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Forschungsgipfel in Berlin : „Der Arbeitsmarkt für KI-Experten ist leergefegt“

  • -Aktualisiert am

Dietmar Harhoff ist der Vorsitzende der Expertenkommission Forschung und Innovation. Bild: EPA

Google und die anderen Tech-Giganten zahlen KI-Profis hohe Gehälter. Die öffentliche Forschung sollte ihnen nicht das Feld überlassen, schreibt der Vorsitzende der Expertenkommission Forschung und Innovation in einem Gastbeitrag.

          Künstliche Intelligenz“ (KI) steht im Mittelpunkt des diesjährigen Forschungsgipfels. Der Begriff führt schnell zu emotionalen Debatten, wo Menschen sich von maschineller Intelligenz herausgefordert fühlen. Eine Versachlichung kann hier weiterhelfen.

          Die Forscher Agrawal, Gans und Goldfarb aus Toronto haben vorgeschlagen, anstelle von „Künstliche Intelligenz“ den Begriff „Vorhersagemaschinen“ (prediction machines) zu verwenden. Maschinen, die beeindruckende Fähigkeiten haben, große Datenmengen in bestimmten Kontexten in verlässlichen Prognosen zu bündeln − denen aber die Fähigkeit zur Beurteilung von komplexen Sachverhalten noch fehlt und die damit von menschlicher Intelligenz nach wie vor weit entfernt sind.

          Die rapide Entwicklung von KI hat den Preis für Vorhersagen und Klassifikationen massiv gesenkt. Damit ist die Nachfrage gestiegen. Das führt zu einer Erhöhung der Wertschätzung für alles und alle, die mit der neuen Technik umgehen können oder sie sogar ergänzen können. Die KI verspricht erhebliche Produktivitätsgewinne.

          Die Leistungsfähigkeit von KI-Verfahren hat sich in den letzten Jahren beachtlich entwickelt. Verfahren der KI können heute erfolgreich bei Bild- und Spracherkennung, der Steuerung autonomer Systeme in Haushalt und Industrie, medizinischer Diagnostik und zunehmend beim autonomen Fahren eingesetzt werden. KI-Technologien werden in fast allen Sektoren einsetzbar sein und dort erhebliche produktivitätserhöhende Effekte entfalten.

          Kein Rennen zwischen Mensch und Maschine

          KI hat schon jetzt erhebliche wirtschaftliche Bedeutung erlangt. Genaue Abschätzungen des wirtschaftlichen Nutzens gibt es nicht, wohl aber zahlreiche Schätzungen. Eine nicht untypische Studie konstatiert allein für Deutschland bis 2030 einen Zugewinn des Bruttoinlandsprodukt (BIP) von etwa 10 Prozent. Anders gesagt: Es geht also – für das Jahr 2030 – darum, etwa 400 Milliarden Euro mehr an BIP zu haben oder nicht. Das sollte Anreiz genug sein, über kluge Pläne nachzudenken und vor allem zu investieren.

          Der Begriff „Künstliche Intelligenz“ ruft derzeit Horrorszenarien für die Arbeitswelt hervor. Welche Szenarien sich tatsächlich einstellen werden, ist schwer vorhersagbar. Eine wissenschaftliche Begründung für eine zu erwartende Katastrophe im Arbeitsmarkt gibt es nicht. Die erwarteten Produktivitätssteigerungen werden Veränderungen in der Arbeitsnachfrage – qualitativ und quantitativ – auslösen. Es geht aber nicht, so die amerikanischen Arbeitsmarktforscher Goldin und Katz, um ein Rennen zwischen Mensch und Maschine. Es geht um ein Rennen zwischen Technologie und Bildungssystemen.

          Wie wir unsere Bildungssysteme fit machen für diese Herausforderung, wird zu einer zentralen Frage für Politik und Unternehmen. Bildung entscheidet auch über zukünftige Fähigkeiten im Umgang mit KI, also Produktivität – und über die Resilienz des Arbeitsmarktes. Es wäre aber verfehlt, KI nur aus einer Produktivitäts- oder Arbeitsmarktperspektive zu betrachten. Ethische Aspekte sind völlig zurecht ebenfalls in den Vordergrund der Diskussion gerückt.

          • An welchen ethischen Prinzipien und gesellschaftlichen Bedarfen sollte sich die Entwicklung von KI orientieren?
          • Wie sind diese in Rahmenbedingungen, insbesondere Recht und Regulierung umzusetzen?
          • Wie kann sichergestellt werden, dass KI nicht zu neuen Formen der Diskriminierung führt oder schon bestehende verstärkt?
          • Wie können algorithmische Entscheidungen transparent, nachvollziehbar gemacht werden?

          Nur Ethik im Blick zu haben, reicht nicht

          Als Vorsitzender der Expertenkommission freue ich mich natürlich, dass, wie in unserem Gutachten 2018 empfohlen, eine Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages zu Fragen der KI eingerichtet worden ist. Dies war ein wichtiger, weithin sichtbarer Schritt. Die Diskussion muss aber ebenso in andere Bereiche der Gesellschaft hineingetragen werden. Wiederum nur Ethik im Blick zu haben, reicht aber auch nicht. Ein Ethik-Weltmeister ohne technisch-wissenschaftliche Fähigkeiten ist genauso fragwürdig wie ein KI-Technik-Champion, der Menschenrechte, etwa in Bezug auf Privatheit, missachtet.

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