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Klage gegen Fake-Profilhändler : Tausend Follower für ein paar Dollar

  • -Aktualisiert am

Das soziale Netzwerk Instagram wird von kommerziellen Fake-Profilhändlern missbraucht. Bild: dpa

Die sozialen Netzwerke kämpfen gegen die Verbreitung von Fake-Profilen. Facebook verklagt dazu jetzt kommerzielle Profilhändler und Twitters Löschaktionen haben sogar schon Donald Trump auf den Plan gerufen.

          Facebook hat heute rechtliche Schritte gegen das neuseeländische Unternehmen Social Media Series Limited angekündigt. Das soziale Netzwerk wirft dem Unternehmen vor, Follower-Profile auf dem sozialem Netzwerk Instagram zu verkaufen. Instagram gehört seit 2012 zu Facebook. Der Verkauf von solchen Fake-Profilen verstößt gegen Instagrams Geschäftsbedingungen. Facebook sagt, es habe das Unternehmen mehrmals gewarnt, dieses habe aber sein Verhalten nicht geändert. Man wolle damit „eine Nachricht senden, dass diese Art von betrügerischem Verhalten nicht toleriert“ werde.

          Es ist nicht Facebooks erster härterer Schritt gegen nicht authentische Inhalte. Schon im März hatte der Konzern vier Unternehmen und drei Personen aus China verklagt, die Fake-Accounts, -Likes und -Follower auf Facebook und Instagram verkauft haben sollen. Die Klagen wurden, wie jetzt auch die gegen Social Media Series, vor einem amerikanischen Gericht eingereicht. Facebook wirft den Beklagten vor, gegen die Nutzungsbedingungen der sozialen Netzwerke zu verstoßen sowie Facebooks Markenrechte auf ihren eigenen Webseiten zu verletzen. Sie hatten unter anderem für ihre Dienstleistungen Werbung auf den sozialen Netzwerken geschaltet.

          Instagram hatte zwar im November die Anbieter solcher Geschäftsmodelle von seiner Plattform verbannt. Die Technologiewebseite „Techcrunch“ fand aber noch im März zahlreiche Fälle von Werbung für deren Angebote. Instagram nahm also noch vor kurzem Werbeeinnahmen von Unternehmen an, die explizit gegen die Nutzungsbedingungen verstießen.

          Gefälschte Interaktionen für wenig Geld zu haben

          Teilweise verkaufen solche Profilhändler direkt Fake-Profile, die dem Kunden dann folgen. Dadurch lässt sich zwar die Zahl der Follower künstlich aufstocken, es entsteht aber keine echte größere Reichweite. Auch das kann trotzdem schon wertvoll sein, weil ein Konto mit großer Follower-Zahl für andere eine größere Legitimität und Glaubwürdigkeit ausstrahlt. Und: Auf Instagram erhalten Nutzer mit mehr als 10.000 Followern Zugriff auf eine begehrte Funktion. Diese können in ihre Beiträge in Instagrams „Stories“ Angebotlinks zu externen Webseiten einbauen. Das ist gerade für kommerzielle Nutzer, die Geld über die Werbung für Produkte verdienen, sehr wichtig. Gefälschte Interaktionen sind für wenig Geld zu haben: Nach einer „Wired“-Recherche kosteten 1000 Follower auf Instagram im November 1,80 Dollar. Die Werbedeals der Influencer bringen ihnen hingegen oft hohe Summen ein. Und die Reichweite ist entscheidend für den Marktwert.

          Oftmals gehen die Profil-Händler aber auch anders vor: Sie erhalten die Login-Daten des Kunden und senden von dessen Profil aus massenhaft Follower-Anfragen, verbreiten kopierte Inhalte, liken die Beiträge anderer Nutzer und sorgen so dafür, dass diese auf das Profil aufmerksam werden und eventuell diesem zurückfolgen. So kann der Kunde seine Reichweite unter echten Nutzern erhöhen. Die Übergabe der Login-Daten ist an sich schon ein Verstoß gegen Instagrams Nutzungsrichtlinien und ein Sicherheitsrisiko.

          Mehr als 1,5 Milliarden gefälschte Konten

          Facebook hatte im vergangenen Jahr erstmals Zahlen zu der Löschung von Fake-Profilen auf seinem Haupt-Netzwerk veröffentlicht. Das Unternehmen schätzt, dass im zweiten und dritten Quartal 2018 gefälschte Konten 3 bis 4 Prozent der aktiven Facebook-Nutzer ausmachten. In dem untersuchten Zeitraum wurden mehr als 1,5 Milliarden gefälschte Konten von Facebook gelöscht. Die meisten dieser Profile, so das Unternehmen, seien „im Zusammenhang mit kommerziell motivierten Spam-Attacken erstellt“ worden.

          Auch Twitter hat mit der Verbreitung von Fake-Profilen zu kämpfen. Das Thema dominierte das Treffen von Twitter-Chef Jack Dorsey mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump am Dienstag. Trump machte dabei seinem Ärger Luft, dass seine Follower-Zahl auf dem sozialen Netzwerk aus für ihn unerklärlichen Gründen gesunken sei. Andere Konservative hätten ihm ebenfalls von Follower-Verlusten berichtet. Daraus schloss Trump, dass Twitter absichtlich die Reichweite konservativer Politiker beschränke. Dorsey widersprach: Die Zahlen fluktuierten, weil Twitter gegen Spammer und Fake-Profile vorgehe und deren Konten lösche.

          Twitter hatte mit der umfassenden Löschung regelwidriger Accounts im vergangenen Juli begonnen. Innerhalb weniger Tage verlor Donald Trump damals 200.000 seiner 53 Millionen Follower. Doch auch demokratische Politiker waren betroffen: Der ehemalige Präsident Obama verlor sogar 2 Millionen seiner 104 Millionen Follower.

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