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„Mächtiges Monopol“ : Mitgründer fordert Facebook-Zerschlagung

Chris Hughes will Facebook zerschlagen. Bild: Reuters

Ursprünglich war Facebook ein Gemeinschaftsprojekt. Chris Hughes war einer der Mitgründer und fordert jetzt eine Zerschlagung des Internetkonzerns. Die Macht von Facebook-Chef Zuckerberg sei „beispiellos und unamerikanisch“.

          Mark Zuckerberg ist heute die alles überragende Figur von Facebook, aber er hat das soziale Netzwerk nicht alleine gegründet. Das 2004 entstandene Unternehmen war ursprünglich ein Gemeinschaftsprojekt von Zuckerberg und einigen seiner Kommilitonen an der Elite-Universität in Harvard. Alle Mitgründer haben das Unternehmen allerdings längst verlassen, und Zuckerberg beherrscht heute das Geschehen als Vorstandsvorsitzender und Chef des Verwaltungsrats. Er kontrolliert auch eine Mehrheit der Stimmrechte.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Nun hat sich Chris Hughes, einer von Zuckerbergs Mitgründern zu Wort gemeldet und damit die öffentliche Diskussion um die Macht von Facebook weiter befeuert. In einem langen und äußerst kritischen Gastbeitrag für die „New York Times“ forderte er eine Zerschlagung des Unternehmens, ebenso wie es kürzlich schon die Senatorin Elizabeth Warren tat. Hughes nennt Facebook in dem Beitrag ein „mächtiges Monopol“ und sagt, Zuckerbergs Macht sei „beispiellos und unamerikanisch“.

          Nach seiner Vorstellung sollen die amerikanischen Kartellbehörden im Nachhinein die Übernahmen des Kurzmitteilungsdienstes Whatsapp und der Fotoplattform Instagram untersagen und deren Abspaltung von Facebook erzwingen. Dem Unternehmen solle zudem ein mehrjähriges Akquisitionsverbot auferlegt werden. Zudem solle die amerikanische Regierung eine neue Behörde ins Leben rufen, die für die Regulierung von Technologieunternehmen zuständig ist.

          Eine „gute, freundliche Person“

          Hughes rief die Kartellbehörden zum schnellen Handeln auf und wies auf die Bemühungen von Facebook hin, seine verschiedenen Dienste stärker zu integrieren, was eine Aufspaltung erschweren würde. Er mutmaßt außerdem, Zuckerberg gebe sich nur deshalb in jüngster Zeit als Befürworter einer stärkeren Regulierung seiner Branche, weil er damit noch aggressivere Manöver wie etwa eine Zerschlagung verhindern wolle.

          Hughes nennt Zuckerberg in dem Beitrag eine „gute, freundliche Person“, sagt aber auch, der Facebook-Chef habe von Anfang an „ohne einen Anflug von Ironie oder Bescheidenheit“ das Wort „Vormachtstellung“ benutzt, um die Ambitionen des Unternehmens zu beschreiben. „Die Strategie des Unternehmens sei es gewesen, jeden Wettbewerber in Sichtweite zu schlagen, und Regulierer hätten das stillschweigend und manchmal auch ausdrücklich gebilligt.

          Facebook habe zudem Wettbewerber durch Kopieren von deren Produkten geschwächt. Hughes verweist auf die „Stories“-Funktionen, die Inhalte in sozialen Netzwerken nur vorübergehend anzeigen und die Facebook von Snapchat übernommen hat. Heute hätten Internetnutzer keine wirklichen Alternativen zu Facebooks Diensten. Dies habe der Skandal um die missbräuchliche Verwertung von Facebook-Daten durch das britische Unternehmen Cambridge Analytica im vergangenen Jahr gezeigt. Trotz Boykottaufrufen hätten Nutzer die Plattformen des Unternehmens am Ende nicht in großer Zahl verlassen. „Wohin hätten sie auch gehen sollen?“

          Facebook reagierte am Donnerstag auf die Attacke seines Mitgründers und wies dessen Forderung zurück. In einer Stellungnahme hieß es: „Facebook akzeptiert, dass Erfolg Verantwortung mit sich bringt. Aber man erzwingt Verantwortung nicht, indem man die Zerschlagung eines erfolgreiches amerikanischen Unternehmens verlangt.“ Vielmehr seien dazu neue Regeln für das Internet notwendig – und genau diese fordere Mark Zuckerberg ja auch.

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