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Zukunft des Netzwerks : Facebook denkt über Bezahlprodukt nach

  • Aktualisiert am

Sheryl Sandberg Bild: AFP

Für Facebook müssen Nutzer seit seiner Gründung kein Geld zahlen, seine Milliarden verdient die Firma mit zielgerichteter Werbung. Sieht das Modell bald anders aus?

          Der größte Unterschied zwischen Apple und Facebook? Der iPhone-Hersteller ist mit dem Verkauf von Milliarden Produkten zum wertvollsten Unternehmen der Welt aufgestiegen und hat damit im vergangenen Quartal 20 Milliarden Dollar Gewinn gemacht. Facebook bietet seine Dienste den Nutzern gratis an – verkauft dafür aber zielgerichtete Werbung. 4,3 Milliarden Dollar hat der Konzern im vergangenen Quartal damit verdient. Bislang sah Facebook keinen Grund, sein Geschäftsmodell zu ändern. Die Nutzer kamen und stellten bereitwillig ihre Daten zur Verfügung - bis jetzt.

          Seit bekannt wurde, dass Daten von Millionen von Facebook-Nutzern für zielgerichtete Werbung missbraucht wurden, steht Facebook mächtig unter Druck. Jetzt macht sich die Geschäftsführerin von Facebook, Sheryl Sandberg, erstmals öffentlich Gedanken über ein Gebührenmodell. Demnach könnte Facebook eine Art Button einführen, mit dem die Nutzer den Gebrauch ihrer Daten für zielgerichtete Werbung komplett ausschalten können. Bislang gebe es „verschiedene Formen von Opt-Out“, sagte Sandberg dem Fernsehsender NBC, aber nicht einen Button für alles. „Wir haben kein Opt-Out auf dem höchsten Niveau. Das wäre dann ein Bezahlprodukt.“ Das wäre ein Novum: Seit der Gründung von Facebook sind sämtliche Funktionen der Plattform umsonst.

          Facebooks Anzeigen-Kunden seien angesichts der neuen Datenschutzregeln durchaus besorgt, dass sie künftig schwerer die Nutzer nach ihren Interessen erreichen könnten, sagte Sandberg der „Financial Times“.

          Facebook weiß nicht, welche Daten Cambridge Analytica hat

          Sandberg gab außerdem zu, dass Facebook immer noch nicht weiß, welche Daten genau Cambridge Analytica erhalten hat und ob sie heute überhaupt noch Daten haben. Die Zahl von 87 Millionen möglicherweise betroffenen Nutzern, die Facebook zuletzt genannt hatte, sei die höchst mögliche Schätzung, sagte sie dem amerikanischen Fernsehsender PBS. „Sie haben uns vor Jahren zugesichert, dass sie alle Daten gelöscht haben. Wir hätten dem nachgehen sollen. Das war unser Fehler.“ Facebook müsse zunächst die Ermittlungen der britischen Behörden abwarten.

          Der Konzern muss sich in mehreren Ländern Fragen der Politik gefallen lassen. Nicht nur in Großbritannien wird ermittelt. In der nächsten Woche muss sich Chef Mark Zuckerberg dem amerikanischen Kongress stellen, und auch die EU will ihn befragen.

          Sandberg sagte weiter, auch sie persönlich habe sich nach dem Bekanntwerden des Missbrauchs nicht richtig verhalten. „Wir haben Fehler gemacht und ich bin dafür verantwortlich“, sagte sie der „Financial Times“. „Es gibt geschäftsführende Angelegenheiten, die wir in diesem Unternehmen ändern müssen, und wir sind dabei sie zu ändern. Wir müssen aus unseren Fehlern lernen und dazu etwas unternehmen.“

          Sie sagte weiter, nicht nur sie, sondern auch Zuckerberg hätten sich nach dem Bekanntwerden des Missbrauchs „früher und schneller“ äußern sollen. Facebook habe jedoch erst sicherstellen wollen, zu wissen, was genau passiert ist. Das Unternehmen hat angekündigt, die Datenschutz-Einstellungen vereinfachen zu wollen.

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