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Kongress befragt Facebook-Chef : „In welchem Hotel waren Sie gestern Nacht?“

Mark Zuckerberg muss sich unangenehme Fragen gefallen lassen. Bild: AFP

Mark Zuckerberg sagt vor dem Kongress in Washington aus und wird von Politikern in die Zange genommen. Es geht um Datenschutz und Privatsphäre. Ein Senator bringt den Facebook-Chef mit einer symbolbeladenen Frage aus dem Konzept.

          Es war schwer, Mark Zuckerberg am Dienstag in Washington zu entgehen. Die zur „Washington Post“ gehörende Gratiszeitung „Express“ zeigt auf ihrem Titel das Konterfei des Vorstandsvorsitzenden von Facebook auf einem grauen T-Shirt, seiner Standardkluft. Über dem Gesicht steht „Zuckerberg Entschuldigungstour 2018“.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Vor dem Rasen des Kapitols ließ die Aktivistengruppe derweil eine Armee von 100 lebensgroßen Zuckerberg-Pappfiguren aufstellen. Auf ihnen trägt der Facebook-Chef ein T-Shirt mit der Aufschrift „Fix Fakebook“. Die Gruppe will damit auf „hunderte von Millionen gefälschte Konten“ aufmerksam machen, die noch immer Falschinformationen in dem sozialen Netzwerk verbreiteten.

          Es war also nicht gerade ein freundlicher Empfang für den 33 Jahre alten Multimilliardär aus dem Silicon Valley. Und es war ein Vorgeschmack darauf, was ihn im Inneren des Kapitols erwarten sollte. Hier stand die erste von mehreren Anhörungen auf dem Programm, in denen er in dieser Woche aussagen soll. Kurz vor 15 Uhr Ortszeit war es so weit. Der Facebook-Chef, diesmal in dunklem Anzug, blütenweißem Hemd und hellblauer Krawatte statt grauem T-Shirt, ergriff das Wort. Anders als viele Manager bei ähnlichen Anhörungen wurde er dabei nicht vereidigt – ihm blieb es also erspart, mit zum Schwur gehobener Hand fotografiert und verewigt zu werden.

          „Es war mein Fehler, und es tut mir leid.“

          In seiner Stellungnahme zu Beginn gab er sich reumütig und gestand, Facebook habe nicht genug getan, um zu verhindern, dass mit seinen Diensten Schaden angerichtet wird. „Es war mein Fehler, und es tut mir leid. Ich habe Facebook gegründet, ich führe es und ich bin verantwortlich, was hier passiert.“

          Der weitaus unangenehmere Teil der Anhörung begann danach mit der Fragerunde der Senatoren. Bill Nelson von der Demokratischen Partei sagte, ein Mangel ein Datenschutz sei ein „Muster“ auf Facebook, John Thune von den Republikanern sagte, das soziale Netzwerk habe „eine 14 Jahre lange Geschichte, sich zu entschuldigen.“ Während der Anhörung wurde sogar ein Schild mit Entschuldigungen hochgehalten, die Zuckerberg in der Vergangenheit gemacht hat.

          Der Facebook-Chef beantwortete die Fragen mit ruhiger Stimme, wirkte aber auch sehr einstudiert. Er gab sich große Mühe, die Politiker mit ihrem Titel anzusprechen und begann seine Antworten mit Einleitungen wie „Thank you, Mister Chairman“ oder „No, Senator“. Mehrmals sagte er, er könne eine Frage nicht beantworten und müsse Rücksprache halten, etwa bei der Frage, ob Facebook auch Daten sammelt, wenn Nutzer offline sind.

          Dick Durbin von den Demokraten brachte Zuckerberg mit einer symbolisch für die Bedeutung von Privatsphäre und Datenschutz gemeinten Frage aus dem Konzept, ob er denn verraten würde, in welchem Hotel er die vorherige Nacht verbracht habe. Nach einigem Zögern lehnte der Facebook-Chef ab.

          Dick Durbin brachte Zuckerberg mit der Frage, in welchem Hotel er die Nacht verbracht habe, aus dem Konzept.

          Es war ein langer Nachmittag für Zuckerberg. Mehr als 40 Senatoren sollten jeweils fünf Minuten Gelegenheit bekommen, ihn zu befragen, es zeichnete sich also ab, dass die Anhörung bis in die frühen Abendstunden dauern würde. Es ging dabei auch nicht nur um Datenschutz. Zuckerberg wurde zum Beispiel auch gefragt, ob Facebook nicht ein Monopol sei, woraufhin er sagte: „Es fühlt sich für mich bestimmt nicht so an.“ Kongressanhörungen wie diese sind berühmt dafür, dass Politiker mit Managern skandalgeplagter Unternehmen hart ins Gericht gehen.

          Das haben in der Vergangenheit Unternehmen wie die Autohersteller Volkswagen und General Motors oder der Ölkonzern BP zu spüren bekommen. Dabei sehen die Politiker selbst bisweilen nicht sonderlich gut oder kenntnisreich aus. Senator Orrin Hatch von den Republikanern etwa fragte Zuckerberg am Dienstag, wie sich denn Facebook finanzieren könne, wenn der Dienst gebührenfrei sei. „Senator, wir schalten Anzeigen,“ antwortete der Chef des sozialen Netzwerks verdutzt.

          Zu den kritischsten Stimmen gehörte John Kennedy von den Republikanern, der gegen Ende der Anhörung an der Reihe war. „Eure Nutzerbedingungen sind beschissen,“ sagte er zum Facebook-Chef und sagte, sie dienten nur dazu, „Facebooks Hintern zu schützen“ anstatt die Nutzer zu informieren. Er zeigte sich enttäuscht vom Verlauf der Anhörung und forderte Zuckerberg auf, bei der Entwicklung von Regulierungen zu helfen.

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