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Facebook : So erfahren Sie, ob auch Sie von der Datenaffäre betroffen sind

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Jeder Facebook-Nutzer bekommt eine Benachrichtigung, wie persönliche Daten besser geschützt werden können. Bild: AP

Facebook hat einen Link veröffentlicht über den Nutzer feststellen können, ob auch ihre Daten von Cambridge Analytica missbraucht worden sind. Es gibt schon erste Reaktionen.

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          Am Dienstagabend deutscher Zeit muss Facebook-Chef Mark Zuckerberg vor dem amerikanischen Kongress Rede und Antwort zu der Datenaffäre seines sozialen Netzwerks stehen. Während sich Zuckerberg noch auf die Anhörung vorbereitet, informiert Facebook seit Anfang der Woche die 87 Millionen Nutzer, deren Daten über eine Umfrage-App unrechtmäßig in den Besitz der Politikberatungsfirma Cambridge Analytica (CA) gekommen waren.

          Über einen Link können Nutzer herausfinden, ob ihre persönlichen Daten über das Datenleck bei Facebook in die Hände von CA gelangt sind. Die Datenanalyse-Firma hatte später unter anderem für das Wahlkampfteam von Präsident Donald Trump gearbeitet. Dabei ging es nicht nur um die Daten der Umfrage-Teilnehmer, sondern auch um die ihrer Facebook-Freunde. Mehr als 70 Millionen Amerikaner sollen betroffen sein, in Deutschland ist von 310.000 Menschen die Rede.

          Zusätzlich zu den direkt in den Skandal verwickelten Profilen sollen auch die restlichen rund zwei Milliarden Facebook-Nutzer eine Benachrichtigung erhalten, wie sie ihre persönlichen Informationen besser schützen können. Facebook wusste seit Ende 2015 von dem Datenmissbrauch, verließ sich aber auf die Zusicherung, dass die Daten vernichtet worden seien und informierte die Nutzer damals nicht. Inzwischen hat das Online-Netzwerk zwei weitere Unternehmen von der Seite suspendiert. Ihnen wird ebenfalls Datenmissbrauch vorgeworfen.

          „Im Internet ist man ein Produkt“

          Die New York Times hat indes schon mit einigen von dem CA-Fall betroffenen Amerikanern gesprochen. Die Reaktionen reichten von Überraschung bis Verärgerung. „Ich habe mich damit abgefunden, dass man im Internet ein Produkt ist“, sagte ein Nutzer aus Florida. „Wenn du dich für irgendetwas anmeldest und es nicht sofort eindeutig ist, wie sie Geld verdienen, verdienen sie an dir.“

          Indessen hat Facebook in Deutschland fristgerecht dem für den amerikanischen Konzern zuständigen Hamburger Datenschutzbeauftragten Johannes Caspar eine Stellungnahme zu dem Daten-Skandal übermittelt. Die Unterlagen seien am Montag eingegangen, sagte ein Sprecher der Hamburger Behörde am Dienstag. Die Prüfung der Dokumente werde aller Voraussicht frühestens kommende Woche abgeschlossen.

          Die Enthüllung des Daten-Skandals durch einen ehemaligen Mitarbeiter von CA Mitte März löste einen Sturm der Empörung aus. Politiker sowohl in Europa als auch in den Vereinigten Staaten forderten eine schärfere Regulierung beim Datenschutz im Internet. Die britische Datenschutz-Behörde ließ Daten bei CA beschlagnahmen – ein Nebeneffekt davon ist, dass Facebook immer noch nicht sagen kann, um welche Informationen genau es geht. Die Aufregung ist auch Wochen später nicht abgeklungen.

          Für Facebook steht viel auf dem Spiel

          Zuckerberg war erst tagelang von der Bildfläche verschwunden – und ging dann auf Entschuldigungs-Tour. Facebook habe nicht genug unternommen, um seine Nutzer zu schützen, räumte er ein. "Das war unser Fehler, das war mein Fehler." Er trage am Ende die Verantwortung für alles, was bei Facebook passiere. Zugleich betonte der 33-Jährige, er sei nach wie vor die richtige Person, um Facebook zu führen, weil er aus Fehlern lerne.

          Facebook ließ auf die Fehler-Eingeständnisse Taten folgen. Der Zugang von App-Entwicklern zu Nutzerdaten wurde eingeschränkt. Die Möglichkeit, nach Nutzer-Profilen über E-Mail-Adressen oder Telefonnummern zu suchen, wurde abgeschafft – Facebook räumte ein, dass über diese Funktion vermutlich die öffentlich zugänglichen Informationen der Mehrheit der Nutzer abgesaugt wurden.

          Facebook will künftig bei der Personalisierung der Werbung auch nicht mehr auf Informationen externer Datenhändler zurückgreifen. Wer Anzeigen zu politischen Themen schalten will, muss Identität und Standort bestätigen – das soll Manipulationen wie Propaganda aus Russland im Präsidentschaftswahlkampf 2016 verhindern. Zudem wurden die Nutzungsbedingungen in einem seit langem geplanten Schritt an die EU-Datenschutzgrundverordnung angepasst, was Mitgliedern weitere Instrumente zum Schutz ihrer Privatsphäre gab.

          Am Dienstag ist Zuckerberg zunächst als Zeuge bei einer gemeinsamen Sitzung des amerikanischen Rechts- und des Handelsausschusses im Senat geladen (Livestream ab 20.15 Uhr auf FAZ.NET). Am Mittwoch steht dann eine weitere Befragung im Ausschuss für Energie und Handel des amerikanischen Abgeordnetenhauses an. Zuckerberg kann sich auf harte Fragen einstellen: Mehrere Senatoren und Abgeordnete kündigten in den vergangenen Tagen bereits an, dass sie den Facebook-Chef hart ran nehmen wollen.

          Für Facebook steht bei dem Termin viel auf dem Spiel. Im Kongress braut sich Empörung zusammen, die zu einer schärferen Regulierung im Internet unter anderem beim Datenschutz und damit zu Einschränkungen für das Geschäft des Online-Netzwerks führen könnte.

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