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Gamescom eröffnet : Scheuer bringt den Gamern kein Geschenk mit

Ob sich Minister Scheuer hinter einer dieser Figuren versteckt? Bild: dpa

50 Millionen Euro will die deutsche Videospielindustrie von der Bundesregierung. Minister Scheuer betont zwar die Bedeutung der Gamesbranche – lässt die Förderung aber weiter offen.

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          Ab jetzt ist Köln für eine Woche auch offiziell das Zentrum der internationalen Videospielwelt. Die Gamescom, weltgrößte Messe für Computer- und Konsolenspiele, wurde am Dienstagmorgen durch Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) offiziell eröffnet. Der Minister enttäuschte allerdings gleich einige Erwartungen – er brachte nämlich nicht die Zusage mit, dass die deutsche Videospielindustrie im kommenden Jahr wieder staatliche Fördergelder bekommt.

          Bastian Benrath

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im laufenden Jahr hatte es zum ersten Mal 50 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt gegeben, um deutsche Videospiel-Entwickler zu fördern – im Haushaltsentwurf für kommendes Jahr fehlen diese aber wieder. „In jeder meiner Prioritätenlisten, die ich in meinem Ministerium zu vertreten habe, steht die Gamesförderung mit 50 Millionen im Haushalt 2020 an erster Stelle“, sagte Scheuer nun. „Aber ich stelle ja nicht alleine den Haushalt auf, sondern da gibt es noch einige andere in der Bundesregierung.“

          Scheuers Versprechen

          Er versprach, sich im anstehenden parlamentarischen Haushaltsverfahren für die Videospielförderung einzusetzen und setzte die Branche in Verbindung zu Zukunftsbereichen wie Künstlicher Intelligenz. „Das muss die Botschaft dieser Gamescom sein: Das sind nicht nur Spieler, sondern das sind die Innovatoren von morgen.“

          Auch die Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär (ebenso CSU), die mit Scheuer die Messe eröffnete, gab ein ähnliches Versprechen ab. „Heute versprechen wir, dass wir wirklich alles in unser Macht Stehende tun, damit die Förderung endlich mal so im Haushalt steht, dass wir nicht mehr jedes Jahr wieder kämpfen müssen“, sagte sie.

          Der oberste Lobbyist der deutschen Videospielwirtschaft, Felix Falk, Geschäftsführer des Videospiel-Wirtschaftsverbands „Game“, hatte zuvor mit anderen Unternehmern der Branche unisono die Trommel für Fördergelder gerührt. Die Videospielentwicklung in Deutschland sei im Vergleich mit anderen Ländern zu teuer. „Wir wollen, dass noch viel mehr Spiele und Geschichten in Deutschland entstehen“, sagte er. „Wir wollen, dass die Technologien für Games in Deutschland entstehen und mit den entsprechenden Fachkräften auch in Deutschland bleiben. Und wir wollen, dass die Potentiale, die Games bieten, noch viel mehr für Wirtschaft und Gesellschaft genutzt werden.“

          „Deutschland kann nicht mithalten“

          Zum Beleg für die schlechten Bedingungen für Spieleentwickler hier schickte der „Game“, der auch Organisator der Gamescom ist, kurz vor Scheuers Auftritt ein Spiel auf die Bühne, das in Deutschland hätte produziert werden können, es aber eben nicht wurde. „Need for Speed: Heat“ erscheint im November diesen Jahres und ist eine Rennsimulation, die sich um Straßenrennen in getunten Autos dreht. „Need for Speed“ ist zugleich eine der etabliertesten Marken auf dem Markt für Rennspiele, das erste Spiel der Reihe erschien schon 1994. Produziert wird es inzwischen von Electronic Arts (EA), einem der weltgrößten Verleger von Videospielen aus Amerika.

          EA hat auch ein Studio in Köln, wo unter anderem eine Zusatz-App für „Need for Speed: Heat“ entwickelt wurde. Das Spiel selbst stammt jedoch aus EAs Studio im schwedischen Göteborg. Da sei die Produktion für das Unternehmen billiger, sagte James Kosche, EA-Geschäftsführer für Deutschland, Österreich und die Schweiz, – und verwies ziemlich unmissverständlich auf die fehlende staatliche Förderung in Deutschland. „Wir sind ein internationaler Konzern“, sagte er. „Wenn man sich die internationalen Rahmenbedingungen anschaut, dann kann Deutschland da im Moment noch nicht mithalten.“

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