https://www.faz.net/-gqe-9i5x6

Kritik am sozialen Netzwerk : So will Mark Zuckerberg Facebook retten

Facebook soll glücklich machen, nicht nur seinen Gründer Mark Zuckerberg. Bild: EPA

2018 war kein gutes Jahr für Facebook und Mark Zuckerberg. Jetzt schreibt der Facebook-Gründer, wie er sein soziales Netzwerk retten will: Mit weniger Videos und weniger Fake-Profilen. Vor allem aber: Facebook soll glücklich machen.

          Mark Zuckerberg hat ein schwieriges Jahr hinter sich: Die Datenskandale häuften sich, das Börsenjahr war enttäuschend und er selbst ist mehr als 20 Milliarden Dollar ärmer. Politiker aus verschiedenen Ländern fordern, Facebook zu löschen, zu zerschlagen und zu regulieren. Und viele Beobachter fragen sich, ob Facebook das Leben der Menschen überhaupt besser oder sie nicht eigentlich süchtig macht.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch Zuckerbergs Jahresrückblick auf seiner Facebook-Seite fällt weniger negativ aus – was nicht sonderlich überrascht: Schließlich ist es sein Job, sein Unternehmen zu verteidigen. Doch sein Statement ist mehr als positive PR. Es wirkt, als habe Zuckerberg verstanden, dass sein Unternehmen mit dem Rücken zur Wand steht. Es zeigt, auf welche Bereiche Facebook besonders Wert legt und wie das Unternehmen versucht, die Probleme in den Griff zu bekommen.

          Zuckerberg geht auf vier Ziele ein, die Facebook besser machen sollen. Er wolle erstens Wahlmanipulationen verhindern, zweitens sicherstellen, dass Hassrede und Falschinformation sich weniger verbreiten, den Nutzern drittens mehr Kontrolle über die eigenen Informationen geben und viertens dafür sorgen, dass es den Nutzern mit Facebook besser geht als ohne.

          Ein Jahr der Skandale

          Er stellt sich damit den verschiedenen Skandalen, die das Unternehmen 2018 erschütterten. Im April musste Zuckerberg vor dem amerikanischen Kongress aussagen. Es ging um den Datenskandal um das Unternehmen Cambridge Analytica und die Beeinflussung der amerikanischen Präsidentschaftswahlen 2016.

          Im Herbst häuften sich die Datenskandale, in denen es um Falschinformationen und Datenkontrolle geht. Eine Recherche der New York Times zeigte, wie Facebook mit fragwürdigen Methoden versuchte, sein Image aufzupolieren und das seiner Konkurrenten zu schwächen. Eine PR-Agentur veröffentlichte Artikel, die wie Nachrichten wirken sollten, und griff Facebook-Kritiker wie den Milliardär George Soros an. Kurz darauf wurde bekannt, dass mehr als 150 Unternehmen mehr Zugriff auf Nutzerdaten hatten, als bis dahin bekannt. Einige hätten sogar die Chatnachrichten einsehen können.

          Und das ganze Jahr über verfolgte Facebook der Vorwurf, dass die psychische Gesundheit seiner Nutzer leide, dass Facebook abhängig und die Nutzer einsam mache.

          Maßnahmen gegen Wahlmanipulation

          Zuckerberg schreibt nun, Facebook habe in jedem dieser Bereiche Maßnahmen ergriffen und Pläne entwickelt. Um Wahlmanipulation zu verhindern, lösche Facebook inzwischen jeden Tag Millionen von Fake-Profilen, arbeite überall auf der Welt mit professionellen Fakten-Überprüfern zusammen und habe eine unabhängige Wahlforschungs-Kommission eingerichtet.

          Zudem sei Facebook transparenter in Bezug auf die geschaltete Werbung. Gemeint ist unter anderem eine im Herbst veröffentlichte Datenbank, auf der Nutzer einsehen können, wer für Werbung bezahlt und welche Bevölkerungsgruppe adressiert wurde.

          Weniger Hassrede

          Gegen Hassrede und Falschinformationen hat Facebook laut Zuckerberg Systeme entwickelt, die mithilfe Künstlicher Intelligenz automatisch Inhalte und Posts identifizieren, die in Verbindung zu Terrorismus und Hassrede stehen. „99 Prozent der terroristischen Inhalte entfernen wir, bevor jemand die Inhalte gemeldet hat.“

          Der News Feed sei verbessert worden, um Nachrichten verlässlicher Quellen prominenter zu plazieren und grenzwertige Inhalte und Missinformation weniger zu verbreiten. Das Team, das die Inhalte sichtet, sei nun dreimal so groß. Wie groß genau das Team nun sei, schreibt er nicht. Insgesamt würden sich aber 30.000 Angestellte mit „Sicherheit“ beschäftigten. Was er darunter versteht, bleibt offen. Zudem Nutzer könnten sich Nutzer an ein unabhängiges Gremium wenden, wenn Facebook sich beispielsweise bei einer Entscheidung, Posts zu entfernen, geirrt habe.

          Um Nutzern mehr Kontrolle über ihre Informationen zu geben, hätten Entwickler von Facebook-Apps nun Zugang zu weniger Nutzerdaten. Man habe im Zuge der Einführung der europäischen Datenschutzgrundverordnung auf der ganzen Welt neue Kontrollen eingeführt und alle Nutzer aufgefordert, die Privatsphäre-Einstellungen zu überprüfen. Und die Chatdienste von Facebook seien nun besser verschlüsselt.

          Facebook soll glücklich machen

          Der vierte Punkt ist vielleicht sogar der wichtigste. Nicht wenige sind der Meinung, dass Facebook seine Nutzer süchtig mache und zu psychischen Erkrankungen führe. Schließlich hat Facebook ein Interesse daran, dass seine Nutzer viel Zeit in dem Sozialen Netzwerk verbringen. Das steigert die Werbeeinnahmen, die die Haupteinnahmequelle des Unternehmens sind.

          Zuckerberg schreibt nun, dass Facebook wissenschaftlich untersucht habe, wie man Facebook so nutzen könne, dass es das Leben tatsächlich besser mache. Mit anderen Menschen zu interagieren, steigere das Wohlbefinden der Nutzer. Wer Facebook allerdings nur nutze, um Inhalte zu konsumieren, erfahre diese positiven Effekte nicht.

          Deshalb habe das Unternehmen Maßnahmen ergriffen, die die soziale Interaktion steigerten: „Eine Veränderung, die wir eingeführt haben, verringerte die Zeit, in der Menschen virale Videos schauten, um 50 Millionen Stunden am Tag.“ Gemeint ist damit wohl, dass der Facebook-Algorithmus geändert wurde und diese Videos den Nutzern jetzt seltener angezeigt werden. Das habe dazu geführt, dass die Nutzer weniger Zeit auf Facebook verbringen, und damit auch die Einnahmen geschwächt. Langfristig werde das aber die Gemeinschaft stärken und damit auch das Geschäftsmodell von Facebook.

          Er schließt, wie es sich für eine solche Mitteilung gehört, mit einem positiven Blick auf das Unternehmen: 2 Milliarden Menschen würden jeden Tag einen der Facebook-Dienste nutzen, 1 Milliarde Dollar sei über Facebook für gemeinnützige Zwecke gesammelt worden und 1 Million Menschen hätten neue Jobs gefunden. 90 Millionen kleine Unternehmen nutzten Facebook-Dienste und die Hälfte der Unternehmen gebe an, dafür neue Leute eingestellt zu haben.

          Weitere Themen

          Pilotenheld kritisiert Boeing Video-Seite öffnen

          „Sully“ schlägt Alarm : Pilotenheld kritisiert Boeing

          Mehrere Piloten fordern den US-Flugzeugbauer Boeing auf, Piloten besser zu schulen, bevor die Flieger vom Unglückstyp 737 Max nach zwei Abstürzen mit hunderten Toten wieder fliegen dürfen. Die von Boeing angebotenen Schulungen reichten nicht aus, sagt unter anderem Chesley "Sully" Sullenberger. Er schrieb mit der geglückten Notlandung mit einem Airbus auf dem Hudson in New York 2009 Geschichte.

          Topmeldungen

          Klarer Favorit: Boris Johnson

          May-Nachfolge : Johnson tritt gegen Hunt in Stichwahl an

          Die letzten zwei Kandidaten um die Nachfolge Mays sind Boris Johnson und Jeremy Hunt. Nun müssen die Parteimitglieder der konservativen Partei in einer Stichwahl abstimmen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.