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Erfolgreiche Start-ups : Diese Gründer sind jung – und erfolgreich

Melanie Perkins mit ihren Co-Gründern Cliff Obrecht und Cameron Adams. Bild: Canva

Florian Leibert, Melanie Perkins und Co. sitzen dort, wo viele Firmengründer hinwollen – in Berlin oder dem Silicon Valley.

          Florian Leibert sitzt da, wo viele Firmengründer gerne hinwollen: im Silicon Valley. Dort führt der 34 Jahre alte Deutsche ein Unternehmen, in dem renommierte Kunden und potente Finanziers einander die Klinke in die Hand geben. Nur die wenigsten IT-Laien dürften mit dem Namen Mesosphere etwas anfangen können. Was nicht verwundert: Mit den Produkten des Start-ups kommt der Durchschnittsverbraucher kaum in Berührung. Mesosphere plant, so interpretieren das Branchenbeobachter, „eine Art Betriebssystem für das 21. Jahrhundert“, und Leibert sei dabei der „Bill Gates des Cloudcomputings“. Das ist vielleicht ein bisschen übertrieben, vielleicht aber auch nicht. Denn der Gründer und seine Kompagnons Tobias Knaup und Ben Hindman haben sich tatsächlich vorgenommen, die Welt der Rechenzentren zu revolutionieren. Die Computer, die die Cloud bilden, arbeiten bislang relativ isoliert nebeneinander. Mit der Mesosphere-Software lassen sie sich wie ein einziger riesiger Rechner steuern.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das ist vor allem für große und datenhungrige Anwendungen und Apps interessant, zum Beispiel von Twitter oder Airbnb. Genau für diese Unternehmen hat Leibert als Entwickler gearbeitet, bevor er sich selbständig machte. Auch deshalb weiß er, welche Probleme ein exponentiell steigendes Datenvolumen und eine Milliarden-Nutzerschaft mit sich bringen. In den Rechenzentren muss diese gigantische Datenmenge schnell und effizient verarbeitet werden. Auch deshalb setzen Kunden wie der Kreuzfahrtriese Royal Caribbean, das Empfehlungsportal Yelp und der Mitfahrdienst Uber auf die Dienste des gebürtigen Unterfranken. Investoren lieben Leiberts Unternehmen ebenfalls. Große Beteiligungsgesellschaften wie Andreessen Horowitz oder Vinod Khosla haben schon Millionen in Mesosphere gesteckt. Auch Microsoft, dem in der Vergangenheit ein Interesse am gesamten Unternehmen nachgesagt wurde, tritt als strategischer Investor auf.

          Auto 1 ist jetzt 3 Milliarden Euro wert

          Mesosphere vereint Rezepte erfolgreicher Start-up-Unternehmen und Unternehmer, die sich auch in anderen Beispielen wiederfinden. Vor kurzem machte Auto 1 Schlagzeilen, ein Online-Marktplatz für Gebrauchtwagen mit Marken wie wirkaufendeinauto.de. 460 Millionen Euro investiert der „Vision“-Investitionsfonds des japanischen Technologiekonzerns Softbank in den deutschen Autovermittler. Damit wird Auto 1, das mehr als 40.000 Fahrzeuge im Monat verkauft und in gut 30 Ländern aktiv ist, mit fast drei Milliarden Euro bewertet. Es gilt als zweitwertvollstes europäisches Start-up nach dem Musikstreamingdienst Spotify.

          Damit dürften die Ko-Gründer Christian Bertermann und Hakan Koç anfangs kaum gerechnet haben. Aber auch zu ihren Erfolgsfaktoren gehören Problembewusstsein und Branchenkenntnisse. Bertermanns Großmutter suchte vor sechs Jahren einen Käufer für ihren Mercedes. Die Versuche des Enkels, der Oma beim Verkauf zu helfen, schlugen fehl, „reichlich halbseidende Interessenten“ traten als Käufer auf, konkrete Preise erhielt er nicht. Schon war die Idee geboren, solch einen Verkaufsprozess leichter und transparenter zu machen. Zu Hilfe kamen den Gründern ihre Erfahrung im Internetgeschäft, unter anderem bei Groupon und Zalando.

          Ginmon will das Geld der Chinesen automatisiert anlegen

          Software und Handel sind nicht die einzigen Branchen, die von Start-ups derzeit durcheinandergewirbelt werden. Ob Finanzen, Bildung, Reisen, Mode – überall warten junge Unternehmen, die es nur darauf abgesehen haben, den Profiteuren der alten wirtschaftlichen Strukturen das Fürchten zu lehren oder sie mit einer ganz neuen Idee gar überflüssig zu machen.

          So wachsen im traditionsreichen Bankenland Deutschland erfolgversprechende Fintechs heran. Der Gründer des Anbieters Ginmon, Lars Reiner, hat China als Riesenmarkt für sein Angebot einer automatisierten Geldanlage im Blick. Der Chef der Smartphone-Bank N26, Valentin Stalf, gibt fast im Monatstakt neue Ziele aus: Bis zu zehn Millionen Kunden in den kommenden zehn Jahren will er von seinem Angebot überzeugen.

          Schon heute auf diese Zahl von Nutzern verweisen kann der Berliner Arzt Ijad Madisch. Mit seinem Portal Researchgate gründete er ein Online-Netzwerk, das als „Facebook für Wissenschaftler“ gilt und in das Bill Gates vor einigen Jahren 35 Millionen Euro investierte. Einen digitalen Nachhilfelehrer haben die Brüder Raphael und Maxim Nitsche mit ihrer beliebten Mathe-App Math42 entwickelt – und sie im vergangenen Herbst für rund 20 Millionen Euro an einen amerikanischen Bildungskonzern verkauft.

          Frauen sind immer noch selten

          Noch immer selten vertreten im Start-up-Universum sind Frauen. Unter 160 Gründern europäischer „Einhörner“ – das sind Tech-Unternehmen, die mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet werden – sind 96 Prozent männlich, wie die Investmentbank GP Bullhound ermittelte. Wer sucht, findet natürlich. Selbsternannte „Männerversteher“ wie Anna Alex und Julia Bösch mit ihrem Berliner Männer-Shoppingservice Outfittery.

          Oder im Silicon Valley die Australierin Melanie Perkins, die Chefin des Designspezialisten Canva. Sie wird dort als etwas ganz Besonderes und Außerordentliches gefeiert: als eine der jüngsten Chefinnen eines Start-ups mit Milliardenbewertung. Das Valley ist eben nicht in allen Disziplinen vornedran, zum Beispiel im Erfolg von Frauen.

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