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Soziales Netzwerk : Facebook rechnet mit Milliardenstrafe

Weltweit vernetzt: Eine Facebook-App in der vietnamesischen Version. Bild: EPA

Datenschutzermittlungen der Verbraucherschutzbehörde FTC drücken den Gewinn des sozialen Netzwerks. Trotzdem macht das Unternehmen einen Milliardengewinn.

          Das soziale Netzwerk Facebook stellt sich auf eine hohe Geldstrafe der amerikanischen Verbraucherschutzbehörde FTC wegen seiner Datenschutzpraktiken ein. Wie das Unternehmen am Mittwoch bei der Vorlage seines Quartalsberichts mitteilte, erwartet es im Zuge dieser Ermittlungen einen Aufwand zwischen 3 Milliarden und 5 Milliarden Dollar. Facebook nannte die Angelegenheit „ungelöst“, hat aber jetzt für das erste Quartal dennoch einen Aufwand von 3 Milliarden Dollar verbucht. Das Unternehmen sagte, es habe im Einklang mit Bilanzierungsrichtlinien das untere Ende der erwarteten Spanne angesetzt. Dieser Posten hat dafür gesorgt, dass der Nettogewinn des Unternehmens im Vergleich zum Vorjahr um 51 Prozent auf 2,4 Milliarden Dollar gefallen ist.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die FTC hat ihre Ermittlungen aufgenommen, nachdem vor etwas mehr als einem Jahr bekannt wurde, dass das britische Unternehmen Cambridge Analytica auf unzulässige Weise an die Daten von Millionen von Facebook-Mitgliedern herangekommen war. Seither gab es noch weitere Datenschutzkontroversen, die ebenfalls Teil der Ermittlungen wurden. Die zentrale Frage ist es hierbei, ob Facebook gegen einen 2011 geschlossenen Vergleich mit der Behörde verstoßen hat. Im Rahmen dieses Abkommens hat das Unternehmen unter anderem zugestimmt, künftig die ausdrückliche Einwilligung von Nutzern einzuholen, wenn deren Daten über bestehende Privatsphäreeinstellungen hinaus weitergegeben werden.

          Bisherige Rekordstrafe musste Google zahlen

          Amerikanische Medien hatten in den vergangenen Wochen schon gemeldet, dass es bald einen Vergleich zwischen Facebook und der FTC geben könnte, der eine Milliardenstrafe beinhaltet. Wenn es soweit kommt, wäre es die mit Abstand höchste Strafe, die von der Behörde jemals in einem Fall um Datenschutzfragen verhängt wurde. Der bisherige Rekordhalter betraf den Internetkonzern Google, dem 2012 eine Geldstrafe von 22,5 Millionen Dollar auferlegt wurde.

          Facebook stellte die potentielle FTC-Strafe bei der Vorlage der Zahlen aber in den Hintergrund. Vorstandsvorsitzender Mark Zuckerberg erwähnte sie in einer Telefonkonferenz gar nicht, lediglich Finanzvorstand David Wehner sprach sie an. Auch die Finanzmärkte zeigten sich alles andere als geschockt und konzentrierten sich offenbar darauf, dass die Zahlen jenseits der möglichen FTC-Strafe besser ausfielen als erwartet. Der Aktienkurs notierte im nachbörslichen Handel zeitweise mehr als neun Prozent im Plus.

          Gewinn steigt

          Der Umsatz von Facebook stieg im vergangenen Quartal um 26 Prozent auf 15,1 Milliarden Dollar, Analysten hatten im Schnitt mit 15,0 Milliarden Dollar gerechnet. Der um den FTC-Effekt bereinigte Gewinn je Aktie war ebenfalls als höher als erwartet. Bei den Nutzerzahlen war das Bild gemischt. In Europa wuchs die Zahl der täglichen Nutzer in den abgelaufenen drei Monaten um vier Millionen auf 286 Millionen. Hier waren die Nutzerzahlen im vergangenen Jahr zeitweise rückläufig. In Nordamerika stagnierten diese Kennziffer dagegen diesmal bei 186 Millionen.

          Die Nutzerzahlen von Facebook werden aufmerksam verfolgt, zumal die vielen Datenschutzaffären die Frage aufwerfen, ob sich Menschen von dem sozialen Netzwerk abwenden. Bislang scheint dies zumindest nicht in großer Zahl zu geschehen.

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          Zuckerberg konzentrierte sich in seinen Ausführungen auf die kürzlich von ihm angekündigte Neuausrichtung von Facebooks verschiedenen Plattformen, wozu auch die Kurzmitteilungsdienste Whatsapp und Messenger sowie die Foto-App Instagram gehören. Dabei soll Privatsphäre stärker in den Mittelpunkt gerückt werden, zum Beispiel in Form von Verschlüsselung und einem stärkeren Gewicht auf vergänglicher Kommunikation, also Einträgen, die nicht auf Dauer zu sehen sind, sondern nur für begrenzte Zeit.

          Der Facebook-Chef positioniert sich in jüngster Zeit auch als Anhänger verstärkter Regulierung und tat das auch am Mittwoch: „Ich verstehe, dass jede Regulierung unserem Geschäft schaden kann, aber ich halte das für Notwendigkeit.“ Weiter sagte er, er fände es positiv, wenn mehr Länder dem Beispiel der im vergangenen Jahr in Europa in Kraft getretenen Datenschutzgrundverordnung folgen würden.

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