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Forschungsgipfel in Berlin : „Der Arbeitsmarkt für KI-Experten ist leergefegt“

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Unter den europäischen Ländern führen Akteure aus Großbritannien, Deutschland und Frankreich hinsichtlich der Zahl von Publikationen, Patenten und Beiträgen zu Softwarerepositorien. Zusammengenommen verfügen die Länder der Europäischen Union in der KI-Forschung über eine gute bis sehr gute Ausgangsposition. Europa ist aber noch kein harmonisierter Markt, und auch die Forschung ist teils immer noch national fragmentiert. Es ist daher von zentraler Bedeutung, die Zusammenarbeit zwischen europäischen Forschungslaboren, Start-ups und Unternehmen zu fördern.

Bisher werden in der KI-Strategie nur vage Vorstellungen für eine Kooperation mit französischen Einrichtungen genannt. Diese sollten bald konkretisiert werden. Die Teilnehmer des Forschungsgipfels sind in der glücklichen Lage, heute auch einen Impulsbeitrag von Cédric Villani zu hören, der die Erstellung des französischen Strategiepapiers geleitet hat. Die Zusammenarbeit mit Frankreich hat zweifelsohne große Bedeutung. Aber angesichts der britischen Forschungsleistungen sollte auch die Kooperation mit britischen Einrichtungen nicht aus dem Blick geraten.

Ohne in die Details zu gehen – vielleicht benötigen wir im Bereich der KI-Forschung Einrichtungen wie das European Molecular Biology Laboratory (EMBL). Mit einer solchen intergouvernementalen Organisationsform ließe sich auch nach einem Brexit eine intensive Kooperation europäischer Länder realisieren.

Wo bleiben die restlichen 2,5 Milliarden?

Mit der im November 2018 vorgelegten KI-Strategie der Bundesregierung gibt es einen ersten Plan, wie es weitergehen soll. Das Papier geht systematisch auf die wesentlichen Punkte ein, mischt aber sehr detaillierte Angaben (100 Professuren, 12 Zentren, Vorgaben für den Technologietransfer) mit teils vagen Aussagen, die dringend präzisiert werden müssen. Es gibt noch keinen Zeitplan für die Maßnahmenpakete. Dabei hätte die Umsetzung längst anlaufen müssen.

Roboter „Sophia“ im Februar auf dem Mobile World Congress in Barcelona.

Zum Finanzierungsvolumen von drei Milliarden Euro (das die Expertenkommission für einen angemessenen, aber nicht üppigen Rahmen hält) gab es in diesen Tagen die Nachricht, dass die Mittel größtenteils durch Umschichtung freigesetzt werden. Wenn jetzt tatsächlich nur 500 Millionen Euro an frischem Geld für die neue Herausforderung zur Verfügung stehen – wo werden die weiteren 2,5 Milliarden Euro freigemacht? Sind das dann wirklich Projekte, die man einfach einstellen kann? Und warum benennt die KI-Strategie der Regierung die Finanzierungsmodalitäten nicht. Die Bundesregierung läuft Gefahr, dass der Eindruck Potemkinscher Dörfer entsteht.

Reaktionen zu spät und zu zögerlich

Es hat fast vier Jahre gedauert, bis nach den Durchbrüchen des Briten Geoffrey Everest Hinton und anderer das maschinelle Lernen von der deutschen Politik wahrgenommen wurde. Die Reaktionen sind zu spät sowie zu zögerlich erfolgt und in der Umsetzung der KI-Strategie gibt es noch sehr viel zu tun.

Wir müssen neben der konkreten Frage nach der Rolle von KI dringend auch die Frage stellen, wie die Forschungs- und Wirtschaftspolitik in Zukunft dynamischer und agiler werden kann, wie die silo-ähnlichen Strukturen in den Ressorts dazu gebracht werden können, schneller und präziser Impulse aufzunehmen und zu reagieren. Oder wie neue Organisationsstrukturen aussehen können, denen dies besser gelingt. Wenn deutsche Großunternehmen – auch nicht immer Aushängeschilder für Agilität – mit Akzeleratoren und anderen Instrumenten experimentieren, um schneller zu werden, muss schließlich auch die Frage erlaubt sein, wo die Akzeleratoren der deutschen Politik stecken.

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