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Facebook-Kommentar : Von wegen naiv

Mark allein zu Haus: Die Naivität ist Zuckerberg nicht abzunehmen. Bild: AP

Die Recherchen über eine Schmähkampagne von Facebook zeigen, dass das Soziale Netzwerk von jeher mit harten Bandagen kämpft. Die Naivität, die Mark Zuckerberg in Anhörungen zeigt, ist ihm nicht abzunehmen.

          Als Mark Zuckerberg in diesem Frühjahr vor dem amerikanischen Kongress aussagte, gab er sich unbedarft. „Facebook ist ein idealistisches und optimistisches Unternehmen“, sagte er über das von ihm geführte soziale Netzwerk. Facebook habe sich als Vehikel für das Gute verstanden und dabei lange nicht im Blick gehabt, dass seine Instrumente auch genutzt werden können, um Schaden anzurichten, ob mit politisch motivierter Manipulation oder Hasskommentaren.

          Es fiel schon damals schwer, Zuckerberg dieses Bild des blauäugigen Weltverbesserers abzunehmen, und nach einem jetzt veröffentlichten Zeitungsbericht über das Krisenmanagement von Facebook wirkt es noch weniger plausibel. Um seinen von einer Serie von Affären ramponierten Ruf aufzupolieren, soll sich das Unternehmen sehr aggressiver Taktiken bedient haben.

          Von ihm angeheuerte Berater sollen Schmähkampagnen gegen Kritiker und Konkurrenten angezettelt haben, um sich selbst in ein besseres Licht zu rücken. Es wäre auch nicht das erste Mal, denn vor einigen Jahren versuchte Facebook schon einmal mit ähnlichen Methoden, den Rivalen Google in Verruf zu bringen.

          Facebook hat von jeher mit sehr harten Bandagen gekämpft. Weshalb es mit großer Vorsicht zu genießen ist, wenn Zuckerberg Naivität für sich und Facebook reklamiert.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

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