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In Europa : Google ist nicht mehr überall gratis

Google hat die Geschäftsregeln für das mobile Betriebssystem Android in Europa geändert. Bild: dpa

Der Internetkonzern verlangt jetzt von Handyherstellern Geld für seine Dienste. Das ist eine Abkehr vom bisherigen Geschäftsmodell. Und könnte eine dramatische Folge haben. Eine Analyse.

          Das Geschäftsmodell des amerikanischen Internetkonzerns Google besteht in erster Linie darin, eine Vielzahl praktischer Dienste kostenlos anzubieten, dafür aber im Gegenzug Daten über Nutzer zu sammeln und auf dieser Basis Werbung zu zeigen. Es ist ein hochprofitables Geschäft, das Google und seine Mutterholding Alphabet zu einem der wertvollsten Technologiekonzerne der Welt gemacht hat. Aber nach einer spektakulären Kartellentscheidung der EU-Kommission im Juli sieht sich das Unternehmen jetzt gezwungen, sein Geschäftsmodell zumindest für den europäischen Markt abzuwandeln.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Das Kartellverfahren und auch die jetzt von Google angekündigten Veränderungen beziehen sich auf Android, das Betriebssystem für Smartphones, das einen Marktanteil von mehr als 80 Prozent hat. Künftig wird Google die Hersteller von Android-Geräten für bestimmte Anwendungen („Apps“) zur Kasse bitten. Anders als bisher müssen Unternehmen wie Samsung, Huawei oder HTC Lizenzgebühren zahlen, wenn sie diese Apps auf ihren Handys installieren.

          Wie hoch diese Gebühren sein werden, verriet Google nicht. Aber es wäre denkbar, dass Hersteller wie Samsung die zusätzlichen Kosten an Verbraucher weitergeben. Samsung und andere Google-Partner äußerten sich zunächst nicht zu der veränderten Ausgangslage.

          Android soll kostenlos bleiben

          Die EU-Kommission hat über Google im Juli wegen Missbrauchs seiner dominierenden Position ein Bußgeld von 4,3 Milliarden Euro verhängt. Es ist die mit Abstand größte Kartellstrafe, die es in einem solchen Fall jemals gegeben hat. Die Entscheidung der EU-Kommission beschränkte sich aber nicht auf eine Geldstrafe. Sie war auch mit der Auflage verbunden, die beanstandeten Geschäftspraktiken innerhalb von 90 Tagen einzustellen. Andernfalls würden weitere Strafen in Höhe von fünf Prozent des globalen täglichen Durchschnittsumsatzes der Muttergesellschaft Alphabet drohen. Diese Frist läuft am 29. Oktober ab, und im Hinblick darauf hat Google jetzt auch die neuen Lizenzgebühren angekündigt.

          Kern der Vorwürfe der europäischen Kartellwächter war es, dass Google sein Handy-Betriebssystem Android genutzt hat, um seine dominierende Position in der lukrativen Internetsuche zu zementieren. Sie störten sich insbesondere daran, dass der Konzern Herstellern wie Samsung seine Plattform „Google Play“, auf der Smartphone-Apps vertrieben werden, nur dann zur Verfügung gestellt hat, wenn sie auch Googles Suchmaschine und den zu Google gehörenden Internetbrowser Chrome auf ihren Geräten vorinstallieren.

          Die EU-Kommission sah dies als eine illegale Verknüpfung an, die es Wettbewerbern erschwert habe, mit konkurrierenden Diensten auf den Handys der Google-Partner unterzukommen. Die „Google Play“-Plattform ist ähnlich wie der „App Store“ auf iPhones von Apple eine wichtige und schwer zu ersetzende Anlaufstelle für Handy-Nutzer, um sich Programme für ihre Geräte herunterzuladen. Google hat argumentiert, das obligatorische Installieren der Suchmaschine und des Browsers habe es dem Unternehmen ermöglicht, die Entwicklung von Android zu finanzieren.

          Der Ansatz des Unternehmens, um den Bedenken der EU-Kommission zu begegnen, besteht nun darin, von den Herstellern für eine Gruppe von Apps, zu denen „Google Play“ und andere Angebote wie Googles Landkarten- oder E-Mail-Dienst gehören, eine Lizenzgebühr zu berechnen. Die Suchmaschine und Chrome sind in diesem Bündel standardmäßig nicht enthalten, die Hersteller können sie aber gratis hinzufügen.

          Darüber hinaus will Google auch separate Lizenzen für die Suche und für Chrome anbieten. Android selbst soll weiterhin kostenlos bleiben. In einem weiteren Zugeständnis an die EU-Kommission will Google Handyherstellern künftig auch dann Zugang zu seinen Apps geben, wenn sie abgewandelte Versionen von Android verwenden.

          Inwiefern all das eine dauerhafte Lösung sein wird, muss sich noch zeigen. Denn obwohl Google die Kartellstrafe schon bezahlt hat und nun Veränderungen seiner Geschäftspraktiken ankündigt, hat das Unternehmen auch Berufung gegen die Entscheidung der EU-Kommission eingelegt, und der Fall könnte sich noch über Jahre hinziehen. Wenn das Unternehmen sich am Ende durchsetzt, könnte es die jetzt eingeführten Lizenzgebühren wieder rückgängig machen. Google hat argumentiert, Android habe es möglich gemacht, dass Verbraucher eine größere Auswahl an Handys haben. Auf der ganzen Welt gebe es heute 24.000 verschiedene Android-Geräte. Die EU-Kommission ließ am Mittwoch verlauten, um die Auflagen zu erfüllen, wäre es nicht notwendig gewesen, dass Google anfängt, Gebühren zu erheben. Die Behörde werde aber genau verfolgen, ob die Veränderungen den von ihr gewünschten Effekt auf den Wettbewerb hätten.

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