https://www.faz.net/-gqe-9shkd

Datenschutz : Firefox verschärft den Kampf gegen Internettracker

Firefox verschärft den Kampf gegen Internet-Tracker. Bild: dpa

Viele amerikanische Tech-Konzerne werden immer unbeliebter. Eigentlich könnte Firefox davon profitieren. Stattdessen verliert der Browser immer mehr Marktanteile. Neue Datenschutz-Werkzeuge sollen die Wende einleiten.

          1 Min.

          Firefox hatte schon bessere Zeiten. Politisch wird die dahinter stehende Stiftung Mozilla zwar gern gesehen, steht sie doch für Privatsphäre und Datenschutz. Doch die Nutzerzahlen schwächeln. In Deutschland nutzt zwar noch etwa jeder Vierte den Firefox-Browser, im Jahr 2011 lag der Anteil aber noch bei mehr als 60 Prozent. Seit einigen Jahren dominiert Google Chrome, das in Deutschland aktuell etwa jeder Zweite nutzt. Global gesehen ist die Lage für Firefox noch dramatischer. Den meisten Analysen zufolge liegt der Anteil nur noch bei unter 5 Prozent.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mit neuen Datenschutz-Werkzeugen will Firefox jetzt wieder Boden gut machen. „Wir lieben Privatsphäre“, sagt Firefox-Manager Dave Camp der F.A.Z. Er ist für die gesamte Entwicklung von Firefox-Produkten und -Plattformen zuständig. Man baue eine neue einzelne Anlaufstelle auf, die den Firefox-Nutzern einen Datenschutz-Überblick gebe. So veröffentlichte Mozilla am Dienstag ein neues „Track-the-Tracker-Feature“. Mithilfe sogenannter Tracker verfolgen Werbetreibende oder Social-Media-Unternehmen die Nutzer durch das Internet, um immer präzisere Profile der Nutzer zu erstellen und bessere Werbung anzuzeigen. Die neue Firefox-Funktion zeigt Nutzern nun, wer sie verfolgt hätte, hätte Firefox die Tracker nicht ohnehin schon geblockt.

          Werbebranche beklagt Einbußen

          „Die Leute brauchen Transparenz“, sagt Camp. Er will den Nutzern mehr Informationen über das Verfolgungsspiel im Internet geben: „Die Leute haben nur ein vages Verständnis davon, wie sie im Internet überwacht werden.“ Schon im Sommer hatte Firefox einen neuen Tracking-Blocker eingeführt. 450 Milliarden Versuche, Leute zu identifizieren, seien seitdem geblockt worden, sagt Camp und verweist auf weitere neue Firefox-Werkzeuge: Eines zeige Nutzern an, ob ihre Passwörter in großen Hacks oder Datenlecks enthalten waren, und ein anderes helfe beim Verwalten von Passwörtern.

          Die Werbebranche und Website-Betreiber beklagen Umsatzeinbußen infolge des Blockens der Tracker. Dadurch haben sie weniger Informationen über die Nutzer und können die Werbung nicht mehr so gut auf den Nutzer zuschneiden. Der Preis für die einzelnen Werbeplätze sinkt.

          Deutsche Betreiber kritisieren zudem, die Firefox-Maßnahmen würden vor allem Google neue Vorteile verschaffen, weil das Unternehmen seine Daten über seinen eigenen Browser sammle und von den Einschränkungen weniger betroffen sei. Die Maßnahmen von Firefox würden also die Marktposition von Google stärken. Allerdings kursieren in der Branche auch schon neue Ansätze, wie sich der Firefox-Schutz umgehen ließe.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wahl in Nordirland : Selbst die Grenze hat eine Stimme

          In Nordirland hilft nur noch Galgenhumor: Die britische Provinz fühlt sich von allen Seiten verkauft. Die bitterste Ironie ist die Zwickmühle, in die Boris Johnson die nordirischen Konservativen gebracht hat.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.