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Internes Memo : Facebook-Programmierer beschwert sich über angeblich „linksgerichtete Ideologie“

  • Aktualisiert am

Wie tolerant geht es innerhalb von Facebook zu? Bild: AP

Erst Anfang des Jahres verklagte ein Entwickler Google wegen angeblicher Diskriminierung weißer Männer. Jetzt entwickelt sich bei Facebook eine ähnliche Debatte.

          Nach Google sieht sich der nächste große amerikanische Tech-Konzern einer Debatte ausgesetzt, wie tolerant es bei ihm intern zugeht. Ausgelöst hat die Debatte ein Programmierer namens Brian Amerige. In der vergangenen Woche veröffentlichte er ein Memo in einem internen Portal, das mit „Wir haben ein Problem mit politischer Diversität“ überschrieben ist. Das wiederum sorgte auch außerhalb des Unternehmens für großen Wirbel, nachdem die „New York Times“ das Memo öffentlich machte.

          Darin schreibt Amerige, im Unternehmen würde alles, das „linksgerichteter Ideologie“ widerspreche, schnell attackiert, „oft in Mobs“. „Wir machen das so permanent, dass Mitarbeiter Angst haben, etwas zu sagen, wenn sie nicht mit dem übereinstimmen, was politisch um sie herum zugeht.“ Trump-Fanposter würden entfernt, anders denkende Leute würden schnell gefeuert. Auch an Peter Thiel gebe es immer wieder Kritik. Der deutsche Star-Investor sitzt im Verwaltungsrat von Facebook und ist bekennender Trump-Anhänger. Facebook-Chef Mark Zuckerberg und seine zweite Hand Sheryl Sandberg hingegen haben in der Vergangenheit demokratische Politiker unterstützt.

          Nach Darstellung von Amerige wirkt sich dieses Klima auch in den Produkten aus. Von Facebook und anderen Unternehmen werde erwartet, „unparteiisch und transparent“ zu sein. Weder der Kongress noch der Präsident meinten aber, dass sie dies könnten, und die Kritik sei verdient.

          Amerige sagte, er rufe eine Gruppe für politische Vielfalt ins Leben, um „ohne Angst vor dem Mob“ diskutieren zu können. Ziel sei es, Facebook „toleranter und aufgeschlossener gegenüber anderen politischen und ideologischen Perspektiven“ zu machen. Auf Facebook hat die entsprechende Gruppe inzwischen mehr als 1000 Mitglieder. Angaben der New York Times zufolge arbeitet Amerige seit 2012 bei Facebook.

          Eine ähnliche Debatte spielte sich unlängst bei Google ab. Hier sorgte James Damore, ein Softwareentwickler, mit einem Pamphlet für Aufregung, in dem er eine linksliberale Einheitsmeinung im Unternehmen beklagte. Auch der amerikanische Präsident Donald Trump attackiert die Digitalkonzerne immer wieder. Erst am Mittwoch warf er Google vor, das Unternehmen würde die Suchergebnisse zu seinen Ungunsten manipulieren.

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