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Zunächst große Hürde genommen : Fusion von T-Mobile und Sprint wohl doch gefährdet

Wird aus Sprint und T-Mobile bald ein Unternehmen? Bild: Reuters

Zwei Behörden müssen der Fusion des amerikanischen Tochterunternehmens der Telekom mit dem Wettbewerber Sprint zustimmen: Die eine gibt grünes Licht – daraufhin steigt der Aktienkurs. Die andere ist offenbar dagegen – der Kurs fällt.

          Die Deutsche Telekom kann sich größere Hoffnungen machen, dass ihre amerikanische Tochtergesellschaft T-Mobile US mit dem Wettbewerber Sprint fusionieren darf. Am Montag kündigte der Vorsitzende der amerikanischen Telekommunikationsbehörde FCC an, eine Genehmigung des schon vor mehr als einem Jahr angekündigten Zusammenschlusses empfehlen zu wollen. Damit haben die beiden Fusionspartner also offenbar zumindest eine der beiden Behörden, die ihrem Vorhaben zustimmen müssen, auf ihrer Seite.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Darüber hinaus brauchen sie auch noch die Freigabe des amerikanischen Justizministeriums, das die Übernahme unter Wettbewerbsgesichtspunkten prüft. An dieser Front gab es für die Fusionspläne offenbar einen Rückschlag. So meldete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Montag, das amerikanische Justizministerium neige eher zu einer Ablehnung der Milliardenfusion. Obwohl die beiden Unternehmen Zugeständnisse gemacht hatten, habe das Ministerium immer noch Wettbewerbsbedenken. Die Nachrichtenagentur beruft sich auf eine mit der Prüfung vertraute Person.

          Das spiegelte sich auch im Verlauf der Aktienkurse von T-Mobile US und von Sprint wider. Als bekannt wurde, dass die FCC eine Genehmigung empfehlen will, stieg der Kurs von T-Mobile US um mehr als 5 Prozent, der von Sprint um 24 Prozent. Auf die möglichen Bedenken der Wettbewerbsbehörde reagierte der Markt dagegen negativ. Die Aktien verloren einen Teil ihrer Kursgewinne wieder. Zu Handelsschluss notierte T-Mobile US noch mit knapp 4 Prozent im Plus, Sprint mit knapp 19 Prozent.

          „Ich könnte nicht optimistischer sein“

          John Legere, der Vorstandschef von T-Mobile, twitterte nach der Empfehlung der FCC: „Wir haben heute einen sehr wichtigen Schritt für unsere vorgeschlagene Fusion mit Sprint gemacht, und ich könnte nicht optimistischer sein.“ Die Zustimmung des FCC-Vorsitzenden Ajit Pai haben sich die beiden Telekommunikationskonzerne mit einer Reihe von Versprechungen gesichert. Beispielsweise haben sie zugesagt, drei Jahre lang ihre Preise nicht zu erhöhen, außerdem soll es – anders als bei den beiden Wettbewerbern AT&T und Verizon – für Angebote rund um den neuen Mobilfunkstandard 5G keine Preisaufschläge geben. Weiterhin versprachen sie, innerhalb von drei Jahren nach Vollzug der Fusion mit ihrem 5G-Netzwerk 97 Prozent der amerikanischen Bevölkerung abzudecken.

          Ajit Pai sagte, zu den höchsten Prioritäten seiner Behörde gehöre es, den Vereinigten Staaten eine führende Position im 5G-Geschäft zu sichern und ländlichen Regionen des Landes zu einer besseren Anbindung an das Internet zu verhelfen. Die Zugeständnisse von T-Mobile und Sprint würden dabei helfen, beide Ziele zu erreichen. Die Unternehmen versprachen außerdem, im Zuge der Fusion die Sprint-Tochtergesellschaft Boost Mobile zu verkaufen, die auf Prepaid-Kunden ohne Vertragsbindung spezialisiert ist. Dies könnte helfen, etwaige wettbewerbsrechtliche Bedenken des Justizministeriums zu zerstreuen. FCC-Chef Ajit Pai beschrieb die Zugeständnisse als bindend und sagte, den Unternehmen drohten Geldstrafen von mehreren Milliarden Dollar, wenn sie sich nicht daran hielten.

          Der nächste Anlauf

          Die Fusion von T-Mobile US und Sprint wurde im April vergangenen Jahres vereinbart. Dies ist der jüngste in einer Serie von Versuchen der Deutschen Telekom, ihr Amerika-Geschäft in einen größeren Verbund einzubringen. 2011 versuchte sie, es an den größeren Wettbewerber AT&T zu verkaufen, 2014 gab es einen ersten Anlauf für einen Zusammenschluss mit Sprint. Beide Vorhaben scheiterten an kartellrechtlichen Einwänden. Die Regulierer argumentierten jeweils, dass sie einen Mobilfunkmarkt mit vier großen Anbietern erhalten wollen, also AT&T, Verizon, T-Mobile und Sprint.

          Der jüngste Versuch einer Fusion mit Sprint kam inmitten eines veränderten politischen Umfelds, denn seit dem Antritt von Donald Trump als amerikanischem Präsidenten verfolgt die Regierung zumindest tendenziell eine gelockerte Regulierungspolitik. Gleichwohl sahen sich die beiden Konzerne abermals erheblichen Bedenken gegenüber, gerade aus den Reihen der Demokratischen Partei. Kritiker des Vorhabens sagten, der Zusammenschluss würde Arbeitsplätze kosten und die monatlichen Handyrechnungen von Amerikanern steigen lassen.

          T-Mobile-Chef John Legere wies dies bei einem Auftritt vor dem Kongress in Washington zurück. Weiterhin argumentierte er, die Fusion werde Investitionen in 5G-Technologien ermöglichen. Er versprach außerdem, T-Mobile werde in seinem 5G-Netzwerk nie den umstrittenen chinesischen Ausrüster Huawei nutzen.

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