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Beliebte Alterungs-App : FBI soll „FaceApp“ untersuchen

  • -Aktualisiert am

Wladimir Putin in jung: Mit dem russischen Bildbearbeitungsprogramm „FaceApp“ können Menschen optisch jünger oder älter gemacht werden. Bild: dpa / Bearbeitung mit FaceApp

Die „FaceApp“ schafft mithilfe Künstlicher Intelligenz, dass Menschen älter oder jünger aussehen. Die russische Anwendung liegt voll im Trend – gerät jetzt aber wegen Bedenken zum Datenschutz unter politischen Druck.

          Eigentlich wollten sich ja immer alle jünger machen – die Stars, aber auch die „normalen“ Menschen. Mit Botox, mit teuren Cremes, durch das Retuschieren von Bildern. Aber das Motto „Young, Wild and Free“ ist von gestern. Stattdessen lautet der neue Trend: Graue Haare, Falten und Altersflecken; das gilt zumindest für die digitale Welt, seit die App „FaceApp“ auf dem Markt ist. Die Anwendung für das Smartphone schafft mithilfe Künstlicher Intelligenz das, was sonst Jahrzehnte dauert: Die Bildmanipulationssoftware bearbeitet Fotos und zeigt überraschend realistisch, wie ein Mensch in dreißig Jahren aussehen könnte oder wie er als Jugendlicher vermutlich mal aussah. 

          Obwohl sie schon zwei Jahre alt ist, erlebt die App gerade einen regelrechten Hype: Viele amerikanische Stars posten Fotos von sich mit grauen Haaren und Falten. Darunter die Sänger Sam Smith, Drake und auch die Jonas Brothers. Auch in Deutschland ist „FaceApp“ laut Applyzer derzeit die beliebteste kostenlose App – noch vor Whatsapp und Instagram.

          Es gibt nur ein Problem: Was mit den persönlichen Daten der Nutzer passiert, ist unklar. Der amerikanische Senator Chuck Schumer will „FaceApp“ mit Sitz im russischen Sankt Petersburg deshalb vom FBI untersuchen lassen. Der Demokrat befürchtet, dass die App Daten und Fotos von amerikanischen Bürgern abgreift und noch dazu ohne deren Zustimmung für andere Zwecke verwendet. In einem auf Twitter veröffentlichten Brief spricht er von einem „Risiko für die nationale Sicherheit“. Außerdem nennt er die Vorstellung, wonach eine „gegnerische Macht“ Zugriff auf persönliche Daten haben könnte, als „zutiefst beunruhigend“.

          Auch der deutsche Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber hat vor der Anwendung gewarnt. Es sei besorgniserregend, dass nur wenig darüber bekannt sei, wer hinter der App stecke, sagte er in der Radiosendung „SWR Aktuell“. Es bestehe Grund zur Sorge, „dass wichtige persönliche Daten in die falschen Hände geraten könnten“.

          Experten warnen vor „FaceApp“

          Bei „FaceApp“ werden die Bilder, wie es bei vielen Foto-Apps der Fall ist, nicht direkt auf dem Gerät verarbeitet. Stattdessen werden sie in eine Cloud hochgeladen – was dort mit den Daten passiert, ist unklar. Außerdem wird dem Unternehmen vorgeworfen, auch auf nicht hochgeladene Bilder auf dem Smartphone zuzugreifen.

          Hinter „FaceApp“ steckt die russische Firma Wireless Lab. Das Unternehmen hat sich zu den Vorwürfen in einer Stellungnahme geäußert: Zwar würden ausgewählte Fotos in einer Cloud gespeichert, aber nach 48 Stunden wieder gelöscht. Das solle nur verhindern, dass immer wieder die selben Fotos hochgeladen werden. Nicht ausgewählte Fotos würden nicht in der Cloud gespeichert. Die Server stehen laut der englischen Website Forbes außerdem nicht in Russland – so wie Senator Chuck Schumer befürchtete. Stattdessen würden sich die Server hauptsächlich in Amerika befinden.

          Mehrere Experten warnen dennoch davor, „FaceApp“ zu nutzen. Ein Blick in die Datenschutzrichtlinen zeigt, wieso: Dort wird, entgegen der Behauptung von „FaceApp“, von einem Datenfluss zu Dritten gesprochen. Dieser dient nicht nur der eigenen Serververbesserung, sondern auch dazu, dem Nutzer personalisierte Werbung anzuzeigen.

          Auf dem Gerät gelöschte Inhalte können weiterhin auf dem Server von „FaceApp“ gespeichert bleiben, außerdem wird die IP-Adresse des Nutzers erfasst. Was mit den gesammelten Daten passiert, ist in den Richtlinien dagegen nur schwammig formuliert. Das erinnert an den Datenschutzskandal von Facebook, der im Jahr 2018 öffentlich wurde: Mehrere Millionen Nutzerdaten waren an die britische Analysefirma Cambride Analytica weitergegeben worden, ohne, dass die Nutzer explizit darauf hingewiesen wurden.

          Neben den Unklarheiten im Datenschutz werden dem Unternehmen außerdem rassistische Absichten unterstellt. Denn die Nutzer können sich mit der App nicht nur älter machen, sondern auch ihre Aufnahmen mit Make-up, Brillen und Bärten aufpeppen oder das Geschlecht wechseln. Der sogenannte „Hotness-Filter“, der die Menschen schöner machen soll, macht die Haut auf den Aufnahmen automatisch weißer – und das auch bei Fotos von dunkelhäutigen Menschen. Der Gründer von „FaceApp“, Yaroslav Goncharov, nannte das einen „unglücklichen Nebeneffekt“, der nicht beabsichtigt gewesen sei. 

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