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Wohnungsvermittler : Warum sich die EU-Kommission nun Airbnb vorknöpft

Nun hat die EU-Kommission Airbnb abgemahnt. Bild: AFP

Airbnb bekommt Ärger mit den Wettbewerbshütern aus Brüssel, jedoch: Diesmal geht es nicht um möglicherweise zweckentfremdete Wohnungen. Worum geht es dann?

          Die EU-Kommission knöpft sich den Appartementvermittler Airbnb vor: Nach Ansicht der Kommission entsprechen Regelungen in den Geschäftsbedingungen und vor allem die Art, wie Übernachtungspreise angezeigt werden, nicht immer europäischem Recht. „Mehr und mehr Verbraucher buchen ihre Ferienunterkünfte im Internet, und dieser Sektor hat den Urlaubern viele neue Möglichkeiten eröffnet. Aber Popularität ist kein Grund, EU-Verbrauchervorschriften zu missachten“, sagte EU-Verbraucherschutzkommissarin Vera Jourová an diesem Montag.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Sie hat Airbnb nun eine Frist bis Ende August gesetzt, um Preisangaben transparenter zu gestalten. Außerdem soll das Unternehmen aus Kalifornien bis dahin Vorschläge einreichen, wie es sich an europäisches Verbraucherrecht halten will.

          Wenn Behörden gegen Airbnb eingeschritten sind, ging es in der Vergangenheit meist um den Verdacht, dass über das Portal Wohnungen heimlich zu Unterkünften umfunktioniert und somit zweckentfremdet würden. Das ist im aktuellen Fall anders. Das Vorgehen der EU steht in einer Reihe von Mahnungen gegen eine Vielzahl von Online-Reiseportalen. Die EU-Kommission behandelt Airbnb nun also genauso wie herkömmliche Reiseportale – Airbnb ist bloß etwas später an der Reihe.

          Alle Kosten angeben

          Vor einem Jahr hatte die Kommission Anstoß an den Verkaufspraktiken von insgesamt 235 Reiseportalen Anstoß genommen. Zuvor hatte sie nach eigenen Angaben 352 Internetseiten untersuchen lassen. Die Behörde monierte schon damals, dass nicht zuverlässig und vollständig über Endpreise informiert werde. Entdeckt wurden irreführende Preisangaben, Zusatzkosten, die erst im Verlauf der Buchung erschienen, und angepriesene Sonderangebote, die sich in der beworbenen Form gar nicht buchen ließen.

          Die EU-Kommission forderte Airbnb nun auf, Unterkunftspreise fortan so darstellen, „dass der Verbraucher in allen Fällen den Gesamtpreis einschließlich aller verbindlichen Gebühren und Abgaben, zum Beispiel für Dienst- und Reinigungsleistungen, erhält“. Sollte dies nicht möglich sein, müsse Airbnb zumindest deutlich darüber informieren, dass im Buchungsverlauf zusätzliche Gebühren anfallen können. Grundsätzlich sind Portale verpflichtet, Endpreise einschließlich Mehrwertsteuer und aller Kosten für Nebenleistungen anzugeben.

          Auf wenig Gegenliebe dürfte die Kommissionsforderung stoßen, dass Airbnb auch kennzeichnen soll, ob eine Unterkunft privat oder gewerblich angeboten wird. Die Kommission begründet dieses Verlangen damit, dass unterschiedliche Verbraucherschutzregeln gelten. Der Vermittler beansprucht für sich, Reisenden Unterkünfte zu bieten, in denen sie wie Einheimische wohnen. Sollte ein großer Anteil gewerblicher Unterkünfte sichtbar werden, wäre damit zwar nichts Illegales aufgedeckt. Allerdings würde Airbnb deutlicher als kommerzielles Reiseportal erscheinen.

          Airbnb sagte zu, die Vorwürfe aus Brüssel zu prüfen und kündigte an, mit der Kommission zusammenzuarbeiten. Gleichwohl ist der Vermittler der Ansicht, dass Nutzer schon jetzt auf alle Gebühren und Steuern aufmerksam gemacht würden. Auf eine Stellungnahme von Airbnb sollen im September Gespräche zwischen dem Vermittler und der Kommission sowie nationalen Verbraucherschutzstellen folgen. Fallen dabei Nachbesserungsvorschläge von Airbnb durch, können nationale Verbraucherschützer gegebenenfalls gegen Airbnb vorgehen.

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