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Wettbewerbswidriges Verhalten : EU-Kartellamt prüft Amazon-Marktplatz

  • Aktualisiert am

Ein Mitarbeiter von Amazon greift im Amazon Logistikzentrum nach einem Paket. Bild: dpa

Nach ersten Erkenntnissen scheine Amazon wettbewerbssensible Informationen über Marktplatzhändler für sich zu nutzen. In einem anderen Verfahren hatte der amerikanische Online-Riese zuvor eingelenkt.

          Das EU-Kartellamt nimmt die Verkaufspraktiken des Online-Händlers Amazon unter die Lupe. Gegen das amerikanische Unternehmen werde eine Untersuchung wegen eventuellem wettbewerbswidrigen Verhalten auf seiner Verkaufsplattform eingeleitet, teilte die EU-Kommission am Mittwoch in Brüssel mit. Dazu wollen die Wettbewerbshüter unter anderem die Standardvereinbarungen zwischen Amazon und den anderen Marktplatzhändlern prüfen. 

          Amazon habe eine doppelte Funktion: Zum einen verkaufe das Unternehmen als Einzelhändler Produkte auf seiner Website, zum anderen stelle es einen Online-Marktplatz zur Verfügung, über den unabhängige Händler ihre Produkte direkt an Verbraucher verkaufen können.

          Bei letzterem sammle Amazon Daten über die Aktivitäten auf seiner Plattform. Nach ersten Erkenntnissen scheine Amazon wettbewerbssensible Informationen über Marktplatzhändler, ihre Produkte und die Transaktionen zu nutzen, erläuterten die EU-Kartellwächter.

          „Der elektronische Handel hat den Wettbewerb im Einzelhandel angekurbelt und zu einer größeren Auswahl und günstigeren Preisen geführt“, sagte die zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager. „Wir müssen sicherstellen, dass große Online-Plattformen diese Vorteile nicht durch wettbewerbswidriges Verhalten aushebeln.“ Für die Untersuchung gibt es keine Frist. Sollte die EU-Kommission letztlich illegales Verhalten feststellen, kann sie Strafen in Milliardenhöhe verhängen.

          In einem getrennten Verfahren des Bundeskartellamtes wegen der Geschäftsbedingungen auf dem Marktplatz hatte der amerikanische Online-Riese zuvor eingelenkt. Der Online-Händler will seinen Umgang mit Händlern ändern, die über Amazon-Marktplätze ihre Produkte verkaufen. Im Gegenzug zu umfangreichen Änderungen der Geschäftsbedingungen wird ein sogenanntes Missbrauchsverfahren eingestellt, wie Deutschlands oberste Wettbewerbshüter am Mittwoch in Bonn mitteilten.

          Das Verfahren war im November 2018 eingeleitet worden, nachdem sich zahlreiche Händler beschwert hatten. Sie bemängelten Haftungsregeln, die zu ihren Lasten gingen, intransparente Kündigungen und Sperrungen von Konten sowie einbehaltene oder verzögerte Zahlungen.

          Die Marktplätze – also die Plattform für Waren von Drittanbietern – sind für den amerikanischen Konzern immens wichtig. Nach Unternehmensangaben stammen 58 Prozent des global über Amazon erwirtschafteten Bruttowarenumsatzes von diesen Händlern.

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