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Ordnung im Netz : Etiketten für Influencer

Auch Luca hat auf Youtube eine große Fangemeinde. Bild: YouTube / Screenshot F.A.Z.

Das Justizministerium will Influencer davor verschonen, auch unbezahlte Beiträge kennzeichnen zu müssen. Das ist genau richtig.

          „Hallo Ihr Lieben, wie geht es Euch, ich bin es wieder, Euer Hendrik, und heute wollte ich Euch mal sagen, was ich über diese Idee mit dem Influencergesetz aus dem Bundesjustizministerium denke!“ So oder so ähnlich klänge diese Glosse, wäre sie ein Influencer-Beitrag auf Youtube.

          Persönlich, vertraut, unperfekt im Duktus, aber schließlich „kennen“ wir uns schon lange, vielleicht Jahre, also Sie, meine Follower, und ich, der Influencer. Auf meinem Kanal würde ich oft gegen Bezahlung zum Beispiel Kameras besprechen, mit Werbekennzeichnung, bisweilen aber auch die neue Deichkind-Single, politische Initiativen oder die „Zerstörung der CDU“, ohne Honorar, ungekennzeichnet.

          Wäre das in Ordnung? Oder ist ein Influencer quasi eine Dauerwerbesendung, weil auch werbefreie Aussendungen die Marke und damit das Geschäft stützen? Rechtlich ist das ungeklärt. Das Bundesjustizministerium will Influencer jetzt davor verschonen, auch unbezahlte Beiträge kennzeichnen zu müssen.

          Das ist richtig und entspricht geradezu einem Verfassungsauftrag: Wie auch immer man die Art und Ansprache vieler Influencer findet, so andersartig, albern und unseriös (blaue Haare!) sie gerade in den Augen älterer Menschen scheinen mögen – was sie mitteilen, ist Kommunikation und durch Artikel 5 des Grundgesetzes geschützt. Auch gegen falsche Etiketten.

          Hendrik Wieduwilt

          Redakteur der Wirtschaft in Berlin, zuständig für „Recht und Steuern“.

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