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Neuheiten vorgestellt : Facebook will bei der Partnersuche behilflich sein

Wieder in seinem Element: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg Bild: dpa

Das jährliche Facebook-Treffen mit Softwareentwicklern wird diesmal von der Datenaffäre überschattet. Aber Mark Zuckerberg blickt nach vorn – und hat einige überraschende Neuheiten zu bieten.

          Mark Zuckerberg hat in diesen Tagen viele öffentliche Auftritte, und das Publikum ist dabei sehr unterschiedlich. Vor wenigen Wochen war der Vorstandsvorsitzende von Facebook zu mehreren Anhörungen vor dem Kongress in Washington geladen und nahm zu der Affäre um den Missbrauch der Daten von Nutzern des sozialen Netzwerks Stellung. In der vergangenen Woche präsentierte er Analysten gute Quartalsergebnisse und unterstrich damit, dass die Negativschlagzeilen zumindest bislang noch keine tiefen Spuren im Geschäft hinterlassen haben. Am Dienstag stand Zuckerberg vor einer ganz anderen Zuhörerschaft: Im kalifornischen San Jose begann die „F8“, Facebooks Konferenz für Softwareentwickler und üblicherweise eine der wichtigsten Veranstaltungen des Jahres für das Unternehmen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Zuckerberg lieferte einen selbstbewussten Auftritt ab. Er gab zwar wie so oft in den vergangenen Wochen Fehler zu und spielte auch gleich zu Beginn auf die jüngsten Turbulenzen an, indem er sagte: „Das war ein intensives Jahr. Ich kann gar nicht glauben, dass wir erst vier Monate hinter uns haben.“ Aber er richtete den Blick auch klar nach vorn und sagte, Facebook müsse sein „Gefühl des Optimismus“ behalten und habe eine Verantwortung, sich „vorwärtszubewegen“.

          Der Facebook-Chef hatte eine Reihe von Neuigkeiten zu verkünden, und manche von ihnen standen in Zusammenhang mit der Datenaffäre. Beispielsweise sollen Nutzer mit einer neuen Löschfunktion mehr Kontrolle über die von Facebook gesammelten Daten bekommen. Das soziale Netzwerk will es ihnen ermöglichen, Informationen über von ihnen besuchte Internetseiten einzusehen und von ihren Konten zu löschen. Es soll eine Art „Verlauf löschen“-Funktion sein, wie es sie auch bei Internetzugangsprogrammen („Browsern“) gibt.

          Facebook sammelt Informationen über Aktivitäten auf anderen Seiten zusätzlich zu den Daten in seinem eigenen Dienst und verwendet sie bei der Auswahl von Anzeigen für die Nutzer. Facebook-Mitglieder sollen künftig auch bestimmen dürfen, dass das soziale Netzwerk diese Daten nicht mehr in Verbindung mit ihrem Konto speichert. Zuckerberg brachte diese Neuerungen in einem Blogeintrag mit seinen Anhörungen in Washington in Verbindung. „Eine Sache, die ich von meiner Erfahrung bei der Aussage im Kongress gelernt habe, ist, dass ich keine ausreichend klaren Antworten auf einige der Fragen über Daten hatte.“

          Einstieg ins Partnervermittlungsgeschäft

          Überraschend kündigte Zuckerberg in San Jose auch den Start einer Dating-Plattform an, mit der sich Facebook erstmals ins Partnervermittlungsgeschäft wagt. Diese Nachricht sorgte an der Börse für erhebliche Bewegung. Die Aktie der Match Group, zu der eine Reihe von Online-Partnervermittlungsdiensten wie Tinder oder OK Cupid gehören, verlor zeitweise mehr als 20 Prozent an Wert, der Kurs der Interactive Corp., die Mehrheitseigentümerin von Match ist, sank um mehr als 13 Prozent. Zuckerberg sagte, das neue Dating-Angebot sei für langfristige Beziehungen und nicht für flüchtige Bekanntschaften gedacht, und es sei mit Blick auf den Schutz von Privatsphäre konzipiert worden. Bei dem Dienst können Nutzer ein von ihrem Facebook-Profil getrenntes Dating-Profil einrichten, und was sie hier tun, soll vor ihren Facebook-Freunden verborgen bleiben. Zuckerberg sagte, der Dienst werde Nutzern nur Dating-Kandidaten vorschlagen, mit denen sie nicht auf Facebook befreundet sind.

          Neben der Dating-Plattform hatte Facebook noch einige andere Produktneuheiten. Beispielsweise wurde angekündigt, dass die neue Computerbrille Oculus Go, die das Eintauchen in virtuelle Welten („Virtual Reality“) erlaubt, von nun an global verfügbar sein wird, der Preis soll in Deutschland bei 219 Euro liegen. Außerdem wurden neue Funktionen für verschiedene andere zu Facebook gehörende Dienste vorgestellt, etwa Video-Chats für die Foto-App Instagram.

          Von Datenaffäre überschattet

          Die „F8“ wird diesmal von der Datenaffäre überschattet. Die Enthüllungen sind zu einer Belastungsprobe für das Verhältnis zwischen Facebook und den Entwicklern geworden, die ihre Anwendungen („Apps“) mit dem sozialen Netzwerk verknüpfen. Bei dem Datenskandal spielte ein App-Entwickler eine zentrale Rolle. Ein von ihm geschaffenes Persönlichkeits-Quiz auf Facebook schöpfte vor einigen Jahren die Daten seiner Nutzer und deren Freunde ab, und diese Informationen wurden dann an das britische Datenanalyseunternehmen Cambridge Analytica weitergeleitet. Insgesamt 87 Millionen Facebook-Nutzer waren betroffen.

          Die Affäre hat Facebook dazu veranlasst, den Zugang von Softwareentwicklern zu Nutzerdaten erheblich einzuschränken. Beispielsweise sollen sie nicht mehr an Daten von Facebook-Mitgliedern herankommen, die ihre App drei Monate oder länger nicht mehr genutzt haben. Facebook will auch den Umfang der Informationen reduzieren, den Nutzer preisgeben, wenn sie sich bei einer App anmelden. Die neuen Restriktionen haben für einige Unsicherheit in der Entwicklergemeinde gesorgt, und Facebook hat dies sogar in seinem bei der Börsenaufsicht SEC eingereichten Quartalsbericht unter den Risikofaktoren für sein Geschäft thematisiert. Die Schritte des Unternehmens hätten in einigen Fällen das Verhältnis des Unternehmens zu seinen Entwicklern negativ beeinflusst oder würden dies noch tun, hieß es hier. Das wiederum könne sich auch negativ auf das Nutzerwachstum und die Geschäftsergebnisse auswirken. Zuckerberg gab am Dienstag zu: „Ich weiß, es war in den vergangenen paar Monaten nicht leicht, ein Softwareentwickler zu sein, und das ist wahrscheinlich eine Untertreibung.“

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