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Facebook und Datenunternehmen : Wie angeblich 50 Millionen Nutzerdaten missbraucht wurden

  • -Aktualisiert am

Cambridge Analytica hat Trump im Wahlkampf beraten. Stephen Bannon saß früher im Verwaltungsrat. Bild: dpa

Facebook hat seine Zusammenarbeit mit dem umstrittenen Softwarehaus Cambridge Analytica beendet. Diese Nachricht kann man unterschiedlich interpretieren. Eine gigantische Menge an Nutzerdaten soll Trump im Wahlkampf geholfen haben.

          Das britische Unternehmen Cambridge Analytica ist seit jeher umstritten. Es rühmt sich, Donald Trump mit der „Expertise und den Einsichten“ versorgt zu haben, die ihm geholfen hätten, die amerikanischen Präsidentschaftswahlen zu gewinnen. Durch die Analyse von „Millionen von Datenpunkten“ seien „die überzeugbarsten Wähler“ identifiziert worden, inklusive der Themen, die für diese Menschen von großer Bedeutung sind. Ihnen seien dann „gezielte Botschaften“ geschickt worden, um sie zum Handeln zu bewegen. All das sei viel schneller und billiger geschafft worden als von der Konkurrenz.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Wie auf FAZ.NET berichtet, hat Facebook seine Zusammenarbeit mit dem Haus am Freitagabend für beendet erklärt. Das heißt, es kann von nun an keine Anzeigen mehr schalten und auch keine eigenen Seiten mehr verwalten. Die Firma soll persönliche Daten von Nutzern gespeichert und möglicherweise auch genutzt haben, die es nicht hätte besitzen dürfen. Facebook erklärte selbst ausführlich, wie der Missbrauch durch Cambridge Analytica funktioniert haben soll. Doch jetzt gibt es widersprüchliche Aussagen darüber, wie dieser Missbrauch zu interpretieren ist.

          Ausgangspunkt ist Angaben von Facebook zufolge eine von einem Professor der Universität Cambridge, Aleksandr Kogan, entwickelte Software-Anwendung für Facebook namens „Thisisyourdigitallife“. Sie habe Nutzern Vorhersagen zu ihrer Persönlichkeit versprochen. Berichten der „New York Times“ und des britischen „Observer“ zufolge haben insgesamt 270.000 Mitglieder diese App heruntergeladen und damit dem Entwickler die Erlaubnis gegeben, sich Zugang zu ihren Informationen zu verschaffen, also etwa den „Likes“. Das alleine sei noch legitim gewesen. Dann aber habe der Professor die Daten an Cambridge Analytica und an eine Person namens Christopher Wylie von der Firma Eunoia Technologies weitergegeben, und das sei ein Verstoß gegen die eigenen Richtlinien gewesen.

          Was ist dran an den Datenlecks?

          Der „Observer“ berichtet, Wylie habe mit Kogan zusammengearbeitet, um dem sozialen Netzwerk eins auszuwischen: „Wir haben Facebook ausgebeutet, um Millionen von Nutzerprofilen zu bekommen. Und wir haben Modelle gebaut, um das zu benutzen, was wir über sie wussten. Und auf ihre inneren Dämonen gezielt. Das war die Basis, auf die die ganze Firma gestützt war.“ Den Berichten zufolge geht es um die Daten von 50 Millionen Nutzern. Das entspricht rund einem Viertel der wahlberechtigten Bevölkerung in den Vereinigten Staaten. Die Diskrepanz zu den 270.000 Mitgliedern, die die App heruntergeladen haben, hat den Berichten zufolge damit zu tun, dass auch Daten von Freunden dieser Nutzer weitergeleitet worden sein sollen.

          Wylie zufolge gehören die mehr als 50 Millionen Profile mehrheitlich zu registrierten amerikanischen Wählern und beinhalten Emails, Rechnungen, Verträge und Kontoverbindungen. Laut „Guardian“ hat Wylie in der Zeit für Cambridge Analytica gearbeitet und erst Ende 2014 verlassen, um Eunoia Technologies zu gründen.

          Facebook hingegen teilte daraufhin mit, die Berichte von dem Datenleck seien „komplett falsch“. „Jeder, der in die Datenweitergabe involviert war, hat sein Einverständnis gegeben. (...) Es wurden keine Systeme infiltriert, und keine Passwörter oder sensiblen Informationen gestohlen oder gehackt“, hieß es weiter. Auch Wylie wurde von Facebook verbannt. Cambridge Analytica bestritt am Wochenende, die übermittelten Facebook-Daten in irgendeiner Form für Trumps Kampagne genutzt zu haben. Das Unternehmen sagte außerdem, es habe alle Daten gelöscht, und widersprach damit der „New York Times“, die berichtet hatte, das Unternehmen sei noch im Besitz der meisten, wenn nicht sogar aller Daten.

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