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Russischer Chatdienst : Facebook-Panne beschert Telegram drei Millionen neue Nutzer

  • -Aktualisiert am

Der Nachrichtendienst Telegram hat weltweit über 200 Millionen Nutzer. Zuletzt war er in mehreren Ländern unter Druck geraten. Bild: EPA

Telegram profitiert von der Panne des Konkurrenten Facebook. Der russische Chatdienst weiß die Aufmerksamkeit für sich zu nutzen. Er lebt vom Reiz des Verbotenen.

          Telegram-Gründer Pawel Durow hat stolz die Wachstumszahlen seines Chatdienstes der vergangenen 24 Stunden veröffentlicht. Laut Durow haben sich auf der ganzen Welt mehr als drei Millionen neue Nutzer angemeldet. Grund für die hohe Zahl der Neuanmeldungen waren Probleme bei den Nachrichtenfunktionen von Facebook und Instagram. Nutzer in verschiedenen Ländern (darunter auch Deutschland) klagten am Mittwochabend über Anmeldeschwierigkeiten und andere Fehler.

          Dass Probleme bei anderen Chatdiensten zu einem Ausweicheffekt führen, ist ein normales Muster. Durow nutzte das hohe Tageswachstum dazu, weiter die Werbetrommel für Telegram zu rühren. Der Dienst verfügt auf der ganzen Welt über 200 Millionen aktive Nutzer und liegt damit weit hinter Konkurrenten wie Whatsapp zurück. Der Gründer begrüßte die neuen Nutzer und erklärte, dass nur seine App wahre Privatsphäre biete und dass man noch „unbegrenzten Raum für alle“ nach oben habe.

          Der Reiz des Verbotenen

          Pawel Durow kann derzeit gute Nachrichten gebrauchen. Sein Chatdienst ist in Russland, China und im Iran unter Druck. Im vergangenen April wurde der Dienst in Russland gar durch einen Gerichtsbeschluss blockiert. Seither liefert sich Durow mit den russischen Behörden ein Katz-und-Maus-Spiel und wechselt immer wieder die Server. Diese Taktik hat schon mehrere andere Online-Dienste lahmgelegt.

          Trotz des Streits mit den Behörden funktioniert Telegram in Russland weiter. Grund für den Streit ist die Weigerung Durows, Verschlüsselungscodes und Benutzerinformationen an die Behörden weiterzugeben.

          Das Verbot hat Telegram in Russland erst richtig bekannt gemacht und einen großen Nutzerzuwachs beschert. Getragen wurde dieser Zuwachs laut Analysten „vom Reiz des Verbotenen“. Seit der Dienst aus den Schlagzeilen verschwunden ist, hat sich das Nutzerwachstum wieder etwas abgeflacht. Da kommt Durow der neuste Versuch der russischen Regierung, die Freiheit im Internet weiter einzuschränken, gerade recht.

          Tausende Menschen gingen an diesem Wochenende in Moskau und anderen russischen Städten auf die Straße, um gegen die wachsende Internet-Zensur zu protestieren. Zu den Protesten hatte auch Durow aufgerufen. Diese Aufmerksamkeit versucht der Telegramgründer weiter zu nutzen, denn wenn Durow eines weiß, dann ist es, wie man Werbung für sich selbst macht.

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