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Geplante Bezahlfunktion : Wie Instagram zum Online-Shop wird

Bald ist es möglich auf Instagram einzukaufen. Bild: AFP

Auf Instagram kann man bald nicht mehr nur Fotos hochladen: Die Plattform arbeitet an einer Bezahlfunktion und wird damit zur unliebsamen Konkurrenz für Händler. Andere frohlocken.

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          Esther Laut kann man ansehen, was sie verkauft. Sie trägt ihre Ware nämlich ständig selbst. Um das zu erkennen, muss man gar nicht den kleinen Laden namens „Minette“ in Karlsruhe besuchen, sondern bloß auf der Fotoplattform Instagram ihre Seite aufrufen. Vor vier Jahren hat sich die damals 28 Jahre alte Betriebswirtin mit dem Geschäft selbständig gemacht, aber auch schnell die sozialen Netzwerke und dabei vor allem Instagram als Verbreitungsplattform benutzt. „Ich bin dann immer wieder gefragt worden, ob ich auch Kleidung verschicke“, sagt Laut.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Minette ist das erste Beispiel, das dem für Einkauf zuständigen Manager von Instagram einfällt, wenn er an deutsche Vorbilder für Unternehmen denkt. „Junge Menschen vertrauen traditionellem Marketing nicht mehr so sehr“, sagt Ethan Arpi. Kleinere und mittelständische Unternehmen nutzten Instagram deshalb oft besonders effektiv und erfolgreich. „Da sind Besitzer und Marketingverantwortliche nämlich meist dieselbe Person – ohne große Agentur dahinter“, sagt Arpi.

          So ist das auch bei Minette. Die Seite ist auf Instagram gar nicht besonders groß, etwas weniger als 10.000 Follower hat das Profil. Aber dadurch, dass Laut ständig selbst in ihren Fotos und kurzen Videos auftritt, ist sie vielen potentiellen Kundinnen sehr nah. Wo sonst hochbezahlte „Influencer“ für große Unternehmen Schuhe und Kleider in die Kamera halten, macht die Gründerin hier noch alles selbst, wie in einem digitalen Tante-Emma-Laden.

          „90 Prozent meiner Bestellungen kommen über Instagram rein“

          Wenn früher die Anfragen zum Verschicken reinkamen, hat Laut über die Nachrichtenfunktion Adressen ausgetauscht, mit Paypal die Zahlung abgewickelt und das war alles viel zu anstrengend und zeitraubend irgendwann. Seit Dezember hat sie deshalb einen Online-Shop, der vollkommen auf Instagram ausgerichtet ist. Dort präsentiert sie ihren Kundinnen die Kleidung und verlinkt direkt in ihren Bildern die Ware. Gut ein Jahr hat sie für die Entscheidung gebraucht, auch weil eine digitale Infrastruktur für ein kleines Geschäft eine große Investition ist. Nun ist Laut sehr froh darüber. „90 Prozent meiner Bestellungen kommen über Instagram rein“, sagt die Gründerin: „Man findet mich noch nicht so gut über Google, wer da nach einem bestimmten Kleid sucht, landet bei Zalando und allen anderen. Aber auf Instagram finden mich die Kundinnen.“

          Diese Art von Online-Handel läuft auf sozialen Netzwerken unter dem Stichwort „Inspirational Shopping“. Dahinter verbirgt sich der Wunsch von Kunden, inspiriert zu werden, ganze Outfits zu sehen oder Kombinationen von Produkten. Darauf setzen Online-Händler wie Zalando mit ihrer Mode oder Westwing mit seinen Möbeln. Die Suche nach Inspiration im Netz hat unbekannte Jungs und Mädchen in kürzester Zeit zu Stars gemacht, weil sie besondere Kleidungsstile prägen und auf Instagram zu Stilikonen geworden sind. Manche verdienen damit Millionen, nicht wenige überfluten ihre Follower mit Werbung. Was manche sogenannte Influencer – oder „Creator“, wie Instagram sie nennt – schon vor Gericht gebracht hat, um die Frage zu klären, welche Kennzeichnungspflicht für Produkte nötig ist.

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