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Archivierung von Videospielen : Stirbt Pacman aus?

  • -Aktualisiert am

Pacman ist Kult: Hier hat sich die Band Deichkind während eines Konzerts verkleidet. Bild: Picture-Alliance

Wenn Videospiele alt werden, sterben sie oft den digitalen Tod. Mancher probiert etwas dagegen zu unternehmen – und verstößt gegen das Gesetz.

          Fortnite ist momentan das Spiel der Stunde. 40 Millionen Menschen haben sich das Spiel heruntergeladen, Millionen spielen es täglich. Wie wird das Spiel in zehn oder 20 Jahren aussehen? Wenn die Online-Server abgeschaltet sind und sich nur noch eine Handvoll Spieler für das Spiel interessiert? Können Spieler es noch weiterhin spielen oder stirbt es den digitalen Tod?

          Diese Frage beschäftigt momentan viele Spielemagazine und Spieler. Ausgangspunkt für die Diskussion ist ein Rechtsstreit um so genannte ROM-Anbieter. ROMs, das waren Steckmodule beispielsweise für Spielekonsolen, auf denen die Videospiele gespeichert waren. Die Unternehmen haben die Daten ausgelesen und bieten sie jetzt zum Herunterladen an. Dem Urheberrecht entspricht das nicht.

          Ende Juli verklagte die Videospiel-Firma Nintendo die beiden ROM-Anbieter „Love Rom“ und „Love Retro“ wegen Produktpiraterie auf hohe Millionensummen. Die beiden ROM-Anbieter hatten seit Jahren ohne die Erlaubnis des Rechte-Besitzers die Spiele-Software verbreitet – und machten sich so strafbar.

          Nintendo wollte die Produktpiraterie nicht länger mit ansehen. Denn das japanische Videospielunternehmen hat selbst erst vor einiger Zeit zwei Neuauflagen seiner alten Spiele auf den Markt gebracht. Zudem will es für seine neueste Konsole, die Nintendo Switch, einige Spiele-Klassiker neu auflegen. Durch den Wettbewerb der ROM-Seiten entgingen dem Unternehmen somit vielleicht Gewinne, argumentiert das Unternehmen.

          Datenträger haben nur begrenzte Lebensdauer

          Wie lassen sich unter solchen Voraussetzungen Spiele vor dem Verschwinden retten? Seit Jahren und Jahrzehnten übernehmen dies eben jene ROM-Seiten im Internet, wenn auch nicht ganz legal. Bisher konnte jeder mit wenigen Klicks nicht nur bekannte Titel wie PacMan und Super Mario Bros. herunterladen. Auch unpopuläre Spiele von alten Konsolen oder alte PC-Spiele waren verfügbar, die jeder herunterladen konnte, um sie dann selbst zu spielen. Dass Nintendo nun diesem System scheinbar ein Ende setzen möchte, hat Spieler auf die Barrikaden gebracht – und die Diskussion um die Spiele-Bewahrung wieder neu entfacht.

          Denn es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Datenträger, auf denen sich die alten Spiele befinden, nicht mehr von Computern auslesbar sind. Disketten beispielsweise halten bei vorschriftsgemäßer Lagerung 10 bis 30 Jahre. Dann löst sich der magnetische Film von der Speicherscheibe und Informationen können verloren gehen, weil die magnetische Ausrichtung immer unsauberer wird. Die Diskette und ihr Inhalt werden unbrauchbar.

          Private Organisationen wollen Spiele erhalten

          Die Filmindustrie musste diese Erfahrung schon machen: Mehr als 90 Prozent der amerikanischen Filme vor 1929 seien für immer verloren, teilte die amerikanische Organisation zum Filmschutz Film Foundation 2014 mit. Die Filmträger auf Nitrozellulosebasis fingen schnell Feuer und waren zudem nicht lange haltbar. Heute sind die einzigen Erinnerungen an viele Filme nur noch die Plakate, mit denen sie beworben wurden.

          Damit es bei Videospielen nicht soweit kommt, sind einige Organisationen entstanden, die Videospiele digital archivieren wollen. Die Video Game History Foundation beispielsweise kümmert sich als gemeinnützige Stiftung um die Bewahrung von Spielen. Doch viele der Organisationen haben mit den gleichen Problemen wie die ROM-Seiten zu kämpfen.

          Neue Probleme warten schon

          Die Rechte an den Videospielen liegen oft noch bei Unternehmen, die Speicherung bleibt auch hier schwierig. Ein Umdenken in der Rechte-Frage lässt auf sich warten. Zudem sind viele der Organisationen auf Spenden angewiesen – die Archivierung wird zum Geduldsspiel. Dabei warten schon die nächsten Probleme auf eine Lösung: Neben alten Videospielen werden heutzutage immer häufiger Online-Spiele zum Archivierungs-Problemfall.

          Wenn der Entwickler des Spiels die Server, auf denen die Spielstände gespeichert sind, abstellt, sind die Spielinformation größtenteils verschwunden. Wenn sich nichts ändert, wird in zehn oder 20 Jahren wohl niemand mehr Online-Spiele wie „World of Warcraft“ spielen können – und auch die Erinnerung wird langsam verschwinden.

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