jahren eine zusätzliche Milliarde Dollar zur Verfügung stellen werde, um Menschen in neuen Technologien auszubilden, und dass Google-Mitarbeiter außerdem mit Arbeitskraft in gemeinnützigen Initiativen aushelfen werden.

          In neuer Technologie, die naturgemäß erst einmal viele Anpassungen auslöst, sieht er indes unbenommen einen wichtiges Mittel. „Ich bleibe ein Technologie-Optimist. Nicht weil ich an die Technologie glaube, sondern weil ich an die Menschen glaube.“ Zu Googles Mission gehöre es sicherzustellen, dass „Information jedem dient, nicht nur wenigen. Ein Kind in einer Schule hier in Pittsburgh kann auf die selben Informationen auf Google zugreifen wie ein Professor an der Carnegie Mellon (Universität)“. Die Universität beherbergt übrigens eine der führenden Fakultäten für Künstliche Intelligenz - und eine, die einmal mit Fördermitteln des amerikanischen Verteidigungsministeriums gegründet worden war wenige Jahre, nachdem Künstliche Intelligenz sich als eigene wissenschaftliche Disziplin zu etablieren begann.

          „Am Ende“, so sagte Pichai zudem, „ist das Internet ein mächtiger Gleichmacher, geeignet, um neue Ideen voranzubringen und Menschen nach vorne.“

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