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Wegen Schwachstelle : Erste Verbraucher verklagen Intel

  • Aktualisiert am

Intel weiß schon seit einigen Monaten von seiner Sicherheitslücke in Chips. Bild: STEINBA/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Der Halbleiterkonzern Intel steckt wegen der Sicherheitslücke in seinen Computerchips massiv in Schwierigkeiten. Jetzt wollen amerikanische Verbraucher ihr Geld zurück. Die NSA gibt sich unterdessen unwissend.

          Nach Bekanntwerden der schwerwiegenden Sicherheitslücke in Computer-Prozessoren gerät der Branchenriese Intel ins Visier erster Klagen von amerikanischen Verbrauchern. Bis Samstag wurden zunächst drei Klagen in den Bundesstaaten Kalifornien, Indiana und Oregon eingereicht. Sie argumentieren mit Blick auf die entdeckte Schwachstelle, dass ihnen schadhafte Chips verkauft wurden und fordern Wiedergutmachung. Die Kläger streben den Status von Sammelklagen an, denen sich weitere Verbraucher anschließen können.

          Durch die diese Woche bekanntgewordene Sicherheitslücke können zumindest theoretisch auf breiter Front Daten abgeschöpft werden. Die Schwachstelle steckt in einem branchenweit angewendeten Verfahren, deswegen sind Prozessoren verschiedenster Hersteller betroffen. Forscher demonstrierten, dass es möglich ist, sich Zugang zum Beispiel zu Passwörtern, Krypto-Schlüsseln oder Informationen aus Programmen zu verschaffen. Tech-Unternehmen sind dabei, die seit Jahren bestehende Lücke so gut es geht mit Software-Aktualisierungen zu stopfen. Vielleicht ist es sogar notwendig, alle Prozessoren komplett auszutauschen, darüber sind sich Fachleute uneinig.

          Forscher machten zwei Angriffsszenarien aus: Mit „Meltdown“ kann man Daten aus dem Betriebssystem abgreifen, mit „Spectre“ aus anderen Programmen. Die Kläger schießen sich jetzt zum Teil darauf ein, dass „Meltdown“ bisher nur auf Intel-Prozessoren nachgewiesen wurde. Sie verweisen darauf, dass Intel schon seit Monaten über die Schwachstelle Bescheid wusste, und argumentieren, dass sie sich keinen Computer mit Intel-Chip gekauft oder weniger dafür bezahlt hätten, wenn diese Informationen öffentlich gewesen wären. Die Forscher und die Unternehmen hatten die Offenlegung bis Januar zurückgehalten, um in dieser Zeit Gegenmaßnahmen zu entwickeln. Intel, Microsoft und Apple betonten, dass nach ihren Erkenntnissen die Schwachstelle noch nicht für Angriffe ausgenutzt worden sei.

          Intel-Chef kritisiert Medienberichte

          Der amerikanische Geheimdienst NSA kannte die Sicherheitslücke nach amerikanischen Regierungsangaben nicht. „Die NSA wusste nicht von der Schwachstelle, hat sie nicht ausgenutzt und freilich würde die amerikanische Regierung nie ein großes Unternehmen wie Intel einem Risiko aussetzen, um eine Angriffsfläche offenzuhalten“, sagte der Cybersicherheitskoordinator im Weißen Haus, Rob Joyce, der „Washington Post“. Er führte einst selbst die NSA-Abteilung, die auf das Eindringen in Computersysteme spezialisiert ist.

          Intel-Chef Brian Krzanich hingegen kritisierte unterdessen manche Berichte in den Medien als völlig übertrieben. „Das ist kein Problem, das nicht behoben werden kann“, betonte Krzanich laut „c'net“. Es zeichne sich bereits ab, dass die Patches erfolgreich seien. Bei der aktuellen Sicherheitslücke liege die Sachlage auch völlig anders als bei dem 1994 in Intels Pentium-Prozessoren entdeckten Fehler. Damals hatten Intel-Manager einen Bug im sogenannten Fließkomma-Prozess in dem Chip zunächst heruntergespielt. Schließlich kostete eine weltweite Umtausch-Aktion das Unternehmen rund 500 Millionen Dollar.

          Die nun bekannt gewordenen Lücken zeigten einmal mehr, wie abhängig viele Bereiche des täglichen Lebens von moderner Technologie seien, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Freitag. Deshalb wolle er in Europa stärker auf eigene Entwicklungen und Schlüsseltechnologien setzen. „Hierzu gehört auch die Chiptechnologie, jedenfalls aber Sicherheitstechnologie.“ IT-Sicherheitsprodukte aus Deutschland seien weltweit hoch anerkannt. „Dieses Potential muss noch besser genutzt werden.“

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