https://www.faz.net/-gqe-9k6hz

Forschungsprojekt im Südwesten : Wasserstoff für die Verkehrswende

Auch in Baden-Württemberg treibt man die Brennstoffzellen-Autos voran. Diese Tankstelle steht aber in Kassel in Hessen. Bild: dpa

Baden-Württemberg forscht an Wasserstoff-Autos. Und will dafür Geld aus Berlin. Manche befürchten: Sonst passiert das gleiche, wie mit den Batteriezellen.

          Aus Wasser kann Treibstoff werden, und das sogar klimaneutral, wenn für die Spaltung der Moleküle in Wasserstoff und Sauerstoff Strom aus erneuerbaren Quellen eingesetzt wird. Für die passenden Brennstoffzellen-Autos gibt es sogar schon ein kleines Tankstellennetz von aktuell 60 Stationen in Deutschland, und große Zulieferer wie etwa Bosch oder Mahle arbeiten an Projekten, damit Lastwagen mit Brennstoffzellentechnik fahren können.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Es gibt aber noch viel zu forschen – und in Baden-Württemberg werden dazu konkrete Pläne vorangetrieben, die das forcieren sollen. Die Hyfab Baden-Württemberg, eine Forschungsfabrik für Brennstoffzellen und Wasserstoff, soll helfen, die Technik weiterzuentwickeln. Vor allem schnelle, automatisierte Fertigungs- und Qualitätssicherungsverfahren für die Brennstoffzellenstapel sollen erarbeitet und erprobt werden. Dazu soll eine offene Plattform entstehen, an der sich Zulieferer und Forschungseinrichtungen andocken können. Ziel ist die Industrialisierung der Brennstoffzellenfertigung, was sich in entsprechend niedrigeren Fahrzeugkosten auswirkt.

          Brief nach Berlin

          Diese Forschungsfabrik sollte auch vom Bund gefördert werden, lautet nun die Forderung aus Stuttgart. Es gehe um ein enormes Potential sowohl für die notwendige CO2-Reduzierung im Verkehr wie auch für die Profilierung der heimischen Industrie, schreiben der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) sowie seine Kollegin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) aus dem Wirtschaftsministerium in einem Brief an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU).

          „Das Projekt eignet sich hervorragend für eine gemeinsame Realisierung im Schulterschluss von Bund, Land und Industrie“, so ihre Überzeugung. Voraussichtlich werde für das Projekt Hyfab, mit jeweils einem Standort beim Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung in Ulm und am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg in den nächsten zehn Jahren ein Betrag von 74 Millionen Euro benötigt. Ein Viertel davon wolle das Land selbst im Rahmen des Strategiedialogs Automobilwirtschaft zur Verfügung stellen.

          Einen möglichen Geldtopf für Bundesmittel haben die Minister aus Stuttgart auch schon im Auge: Es könnten Mittel der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW) eingesetzt werden. NOW-Geschäftsführer Klaus Bonhoff hat selbst im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schon davor gewarnt, dass Deutschland in drei bis fünf Jahren in Sachen Brennstoffzelle eine ähnliche Diskussion blühe, wie sie derzeit über die nicht vorhandene Produktion von Batteriezellen für Elektrofahrzeuge geführt werde. Technologisch sei man in Deutschland noch auf Augenhöhe mit den asiatischen Produzenten, so Bonhoff, doch: „Wir sind aber sehenden Auges dabei, diese Position zu verlieren.“

          Aktiver Südwesten

          In Baden-Württemberg sieht man die Arbeit am Thema Wasserstoff und Brennstoffzelle entsprechend im Kontext mit der Zukunft der Autoindustrie. Es gehe natürlich auch darum, Wertschöpfung und Arbeitsplätze im Südwesten zu erhalten, betont Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut.

          Vor allem für Busse oder Lastwagen könnte die Brennstoffzellentechnologie eine wichtige Rolle spielen, erwartet Umweltminister Untersteller, der fordert: „Unsere Mobilität muss klimaneutral und schadstofffrei werden. Wir brauchen die Verkehrswende.“

          Soweit es um die klimaneutrale Gewinnung von Wasserstoff geht, ist man im Südwesten schon aktiv. Im vorigen Herbst hat Energiedienst, eine Tochtergesellschaft des ENBW-Konzerns, in Grenzach-Wyhlen eine Pilotanlage mit einem Elektrolyseur aufgebaut, um mit Ökostrom Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff aufzuspalten. An der Optimierung dieses Prozesses arbeiten vier Forschungsinstitute, auch mit Geld vom Land.

          Die Wasserstoffmenge, die hier produziert wird, könnte theoretisch für den Antrieb von rund 1000 Brennstoffzellenautos genutzt werden. Mangels Abnehmern geht der Wasserstoff aber an die chemische Industrie, die ihn zum Beispiel für die Düngemittelproduktion nutzen kann.

          Weitere Themen

          Die erste Frau mit Salz Video-Seite öffnen

          Unternehmerin im Senegal : Die erste Frau mit Salz

          Marie Diouf hat es von einer Arbeiterin zur Unternehmerin gebracht: Als erste Frau im Senegal beschäftigt sie 20 Arbeiter auf ihrem eigenen Salzfeld.

          60 Satelliten auf einmal ins All Video-Seite öffnen

          Internet 2.0 von SpaceX : 60 Satelliten auf einmal ins All

          Die erdnahen Trabanten stellen die erste Stufe eines geplanten Netzwerks des Internetdiensts Starlink dar, das Hochgeschwindigkeits-Internet für zahlende Kunden auf der ganzen Welt zur Verfügung stellen soll. Starlink ist ein Projekt des Unternehmers Elon Musk.

          Topmeldungen

          Boris Johnson im Januar während einer Rede in Dublin

          Sorgen in der Wirtschaft : Zittern vor Boris Johnson

          Der Hardliner ist in Großbritannien der Favorit für die Nachfolge von Theresa May. Das lässt Unternehmen bangen: Er strebt einen No-Deal-Brexit an – ohne Rücksicht auf Verluste.
          „Seit über 25 Jahren packen wir einmal im Jahr das gesamte Spielzeug für acht Wochen in den Keller“, berichtet Kita-Leiterin Elfriede Reissmüller, „und die Kinder werden aufgefordert, ihre Phantasie und Kreativität verstärkt einzusetzen.“

          Kita ohne Spielzeug : Weg mit den Bauklötzen!

          Eine Kita ohne Spielzeug – klingt widersinnig. Tatsächlich aber kann die fehlende Ablenkung Wunder wirken und wichtige Fähigkeiten für das spätere Leben ausbilden.
          Ende Oktober 2018 steht Damian Boeselager, einer der Gründer der proeuropäischen Partei Volt, in Amsterdam bei einer Kundgebung auf der Bühne

          Kleinpartei vor Europawahl : Viel ge-Volt

          Große Versprechen, großer Idealismus: Volt ist proeuropäisch und tritt in acht Ländern zur Europawahl an. Wer ist die Kleinpartei, die es erreichte, dass der „Wahl-O-Mat“ kurzzeitig offline ging?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.