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Neue Fabrik : Batteriezellen aus Bitterfeld

Ab ins Solar Valley – das gilt jetzt jetzt auch für Farasis Energy. Bild: dpa

Der amerikanische Batteriezellenhersteller Farasis investiert in Sachsen-Anhalt 600 Millionen Euro. Er will bis zu 600 Arbeitsplätze schaffen – und spekuliert auf Fördergeld.

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          Die Doppelstadt Bitterfeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt stand noch vor wenigen Jahren für die hochfliegenden Pläne der deutschen Solarindustrie. Vor einem Jahrzehnt hatten sich im dortigen Industriegebiet namens Solar Valley eine Reihe von Unternehmen angesiedelt, die mit Photovoltaik-Technik ihr Geld verdienen wollten. Nach zahlreichen Insolvenzen ist die Zahl der Solarunternehmen in Bitterfeld-Wolfen allerdings stark geschrumpft und im Solar Valley ist reichlich Platz. In diese Lücke wird nun ein Vertreter einer Hoffnungsbranche von heute stoßen; es handelt sich um einen Produzenten von Elektroautobatterien aus Lithium-Ionen-Zellen.

          Wie das Wirtschaftsministerium in Sachsen-Anhalt am Mittwoch mitteilte, wird der amerikanische Batteriehersteller Farasis Energy eine Fertigung im Solar Valley aufbauen und auch seine Europazentrale nach Bitterfeld-Wolfen verlegen. In einer ersten Ausbaustufe wolle das Unternehmen 600 Millionen Euro am neuen Standort investieren, hieß es weiter. Bis zu 600 Arbeitsplätze könnten dadurch entstehen.

          Farasis Energy will in Sachsen-Anhalt Batteriezellen herstellen, die Zellen aber auch zu Modulen und kompletten Batteriesystemen zusammenbauen, um damit Autohersteller zu beliefern. Die Produktion soll im Jahr 2022 anlaufen, die Produktionskapazität dann schrittweise von sechs auf zehn Gigawattstunden im Jahr hochgefahren werden. Je nach Größe und Reichweite der tatsächlich hergestellten Elektroautobatterien reicht diese Kapazität, um etwa 100.000 Fahrzeuge mit Akkus zu bestücken.

          Global führend?

          Farasis Energy ist ein bisher recht unbekannter Name auf dem Spielfeld der globalen Batteriezellenhersteller. Den Markt dominieren asiatische Unternehmen, die schon seit Jahrzehnten Erfahrungen mit Lithium-Ionen-Batterien für die Unterhaltungselektronik sammeln konnten: LG Chem und Samsung SDI aus Südkorea, Panasonic aus Japan oder CATL aus China.

          Sebastian Wolf (l.), Geschäftsführer Farasis Energy Europe, und Maik Cordes (r.), Leiter Business Development Farasis Europe

          Im vergangenen Jahr hatte CATL angekündigt, am Erfurter Kreuz in Thüringen eine Zellfertigung aufzubauen und von dort vor allem den bayerischen Autokonzern BMW zu beliefern. Wer die Abnehmer der Batterien von Farasis Energy sein werden, ließ das Unternehmen am Mittwoch offen. Es hieß aber, dass man mit vielen großen Unternehmen aus der Autobranche in Gesprächen sei.

          Farasis wurde nach eigenen Angaben vor 17 Jahren in den Vereinigten Staaten gegründet und beschäftigt heute etwa 3500 Mitarbeiter rund um die Welt. Das Unternehmen sieht sich selbst als global führenden Batteriekonzern an, wie es in der Mitteilung von Mittwoch hieß.

          Millionenförderung

          Vertreter der Landesregierung in Sachsen-Anhalt zeigten sich am Mittwoch erfreut über die Neuansiedlung. „Für den Wirtschaftsstandort Sachsen-Anhalt ist die Standortentscheidung und beabsichtigte Großinvestition von Farasis ein besonders wichtiger Ansiedlungserfolg“, ließ sich Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) zitieren. Sein Bundesland entwickele sich damit zum Land der Zukunftstechnologien, sagte Willingmann.

          Die Ansiedlung von Farasis Energy wird nach Angaben der Landesregierung mit Steuergeld unterstützt. Wie ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums sagte, flössen in den nächsten Jahren 30 Millionen Euro aus dem Fördertopf für die „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW), den Bund und Länder zu gleichen Teilen finanzieren. Zudem will sich das Unternehmen um Fördermittel für hiesige Batteriezellfertigung bemühen, die Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) ausgelobt hat.

          Dem Vernehmen nach hofft Sachsen-Anhalt derweil darauf, dass es nicht bei der Erstinvestition von Farasis Energy bleibt. In einer späteren Phase könnte sich das Volumen auf bis zu eine Milliarde Euro erhöhen, hieß es am Mittwoch. Die Landesregierung habe Farasis Energy auch Perspektiven für eine künftige Erweiterung aufzeigen können, sagte Staatssekretär Jürgen Ude.

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