https://www.faz.net/-gqe-9rf6j

Radikaler Schritt : Facebook sperrte Zehntausende Apps

Unter den Programmierern von Facebook-Apps tummeln sich auch undurchsichtige Gestalten. Bild: Reuters

Nach der Affäre um Datenschnüffelei durch Cambridge Analytica hat das soziale Netzwerk App-Entwickler unter die Lupe genommen. Und viel härter durchgegriffen als bisher bekannt war.

          2 Min.

          Im Zusammenhang mit der Aufarbeitung der Datenaffäre um das britische Unternehmen Cambridge Analytica hat Facebook Zehntausende von Anwendungen („Apps“) zumindest vorübergehend gesperrt. Diese Mitteilung des sozialen Netzwerks vom Freitag liegt weit über bisherigen Angaben. Im Mai 2018, wenige Monate nachdem bekannt geworden war, dass Cambridge Analytica auf regelwidrige Weise über eine Quiz-App an die Daten von 87 Millionen Facebook-Nutzern gekommen war, hatte das Unternehmen bekanntgegeben, 200 Apps gesperrt zu haben. Nach letzten Angaben im August 2018 waren es 400.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Das Sperren der Apps geht auf eine Untersuchung zurück, die Facebook im Zuge der Cambridge-Analytica-Affäre gestartet hat. Das Unternehmen nahm sich damals vor, alle Apps zu überprüfen, die Zugriff auf große Mengen von Daten hatten. Insgesamt sind nach Facebook-Angaben bislang Millionen von Apps untersucht worden, und daraus habe sich die Sperrung von Zehntausenden dieser Programme ergeben. Die betroffenen Apps seien von 400 verschiedenen Softwareentwicklern gekommen.

          Verschiedene Gründe für Sperrungen

          Facebook sagte, die Untersuchungen der Apps seien „in keiner Weise beendet“, das heißt es könnte zu weiteren Sperrungen kommen. Die Gründe für das Sperren waren nach Angaben des Unternehmens vielfältig, und die Apps hätten nicht zwangsläufig eine „Bedrohung“ dargestellt. Oft seien sie noch in der Testphase und noch nicht allgemein verfügbar gewesen, und in vielen Fällen seien Apps allein deshalb gesperrt worden, weil die Entwickler nicht auf Facebooks Anfrage nach Informationen reagiert hätten.

          F.A.Z. Digitec: jetzt testen!
          F.A.Z. Digitec: jetzt testen!

          Nehmen Sie die digitale Zukunft selbst in die Hand.

          Mehr erfahren

          In einigen Fälle seien Apps permanent gesperrt worden, zum Beispiel wenn sie Daten für die Öffentlichkeit verfügbar gemacht hätten, ohne die Identität von Nutzern zu schützen. Als Beispiel wurde die App „My Personality“ genannt, die Informationen ohne angemessene Schutzmechanismen an Forscher und Unternehmen weitergereicht habe. Ihre Entwickler hätten sich außerdem geweigert, an Facebooks Untersuchung teilzunehmen.

          Wenn notwendig, habe das Unternehmen auch Klage eingereicht. Zum Beispiel gegen Rankwave, einen koreanischen Spezialisten für Datenanalyse, der nicht mit Facebooks Ermittlungen kooperiert habe. Oder gegen die Unternehmen Lion Mobi und Jedi Mobi, die ihre Apps genutzt hätten, um die Smartphones von Nutzern mit Schadsoftware zu infizieren. Weiterhin habe Facebook zwei Männer aus der Ukraine verklagt, die sich mit Hilfe von Quiz-Apps Zugang zu Nutzerdaten verschafft hätten.

          Der Skandal um Cambridge Analytica hat Facebook im vergangenen Jahr noch mehr als ohnehin schon ins Visier von Politikern und Regulierern gebracht. Er war Anlass für Ermittlungen durch die Verbraucherschutzbehörde FTC, an deren Ende eine Geldstrafe von fünf Milliarden Dollar über das Unternehmen verhängt wurde. Vorstandsvorsitzender Mark Zuckerberg sah sich gezwungen, zu Anhörungen vor den amerikanischen Kongress zu treten. Erst in der vergangenen Woche war er wieder in Washington und hat sich dabei mit Präsident Donald Trump und anderen Politikern getroffen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Formel 1 in Brasilien : Ferrari flucht

          Verrücktes Finale beim Formel-1-Rennen in São Paulo: Die beiden Ferrari-Piloten schießen sich gegenseitig ab und scheiden nach der Kollision aus. Der Zoff der Stallrivalen bei der Scuderia eskaliert endgültig.
          Bleibt mehr Geld von der Betriebsrente?

          Betriebsrenten : Zusatzrente vom Chef

          Die Regierung macht Betriebsrenten attraktiver: Künftig werden weniger Krankenkassenbeiträge fällig. Vier Millionen Rentner dürfen sich freuen. Und was ist mit dem Rest?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.