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„Click-Gap“ : Facebook geht stärker gegen Falschmeldungen vor

  • -Aktualisiert am

Facebook stand zuletzt verstärkt in der Kritik. Bild: AFP

Facebook reagiert auf zunehmende Kritik und überarbeitet seinen Algorithmus. Nutzer sollen Inhalte von unglaubwürdigen Quellen nun seltener zu Gesicht bekommen. Zu einer anderen Plattform äußert sich der Konzern nicht.

          Das Internetunternehmen Facebook hat angekündigt, abermals seinen Algorithmus zu überarbeiten, um die Verbreitung von Falschmeldungen in seinem sozialen Netzwerk zu verhindern. Facebook will ab sofort eine neue Statistik namens „Click-Gap“ verwenden, um die Qualität eines Beitrags zu bewerten. Click-Gap misst die Differenz zwischen der Verbreitung eines Links außerhalb und innerhalb von Facebook. Wird eine Webseite besonders oft innerhalb des Netzwerks verlinkt, aber nur sehr selten auf anderen Seiten, dann interpretiert Facebook das als Indiz, dass es sich um keine glaubwürdige Quelle handelt.

          Verbreiter von Falschmeldungen und radikalen Inhalten setzen oft auf eine virale Verbreitung in den sozialen Netzwerken und weniger auf eine Reputation außerhalb davon. Links zu solchen Seiten würden unter dem neuen System niedriger eingestuft und tauchten seltener in den Newsfeeds der Nutzer auf. Artikel von seriösen Medien, die sowohl auf Facebook als auch auf anderen Seiten oft verlinkt werden, erhielten dann einen entsprechend höheren Rang.

          Auch gegen Falschinformationen innerhalb von Facebook-Gruppen will das Unternehmen stärker vorgehen. Gruppen, deren Administratoren selbst mehrfach gegen die Nutzungsstandards verstoßen und Verstöße anderer Nutzer tolerieren, sollen in Zukunft schneller von der Plattform entfernt werden. Beiträge aus Gruppen, die wiederholt Inhalte von Webseiten teilen, die unabhängige Faktenüberprüfer als unverlässlich einstufen, sollen seltener in den Newsfeeds der Nutzer auftauchen.

          Facebook findet nicht genug Faktenchecker

          Der Facebook-Nachrichtendienst Messenger soll eine ähnliche Verifizierungsfunktion erhalten, wie sie schon auf der Webseite verwendet wird. Nutzer können dann an einem blauen Haken erkennen, ob das Medium oder die Person, von der sie Informationen erhalten, wirklich ist, wer sie zu sein vorgibt. Ein Kontext-Knopf soll zudem mehr Informationen zu der Quelle liefern, von der eine Nachricht kommt.

          Schon länger plant Facebook die Kooperation mit anderen Institutionen, die Informationen aus Beiträgen bewerten und einschätzen sollen, ob es sich um eine Falschmeldung handelt. Doch dabei stieß das Unternehmen auf Probleme: „Es gibt einfach nicht genug professionelle Faktenchecker weltweit und die Überprüfung von Fakten braucht Zeit.“ Facebook will sich nun mit Wissenschaftlern, Journalisten und anderen Experten beraten, um eine bessere Lösung zu finden.

          Nicht erwähnt wurde in der Ankündigung der Nachrichtendienst Whatsapp, der ebenfalls zu dem Unternehmen gehört. Whatsapp hat weltweit mehr als 1,5 Milliarden Nutzer. Die Nachrichten sind anders als im Facebook Messenger verschlüsselt. Schon im Januar hatte Facebook hier die Weiterleitung von Nachrichten beschränkt, nachdem über den Dienst verbreitete Fehlinformationen in Indien zu mehreren Lynchmodern geführt hatten. In den privaten Whatsapp-Gruppen ist es sehr viel schwieriger, Fehlinformationen einzudämmen als auf den sozialen Netzwerken.

          Facebook reagiert mit den Änderungen auf zunehmende Kritik an seiner Rolle bei der Verbreitung von Falschmeldungen und extremistischen Inhalten. Insbesondere nach dem Anschlag im neuseeländischen Christchurch im März, bei dem der Attentäter die Tötung von 50 Menschen filmte und live auf Facebook übertrug, wurde die Rolle des Netzwerkes stark kritisiert. Facebook hatte daraufhin erklärt, es werde seine Kontrollmechanismen überdenken.

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